„Die Theorie ist das eine – die Praxis aber meistens etwas ganz Anderes.“ Das sagt Gunter Schöbel. Und er weiß, von was er spricht, denn er ist zum einen Museumsdirektor in den Pfahlbauten Unteruhldingen und zum anderen Professor an der Universität Tübingen am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters. Er leitete in diesem Semester den Kurs „Erarbeitung digitaler Objektpräsentationen in der analogen Vermittlung für Museen“.

Wie kann man Besucher eines Museums begeistern?

„Der gesamte Kurs fand vor dem Bildschirm in Form von digitalem Unterricht statt“, erklärt Gunter Schöbel. „Das war aufgrund der aktuellen Situation notwendig, ist für die Vermittlung von Ergebnissen vor Ort aber schwierig.“ Inhaltlich ging es um die Museologie der Vor- und Frühgeschichte. Vor allem ging es im Kurs um die Fragestellung, wie man Besucher eines Museums vom Inhalt begeistern kann. Deshalb wollte er seinen Studenten die Möglichkeit bieten, das Erlernte und Erforschte buchstäblich an den Mann, an die Frau und vor allem an die Kinder zu bekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

„Wir haben alle Kursteilnehmer eingeladen, ihre Ergebnisse direkt bei uns im Pfahlbaumuseum zu präsentieren“, sagt der Museumsdirektor. „Sie haben es wirklich hervorragend gemacht, wobei viele schnell feststellen mussten, dass zwischen Theorie und Praxis ein großer Unterschied ist.“ Die Studentinnen und Studenten zeigten sich vor allem in punkto Improvisation und schneller Umstellung in der Vermittlung der Inhalte kreativ.

„Sie haben es wirklich hervorragend gemacht, wobei viele schnell feststellen mussten, dass zwischen Theorie und Praxis ein großer Unterschied ist.“
Gunter Schöbel, Museumsdirektor und Professor

Die Spanne der präsentierten Objekte reichte von den ersten Rädern und Holzwagen über menschliche Skelette und deren Geschlechterbestimmung, Tiere der Pfahlbauer, Herstellung von und Verarbeitung mit Pech bis zu Fabelwesen in der Bronzezeit. Und die Besucher nahmen das Angebot sehr gerne an und kamen teils sogar intensiv ins Gespräch mit den Studenten.

Studenten freuen sich über großes Interesse

„Es war wirklich toll, wie interessiert die Besucher waren“, resümiert Marieluise Hahn. „Die Präsentation war eine wichtige Erfahrung und hat gezeigt, wie man mit Archäologie in Museen arbeitet.“ Für Felix Koch, der die Räder und Holzwägen zeigte, war es etwas ungewohnt, die Leute anzusprechen: „Ich bin eher zurückhaltend und musste mich schon überwinden.“ Bei ihm kamen vor allem die technikinteressierten Väter auf ihre Kosten. Elisa Feltro freute sich vor allem über Fragen der Kinder: „Es war erstaunlich, wie unverblümt sie einfach geradeaus fragen. Das war wunderbar.“ Sie hält die Interaktion zwischen den Besuchern und den Mitarbeitern eines Museums in punkto Vermittlung von Inhalten für sehr wichtig.

„Die Präsentation war eine wichtige Erfahrung und hat gezeigt, wie man mit Archäologie in Museen arbeitet.“
Marieluise Hahn, Studentin

Erik Häußler war der Knochenmann der Gruppe. Er hatte Skelette von Tieren aus der Pfahlbauerzeit dabei. Der Steinmarder war bereits zusammengesetzt. Die Knochen eines Fuchses waren dagegen so etwas wie ein 3D-Puzzle. „Ein Kind stand tatsächlich mehr als eine Stunde da und versuchte, das Skelett zusammenzusetzen“, erzählt er. „Diese Ausdauer hat mich echt fasziniert.“ Jannis Vollprecht hat das Thema Pech behandelt. „Man hat gemerkt, dass es, sobald es haptisch etwas anzufassen gibt, für viele interessant wird“, sagt er. „Das kam wirklich sehr gut an.“

„Ein Kind stand tatsächlich mehr als eine Stunde da und versuchte, das Skelett zusammenzusetzen. Diese Ausdauer hat mich echt fasziniert.“
Erik Häußler, Student

Diese Präsentation im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen war für die Studenten der Abschluss des Semesters. Gunter Schöbel war froh, dass er ihnen diesen „Erkenntnisprozess“, wie er es selbst genannt hat, ermöglichen konnte. „Man hat gesehen, dass man sich intensiv vorbereiten und unter anderem digitale Inhalte erstellen kann, die bei der analogen Vermittlung ganz schnell zweitrangig werden“, so der Museumsdirektor.

Das könnte Sie auch interessieren