Matthias Becht von der Alten Fabrik in Mühlhofen sagt: „Das war‘s mit dem Novemberprogramm.“ Sechs Veranstaltungstermine sind von den neuen Corona-Regeln ab 2. November betroffen: Am 6. und 7. November wäre Patrizia Moresco aufgetreten, am 13. und 14. November das eigene Ensemble der Alten Fabrik und am 20. und 21. November das Kabarett Distel Berlin.

Becht muss die Termine nun alle umorganisieren beziehungsweise absagen. „Alleine die Rückabwicklung einer Veranstaltung kostet viel Geld, abgesehen vom Verlust der Einnahmen. Wir reden von sechs ausverkauften Veranstaltungen“, erklärt Becht.

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Mit dem Autokino und den Kabarett-Veranstaltungen am Welterbesaal sowie der Verlegung des weiteren Programms auf eine Open-Air-Bühne brachten die Macher die Alte Fabrik über den ersten Lockdown. Dann wurde ein reduziertes Programm mit Hygienekonzept realisiert. Anstatt 200 wurden nur noch 70 Besucher in die Alte Fabrik gelassen. „Wir haben im Grunde ein halbes Jahr lang alles getan, um den Laden am Laufen zu halten. Wir haben ein halbes Jahr umsonst gearbeitet“, sagt Becht. Denn: Der erneute Lockdown wirft die Kulturbranche wieder weit zurück.

„Dem Publikum nicht mehr kommunizierbar“

Und: „Es wurde so viel verlegt und abgesagt. Das ist dem Publikum nicht mehr kommunizierbar. Und die Künstler wissen auch nicht mehr, wohin sie die Termine verlegen sollen“, sagt Becht. Ein Kabarett wie die Distel Berlin habe Tourneepläne. Viele Künstler planen Becht zufolge mit einem Vorlauf von eineinhalb Jahren. Er werde nun erst mal mit ihnen telefonieren. Sobald dann klar ist, welche Termine verlegt oder abgesagt werden, werden die Besucher über die Vorverkaufsstellen oder Ticketsysteme kontaktiert, über die sie die Karten für die Alte Fabrik gekauft haben.

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Für 10 000 Euro haben die Betreiber der Kulturstätte noch Hepa-14-Luftreinigungsgeräte angeschafft. „Das sind Geräte, die Aerosole absaugen. Wir können im Winter nicht alle 20 Minuten lüften“, begründet Becht. Das Corona-Virus kann über Aerosole übertragen werden. Stoßlüften oder Luftreinigungsgeräte verschaffen Abhilfe. Ein Antrag auf finanzielle Förderung der Geräte wurde laut Becht zunächst abgelehnt. Erst auf Nachfrage gab es vom Land die Zusage. Aus allen anderen Förderprogrammen sei die Alte Fabrik „rausgeflogen“.

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Becht befürchtet, dass es nicht bei einem Lockdown nur über den November bleiben wird. „Wir machen das, um Weihnachten normal zu feiern. Welche Menschenaufläufe haben wir dann? Und welche Situationen im Januar und Februar?“

Er berichtet, zermürbt zu sein von immer wieder neuen Corona-Verordnungen, die kurzfristig in der Alten Fabrik umgesetzt werden mussten. Dabei sei deutschlandweit noch kein Fall öffentlich bekannt geworden, in dem sich jemand in einem Kulturbetrieb oder Kino angesteckt habe. Die erneute Schließung empfindet er daher als „Schlag ins Gesicht“, sagt Becht. „Doch so schnell werden Sie uns nicht los“, verspricht er und witzelt: „Die Eigenproduktion unseres Ensembles spielt in einem Friseursalon. Wir haben uns schon gefragt, ob wir anstatt einer Eintrittskarten auch einen Haarschnitt verkaufen dürften.“ Schließlich dürfen Haarsalons weiterhin geöffnet bleiben.

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