Zugegeben: mit zwei Computer-Mäusen zu arbeiten ist gewöhnungsbedürftig. Vor Alexander Sailer liegt rechts die vertraute und links eine sogenannte Space-Maus. Futuristisch sieht sie aus wie das Bedienelement eines Science-Fiction-Raumschiffs. Doch der Betriebswirt aus Markdorf hat damit soeben ganz real den Kubus auf einem Monitor dreidimensional bewegt. Und er will die ungewohnte Maus noch besser in den Griff bekommen. Sailer arbeitet im Vertrieb einer Firma, die Farbsprühgeräte herstellt. "Ich habe zunächst ganz klassisch Kaufmann gelernt", erzählt er. "Jetzt kribbelt's mich, das Kaufmännische mit dem Technischen zu verzahnen." 3D-Software kennenzulernen, um technische Zeichnungen zu verstehen. Es wäre nicht seine erste Fortbildung: Beharrlich hat sich Sailer mit IHK-Lehrgängen auf der Karriereleiter nach oben gehangelt. An einem solch ultra-modernen Lernplatz wie hier im neuen CAD-Raum der IHK Bodensee-Oberschwaben ist er dabei allerdings noch nie gesessen.

Einen komplett neuen Anbau widmet die Kammer nach 20-monatiger Bauzeit ganz dem Thema Weiterbildung. Auf 2800 Quadratmetern Fläche trägt sie dem Ruf nach lebenslangem Lernen nicht nur mit modernster Informationstechnik Rechnung, auch das Raumkonzept ist lernpsychologisch detailliert durchdacht. Neben den 23 Seminarräumen gibt es Rückzugsinseln, mal mit bequemen blauen Polstern, mal mit Stehtischen ausgestattet, in denen Kursteilnehmer individuell arbeiten oder sich in Gruppen zum Brainstorming zurückziehen können. Zur optimalen Vorbereitung auf ihre Kurse haben die Dozenten eigene Büros erhalten.

Die IHK macht Lernen damit aber nicht nur komfortabler, sie befriedigt auch eine hohe Nachfrage. Jährlich belegen rund 7000 Teilnehmer die Fortbildungskurse, was einen Umsatz von 2,5 Millionen Euro garantiert. Jetzt muss die Kammer dafür nicht mehr eigens Räume anmieten und kann sogar neue Bildungsprodukte anbieten. "Wir versuchen alles abzudecken, was die Anforderungen an motivierte Mitarbeiter von morgen sind", sagt Verwaltungsleiter Roland Michelberger und nennt als Stichworte das Internet der Dinge und Industrie 4.0.

Doch die IHK will nicht nur Berufstätige fit machen, sondern auch den Nachwuchs fördern. Geschäftsführer Peter Jany freut sich, am Tag der offenen Tür "mal nicht vor lauter grauen Anzügen zu stehen", sondern Steppkes im Alter zwischen vier und sechs Jahren begrüßen zu dürfen. Sie sind vom Kindergarten Spatzennest in Bavendorf und tragen weiße Kittel, wie es sich für Forscher gehört. Ist die Farbe Schwarz wirklich eine Farbe? Und was ist leichter – Öl oder Wasser? Mit Gläsern, Pipetten und vor Eifer glühenden Wangen führen sie ihre Lieblingsexperimente vor. Die Zuschauer sind begeistert – und Jany kann drei Kindergärten erneut das Zertifikat als "Haus der kleinen Forscher" überreichen.

Weil Forschen und Lernen hungrig machen, hat die IHK jetzt auch einen Gastronomiebereich. Ein Bistro-Casino mit 60 Plätzen tischt von Montag bis Samstag ein breites kulinarisches Angebot auf mit täglich zwei Mittagsmenüs. Und wenn es das Wetter erlaubt, kann man Essen und Lernen auch nach draußen verlegen in den Gartenbereich oder an die eigens angelegte Wasserfläche.

Der Neubau

Der Neubau der IHK Bodensee-Oberschwaben vereint alle Weiterbildungsangebote unter einem Dach. An den Kosten in Höhe von 9,3 Millionen Euro haben sich der Bund mit rund 40 Prozent und das Land mit 26,5 Prozent beteiligt. Neben Fortbildungskursen, die berufsbegleitend absolviert werden können, starten ab 2017 auch Vollzeitmaßnahmen, etwa der "Geprüfte Betriebswirt" und der "Geprüfte technische Fachwirt". IHK-Mitarbeiter beraten gerne, welche finanziellen Fördermöglichkeiten es im Einzelfall gibt.

Informationen im Internet:http:// www.weingarten-ihk.de