Weingarten (end) Mit einem Festakt im Kultur- und Kongresszentrum in Weingarten hat die IHK Bodensee-Oberschwaben ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert. Rund 850 Gäste waren der Einladung gefolgt, unter ihnen neben Ehrengästen aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik vor allem die Vertreter der Mitgliedsunternehmen aus der Region. Bei seiner Begrüßung drehte IHK-Präsident Heinrich Grieshaber zunächst einmal die Uhr zurück. "Ich stelle mir vor, wie Sie vor 150 Jahren mit Frack und Zylinder hier gesessen hätten und mit der Pferdekutsche angereist wären", sagte Grieshaber. So rasant wie die technische Entwicklung sei auch die unternehmerische Vielfalt geworden. "Damals gab es 400 Mitglieder in unserem Bezirk, heute sind es 34 000", ergänzte Grieshaber. Einige Anekdoten aus der Geschichte der IHK Bodensee-Oberschwaben und seinen regionalen Gewerbevereinen riss im zweiten Teil des Festakts der Historiker Rainer Lächele an, der im Auftrag der IHK eine Chronik verfasste.

Zukunftsthemen widmete sich zuvor aber Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Dass er als Ehrengast zu diesem Festakt anreiste, verstand sich quasi von selbst. Kretschmann ist selbst im Wirtschaftsraum der hiesigen IHK zu Hause und kennt die Vorzüge, aber auch Probleme der Region. So wie beispielsweise das vermeintliche Jahrhundertprojekt Südbahn-Elektrifizierung, das jetzt endlich vor der Realisierung steht. "Sehen Sie das bitte als Geschenk des Landes zu Ihrem Jubiläum", sagte Winfried Kretschmann und machte deutlich, dass dies ein infrastrukturell äußerst wichtiges, aber politisches Entgegenkommen war.

"Es ist eigentlich nicht Aufgabe des Landes, Schienen und Bahnstrecken zu bauen. Dass wir es trotzdem tun, ist etwas Besonderes und es wird sich so auch nicht mehr wiederholen können", schickte Kretschmann in Richtung Berlin. Selbstvertrauen vermittelte Kretschmann den Wirtschaftsvertretern bei den Themen des weltweiten Handels. "Der freie Welthandel ist das Geschäftsmodell des Landes Baden-Württemberg", betonte der Ministerpräsident und sieht in Zukunft mehr, statt weniger internationale Zusammenarbeit. "Wir müssen verstehen, dass ein freier Handel keine Gefahr für den Wohlstand ist, sondern dessen Sicherung." Er ermutigte die regionalen Unternehmen dazu, weiterhin so innovativ zu bleiben und aktiv bei der Ausbildung junger Menschen zu sein: "Wir brauchen ein gutes Bild des Unternehmertums, dies ist die Basis für Start-ups und die Region Bodensee-Oberschwaben ist ein Vorbild für andere Regionen." Der Slogan, den sich die IHK auferlegt habe, würde alles aussagen: "Die Schwaben sind bekannt für ihre florierende Wirtschaft. Wir sind Oberschwaben", schloss er.