Freiwillig die Abende an der Hochschule verbringen? Für das Formula Student Team Weingarten ist das selbstverständlich. In monatelanger Arbeit haben die Studenten des Weingartener Rennteams an ihrem neuen Boliden gebaut, wie aus einer Mitteilung der Hochschule Ravensburg-Weingarten hervorgeht. Nun haben die Tüftler den „Stinger 16“ feierlich der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Formula Student ist für uns ein Lebensgefühl“, sagt Teamleiter Frank Tiefenbach, als der „Stinger 16“ feierlich an der Hochschule Ravensburg-Weingarten enthüllt wird. „Jedes unserer Teammitglieder trägt dazu bei, dass der Karren läuft.“ 65 Mitglieder aus allen vier Fakultäten zählt das Formula Student Team Weingarten. Was sie alle gemeinsam haben: Sie wollen mit ihrem Wagen auf den Rennstrecken weltweit Erfolge feiern. Die Bilanz für 2015: erster Platz in der Wettbewerbsdisziplin Cost Report in Hockenheim und Tschechien, erster Platz in der Beschleunigung in Spanien und Tschechien.

Doch auch wenn die vergangene Saison für die Weingartener erfolgreich war, etwas zu verbessern gibt es immer. Dass die Studenten dafür oft Nachtschichten einlegen müssen, ist für die jungen Leute Ehrensache. „Unsere Studenten zeigen einen Einsatz und eine Leidenschaft, die enorm sind“, sagt Markus Till, Dekan der Fakultät Maschinenbau. „Wissensaufbau, Charakterstärke, Ingenieursdenken – das alles sind Kompetenzen, die man nicht einfach so in einer Vorlesung vermitteln kann.“

Mit unter 200 Kilogramm sei das Gewicht des „Stinger16“ bemerkenswert niedrig, was nur durch geschickte Kombination mehrerer Werkstoffe möglich sei. Auf der technischen Seite habe der Bolide noch mehr zu bieten: Beispielsweise einen Frontflügel, der auf Frontal- und Seitenströmung optimiert ist, einen Doppeldecker-Heckflügel, eine pneumatische Schaltung und eine verstellbare Pedalerie, die sich auf die Bedürfnisse der jeweiligen Fahrer ausrichten lässt. Alles mit dem Ziel, die Zuverlässigkeit und Performance des Wagens zu verbessern und noch schneller zu werden.

Im Wettbewerb kommt es jedoch nicht allein darauf an, den schnellsten Wagen zu ermitteln. Vielmehr gewinnt jenes Team, dessen Wagen das beste Gesamtpaket in drei statischen und fünf dynamischen Disziplinen bietet. „Formula Student ist ein Projekt, das unsere Hochschule immer wieder beeindruckt“, so Prorektor Jörg Wendorff. Denn das Projekt setze modernste didaktische Konzepte um. „Die Studierenden stammen aus verschiedensten Studiengängen und arbeiten projektbezogen interdisziplinär in international besetzten Teams zusammen.“

Technische Kenntnisse sind das eine, doch damit ein Team erfolgreich sein kann, braucht es nicht nur einen starken Zusammenhalt, sondern auch ein Händchen für die Sponsorensuche. Neben allen technischen Finessen hat sich das Team dieses Jahr auch für alle Fans und Unterstützer eine besondere Aktion einfallen lassen: Gegen eine kleine Spende kann man sich mit seinem Namen auf dem Heckflügel des Rennwagens verewigen lassen – und ist damit ab sofort als Glücksbringer auf allen Rennen dabei.

Nun wird der „Stinger 16“ in Probetrainings ausgiebig getestet, damit das Team für die anstehenden Rennen im Sommer bestmöglich gerüstet ist. „Eine neue Saison startet für uns eigentlich immer schon auf der Heimfahrt vom letzten Event. Dann beginnen wir im Kopf schon mit der Planung für den nächsten Wagen“, sagt Aysegül Bilgi, Teamleiterin im Bereich Organisation und Mannschaftsbildung. Ende Juli bis Ende August wird das Weingartener Team bei Rennen in Hockenheim, Spanien, Österreich und Ungarn antreten.