„Wir wollen zurück zum Gast. Wir wollen den Gast kennen und mit ihm zusammen arbeiten.“ Das ist das Ziel von Raphael Braun und Ramona Gruler, die das Restaurant des Bodensee-Hotels Kreuz übernommen haben. Eigentlich hätten die beiden bereits am Freitag, 6. November öffnen wollen. Doch der bundesweite erneute Lockdown, im Rahmen dessen gastronomische Betriebe zunächst für einen Monat schließen müssen, machten dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Dennoch ist das junge Gastropaar guter Dinge, voller Elan und Hoffnung. „Wir sind von hier und lieben es hier. Wir sind einige Jahre unterwegs gewesen und haben davon profitiert. Diese Erfahrung wollen wir jetzt hier einbringen.“

In der Schweiz lernten sie ihren Küchenchef Mario Glatz kennen

Nachdem die beiden sich in Überlingen kennengelernt hatten, machten sie in der Gastronomie einige Neueröffnungen in Berlin mit, insbesondere was „Cocktail und Event Bartending“ anbelangt. Aus persönlichen und finanziellen Gründen kehrten sie der Hauptstadt bald den Rücken und gingen in die Schweiz. In Grächen, wo sie eine Bar in einem Skigebiet übernahmen, lernten sie ihren jetzigen Küchenchef Mario Glatz kennen. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir gut zusammenfruchten, auch in Stresssituationen, was die Gastronomie ja oft hergibt“, drückt es Raphael Braun aus.

Im Juli erster Kontakt zu Eigentümern des Bodensee-Hotels Kreuz

Sie verständigten sich vor zwei Jahren darauf, gemeinsam etwas aufzubauen. Das sei bereits im Vorjahr geplant gewesen. „Dann haben wir aber kurzerhand noch mal den Rückzug angetreten“, sagt der 30-Jährige. Sie verbrachten stattdessen noch eine weitere Saison im schweizerischen Zermatt. Im März kamen sie zurück nach Deutschland, auch aus Gründen von Corona, und überlegten über den Sommer, wie es weitergehen könnte. Ihre Steuerberaterin stellte schließlich im Juli den Kontakt zum Bodensee-Hotel Kreuz und dessen Eigentümern Waltraud und Hubert Renfert her. Diese hatten das Haus 2007 ersteigert und seitdem immer wieder Umbauarbeiten vorgenommen.

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Vor rund einem Monat sagten sie zu, die Pacht zu übernehmen

„Eine tolle Zusammenarbeit. Wir haben ein gutes Gefühl, egal in welcher Situation wir gerade sind“, lobt der neue Pächter die Besitzer. „Es macht viel Spaß mit solch einem Partner an der Seite. Das nimmt natürlich auch Angst in einer schwierigen Zeit, in der keiner groß spekulieren kann.“ Vor rund einem Monat entschied sich das junge Paar, die Pacht zu übernehmen. „Ohne die Unterstützung wäre es sicherlich schwierig geworden, ein Restaurant in dieser Zeit in dieser Größe zu übernehmen“, sagt Raphael Braun. „Das Haus steht top da und ist etabliert. Wir sehen das für uns jetzt als große Möglichkeit.“

Konzept für Liefer- und Abholservice ausgearbeitet

Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie haben den beiden zwar die geplante Eröffnung verdorben. Doch damit hatten sie schon gerechnet. „Der Lockdown kam für uns nicht sehr überraschend. Die Frage war eher: Wann kommt er?“, erläutert Braun. „Gern hätten wir uns dem Dorf und der Umgebung erst einmal vorgestellt, damit man uns, unsere Küche und unser Konzept kennenlernt.“ Mittlerweile hat das Paar einen Liefer- und Abholservice ausgearbeitet, was laut den Corona-Verordnungen erlaubt ist. Auf was sich die beiden freuen: ihren Brunch- und Frühstücks-Lieferservice für samstags, sonntags und feiertags. Sehr am Herzen liegt ihnen die Nähe zum Gast, einer Bestellung über QR-Codes und ähnlichem erteilen sie eine Absage. „Bei uns spricht man noch mit dem Kellner – was möchte eigentlich der Gast?“ Der Lockdown habe ihnen jetzt erst einmal den Kontakt zum Gast genommen, bedauert der gebürtige Überlinger.

Das Bodensee-Hotel Kreuz in Mühlhofen wurde vor sieben Jahren umfassend renoviert.
Das Bodensee-Hotel Kreuz in Mühlhofen wurde vor sieben Jahren umfassend renoviert. | Bild: Kleinstück, Holger

Lockdown förderte auch viel Kreativität der Gastronomen

Raphael Braun hat den Eindruck, dass die Kreativität der Gastronomen in den zurückliegenden Monaten zugenommen hat. „Ich bin absolut beeindruckt, was in vielen Häusern aus dem Nichts geschaffen worden ist. Ich hatte das Gefühl, dass in den vergangenen Jahren die Gastronomie etwas eingeschlafen ist. Durch den Lockdown kamen Konzepte und Kreativität aus dem Boden geschossen, sensationell.“ Das sei mit ein Grund, jetzt zu starten. „Wie oft wir jetzt einfach in Bewegung sein mussten, um etwas zu ändern und uns so anzupassen – das passt uns total“, beschreibt Braun. Mit seinem „flexiblen und tollen“ Team sei er gut aufgestellt. „Wir haben den Mut nicht verloren, ganz im Gegenteil. Ich fühle mich relativ sicher und beruhigt aufgrund des tollen Teams und Verpächters.“

Wenn dann geöffnet werden kann, wird die Küche regional und steirisch sein, darunter ein Viertel vegane Gerichte. „Wir werden die Welt nicht neu erfinden. Es wird für jeden etwas dabei sein“, sagt Küchenchef Mario Glatz. „Eine fein bürgerliche Küche mit österreichischen Schmankerl“, drückt es Braun aus.

Küche soll regional und auch steirisch sein, mit veganem Angebot

Unter dem Motto „Uriges Stübchen“ möchte das Gastropaar eine kleine Bar einrichten, zu der später der schon bestehende Wintergarten kommen soll. „Hier im rustikalen Ambiente sollen unsere Gäste ihren klassischen Drink wie Mojito oder Caipirinha genießen können. Aber auch einen Old Fashioned“, sagt Braun, einen Whisky ansprechend. Mehr möchte der 30-Jährige noch nicht verraten. „Da sind wir noch fleißig am Kreieren.“