Rund 25 Menschen leben aktuell in den beiden Gemeinschaftsunterkünften (GU) der Gemeinde. Im vergangenen Jahr waren es noch 35. Weitere 118 Menschen wohnen momentan in den Anschlussunterbringungen (AU). Wie geht es ihnen? Die Integrationsbeauftragte Susanne Hofmaier erzählt, insgesamt sei eine positive Tendenz auszumachen, die Mehrheit sei auf einem guten Weg. „Die Eigenständigkeit, das Ankommen in der Gesellschaft nehmen zu, Hemmnisse werden abgebaut“, sagt die 38-Jährige. „Deutlich wird immer mehr, dass und wie sehr Sprache der Schlüssel für einen guten Integrationsprozess ist.“

Schon früh hätten Bürger der Gemeinde die Arbeit mit und für die Menschen mit Migrationshintergrund unterstützt. Sie nennt den Verein Unterstützerkreis Migration Uhldingen-Mühlhofen (UMUM), der seit Dezember 2014 besteht. Die Gemeindeverwaltung sei dankbar für die ehrenamtliche Unterstützung bei den vielen Aufgaben der Integrationsförderung und schätze die enge Zusammenarbeit mit dem Verein sehr. Zusammenarbeit gebe es aber auch mit dem Familientreff (Angebote zur Sprach- und Integrationsförderung), mit der Musikschule (Einstieg in das Flötenspiel), mit der Jugendarbeit (Tanz-Workshop für Mädchen) und dem Netzwerk Sozial Netzwirksam. „Leider mussten wegen der Einschränkungen durch Corona seit März vorigen Jahres einige Angebote ausgesetzt werden, einzelne konnten ab Mai wieder starten“, bedauert Hofmaier.

Viele Angebote derzeit nicht möglich

Zahlreiche Veranstaltungen in Bezug auf die Integrationsarbeit fielen der Covid-19-Pandemie zum Opfer. „Mit dem ersten Lockdown mussten die Ehrenamtlichen ihre Arbeit niederlegen und konnten sie teilweise bis jetzt nicht wiederaufnehmen.“ Die 2019 gestartete und laut Hofmaier überaus erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Jugendreferentin der Gemeinde habe ebenfalls wegen Corona nicht weitergeführt werden können. „Sobald die Verhältnisse dies zulassen, wird es eine Fortsetzung geben“, kündigt sie an.

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Erschwert werde in der Corona-Krise vor allem die Kommunikation mit den Geflüchteten. Die Entwicklungen rund um das Pandemiegeschehen in verschiedenen Sprachen zu vermitteln, sei nicht einfach.

Ebenfalls herausfordernd bei der Integrationsarbeit seien die unterschiedlichen Bedürfnisse der Geflüchteten. So seien bei Neuankömmlingen ganz andere Themen im Vordergrund als bei Menschen, die bereits seit einigen Jahren hier leben. „Bei einigen geht es zügig vorwärts, die Familien konnten teilweise privat eine Wohnung anmieten, haben Arbeit gefunden und sind in der Bearbeitung ihrer Anliegen sehr selbstständig“, erzählt Hofmaier. Es gebe aber auch Menschen, die schon mehrere Jahre in Deutschland seien und immer noch viel Unterstützung bei einfachen Aufgaben benötigten. „Diese unterschiedlichen Ausgangssituationen fordern sehr viel Flexibilität und Kreativität bei der Planung der Angebotsvielfalt der Projekte.“

Ehrenamtliche wollen wieder loslegen

Susanne Hofmaier ist seit April 2016 Integrationsbeauftragte. Sie nimmt koordinative Tätigkeiten und wichtige Netzwerkaufgaben mit den örtlichen Akteuren wahr.

Was ist unerlässlich für eine erfolgreiche Integration?

Integration lebt von Begegnungen! Das wichtigste Grundprinzip ist, viele verschiedene Begegnungsmöglichkeiten durch Veranstaltungen und Angebote zu schaffen. Somit stellt die Pandemie für die Integrationsarbeit eine sehr große Hürde dar. Die regelmäßigen Besuche in den Wohnungen oder die Begegnungen mit den Familien bei Veranstaltungen hinterlassen immer einen Eindruck, wie es den Menschen aktuell geht und welche Bedarfe bestehen. All dies fällt seit März vorigen Jahres leider fast komplett weg.

Wie wirkt sich eigentlich die aktuelle Situation auf das ehrenamtliche Engagement aus?

Derzeit können die ehrenamtlich organisierten Angebote und Projekte leider nicht stattfinden. Es ist jedoch sehr erfreulich, dass die Engagierten bereits in den Startlöchern stehen, um baldmöglichst wieder loslegen zu können. Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich und etwas ganz Besonderes in unserer Gemeinde. Auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Einrichtungen und Vereinen vor Ort ermöglicht eine so große Angebotsvielfalt. Allerdings können die Integrationsarbeit und das friedliche Zusammenleben vieler Kulturen nur gelingen, wenn dies entsprechend durch die Gemeindevertreter unterstützt, geschätzt und gelebt wird. Ich freue mich sehr, diese Unterstützung und Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement durch Bürgermeister Dominik Männle, Hauptamtsleiterin Gudrun Müller-Schmidts und die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte zu erfahren.

Mit den Angeboten und Veranstaltungen der Interkulturellen Woche (IKW) hatten Gemeinde, Vereine und weitere Initiativen im Vorjahr die Gelegenheit, die Interkulturalität der Gemeinde zu präsentieren. Findet die IKW dieses Jahr wieder statt?

Ja, und zwar unter dem diesjährigen Motto „#offen geht“. Wir werden die Veranstaltungsreihe der IKW voraussichtlich wieder auf drei Wochenenden ausdehnen und vom 25. September bis 17. Oktober stattfinden lassen. Wir hoffen natürlich, dass die Situation es bis dahin zulässt, das IKW-Motto auch entsprechend leben zu können.

Wie sieht die Situation beim Verein UMUM (Unterstützerkreis Migration Uhldingen-Mühlhofen) aus?

Im Frühjahr muss hier ein neuer Vorstand gewählt werden. Leider stellen sich nicht mehr alle Vorstandsmitglieder zur Verfügung, daher wird es Veränderungen geben. Die bestehenden Angebote des Vereins sollen baldmöglichst wieder aktiviert werden und neue Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten für Projekte und Veranstaltungen sind bereits auch schon im Gespräch.

Geben Sie bitte mal einen Ausblick auf dieses Jahr?

Die Pandemie wird wieder die entscheidende Rahmenbedingung in der Integrationsarbeit und in der Unterstützung der Geflüchteten geben. Wenn es die Situation zulässt, soll verstärktes Augenmerk auf die Integration von Geflüchteten in Vereine und in das ehrenamtliche Engagement gelegt werden.

Fragen: Holger Kleinstück