Weingarten – Die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben blickt in diesen Tagen auf ein besonderes Jubiläum. Vor 150 Jahren wurde im Bereich der damaligen Oberämter der Region im Königreich Württemberg die Handels- und Gewerbekammer Ravensburg gegründet. König Karl hatte knapp ein Jahr zuvor die Genehmigung erteilt – überzeugt davon, dass gewisse staatliche Aufgaben doch besser von Industrie, Handel und Handwerk vor Ort organisiert und verwaltet werden. Das passierte einst auch vor dem Hintergrund, dass die Region Bodensee-Oberschwaben mitunter auch durch den Anschluss an das Schienennetz enormen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte.

Die industrielle und gewerbliche Welt hat sich freilich rasant verändert und auch das Handwerk hat sich eigenständig organisiert, der Wille und Geist der damaligen IHK-Gründung ist jedoch geblieben, wie auch Präsident Heinrich Grieshaber prägend anmerkte: "Schon vor 150 Jahren gab es in Unternehmenskreisen den eindeutigen Wunsch nach Erfahrungsaustausch und Vernetzung." Dass sich in der Region Schaffer, Tüftler und Pioniere des Unternehmertums wohlfühlten, zeigen mehrere Aspekte. Zum einen wuchs die Zahl der IHK-Mitgliedsunternehmen von einst 400 auf 34 000 an, noch bedeutender ist der Umstand, dass der IHK-Bezirk Bodensee-Oberschwaben in Sachen Wirtschaftskraft und anderen relevanten Parametern zu den Top drei in Baden-Württemberg zählt und auch im bundesweiten Vergleich eine bedeutende Rolle spielt. "Das ist auch vor dem Hintergrund beachtlich, weil es unsere Region am Rande der Republik bei mangelnder Infrastruktur nie einfach hatte und hat", ergänzte Heinrich Grieshaber.

So stolz die IHK mit seinen Mitgliedsunternehmen, Vertretern der Vollversammlung und seiner Verwaltung auf das 150-jährige Bestehen sein darf, die Zukunft bleibt stets im Fokus. Außerordentlich begrüßt wird von den Unternehmen, dass ein Großteil der im neuen Bundesverkehrswegeplan priorisierten Verkehrs- und Infrastrukturprojekten in die hiesige Region geht. Auch in Jubiläumsstimmung will die IHK stellvertretend für die Mitgliedsunternehmen aber auch die Konjunktur-Risiken nicht außer Acht lassen. Während die derzeitigen Diskussionen über den Exportüberschuss Deutschlands, Strafzölle bei der Einfuhr in die USA oder der Zukunft des europäischen Binnenmarktes vor allem Industrie und Mittelstand unruhig halten, beschäftigt der Fachkräftemangel so gut wie alle Branchen und Betriebe aller Größen. Die prägende Aufgabe der IHK, die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern zu organisieren und zu fördern, steht hier in besonders wichtigem Kontext.

Dies alleine wird bei den einsetzenden demografischen Entwicklungen aber genauso wenig reichen, wie der Zuzug von geflüchteten Menschen. Unter diesen Voraussetzungen geht der Blick klar auf den Trend, dass zu viele junge Menschen eine akademische Laufbahn anstreben, inzwischen sind es 55 Prozent. "Die Gefahr ist einfach zu groß, dass diese dann nicht unterkommen und überqualifiziert andere Tätigkeiten ausfüllen müssen", betont hier IHK-Geschäftsführer Peter Jany. Vielen jungen Menschen wäre da mehr geholfen, sich nicht mit Druck und Krampf durch Abitur und Studium zu quälen, sondern sich über eine duale Ausbildung eine berufliche Existenz aufzubauen. Diese kann durch umfangreiche Fortbildungsmöglichkeiten ja durchaus in einer erfolgreichen Karriere münden. Gedanken machen müsse man sich, so Jany, sicherlich auch über die teils gravierenden Gehaltsunterschiede.

150 Jahre IHK

Derzeit umfasst die IHK Bodensee-Oberschwaben in ihrem Bezirk rund 34 000 Mitgliedsunternehmen. Die Vertreter in der Vollversammlung sowie anderen Gremien sind nach sechs Gewerbebranchen gewichtet. Die Mitgliedschaft ist für Gewerbetreibende Pflicht, Beiträge werden jedoch erst bei Gewerbeerträgen ab 5200 Euro erhoben. In ihrem Bezirk ist die IHK verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung sowie Prüfungen. Im Rahmen des Jubiläums wurde eine Chronik über die Geschichte der IHK und ausgewählte Unternehmen verfasst. Informationen im Internet: www.weingarten.ihk.de