Statt 3200 Euro muss ein 20-Jähriger aus Weingarten nur 500 Euro an den Staat zahlen. Er hatte vor dem Landgericht Ravensburg Berufung eingelegt gegen ein Urteil des Amtsgerichts Tettnang. Letzteres hatte ihn im Februar wegen diverser Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz in Friedrichshafen und Ravensburg zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt und einen Verfall von 3200 Euro angeordnet. "Rauschgifthandel darf sich nicht lohnen, deshalb ist abzuschöpfen", sagte der Vorsitzende Richter Stefan Maier in seiner Urteilsbegründung. "Aber die Abschöpfung darf den Angeklagten nicht ersticken."

Mit Verfall bezeichnet das Strafrecht die Abschöpfung von Vermögen, das ein Straftäter mit seiner Tat erlangt hat. Ziel ist es, zu verhindern, dass jemand sich trotz Strafe an rechtswidrigen Taten bereichert. Der junge Mann gab aber an, im Monat nach Abzug seiner Ausgaben für Miete, Telefon und Schuldentilgung noch 206 Euro für seinen Lebensunterhalt übrig zu haben. Er macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Damit konnte er eine Gesetzesklausel nutzen, nach der der Verfall keine unbillige Härte für den Verurteilten darstellen darf.

Der 20-Jährige hatte mit Drogen gehandelt, um seinen Marihuana-Konsum zu finanzieren. "Ich dachte, ich bringe es nie im Leben zu etwas, und wollte mir so mein Geld verdienen", sagte er. Nach einem Langzeitpraktikum konnte er eine Ausbildung beginnen. "Das ist eine Super-Arbeit, die will ich sicher nicht verlieren." Er rauche nicht mehr, auch keine Zigaretten. "Es ist erstaunlich, dass er so weit gekommen ist," sagte Johannes Kraft von der Jugendgerichtshilfe. Nach Trennung der Eltern, Missbrauch und ständigen Schulwechseln in der Kindheit habe er einen guten Hauptschulabschluss hinbekommen. "Es geht darum, dass das so bleibt. Wenn er die Ausbildung durchhält, steht er fest im Leben." Daher sei es sinnvoll, ihn finanziell zu entlasten.

Sein Rechtsanwalt Uwe Rung plädierte dafür, ihm den Verfall zu erlassen. Straftaten sollen sich nicht lohnen", hielt Staatsanwalt Julian Mayer dagegen. Daher sei ein erzieherischer Wert des Verfalls gegeben. Dem schloss sich das Gericht an, legte ihn aber auf den niedrigeren Wert von 500 Euro fest.