„In Zeiten, in denen manches gezwungenermaßen nicht mehr selbstverständlich ist, steigt der Wert des Fronleichnamsfestes und des damit verbundenen Legens der Blumenteppiche gleichsam automatisch“, sagt Pater Bruno Metzler, der im Wechsel mit Pater Prior Johannes Brügger, in der Klosterkirche Birnau die Messe zum Hochfest zelebrierte.

Soraja (links) und ihre Cousine Vivien beim Blumenpflücken für den Blütenteppich zu Fronleichnam.
Soraja (links) und ihre Cousine Vivien beim Blumenpflücken für den Blütenteppich zu Fronleichnam. | Bild: Beatrix Köber

Üblicherweise wird an der Basilika Birnau Fronleichnam mit einer Prozession im Freien gefeiert. Alternativ dazu verlegte man diesmal den Festzug wie auch die Blütenteppiche, die sonst am Vorplatz gelegt werden und hier zahlreiche Besucher anlocken, ins Kircheninnere, wo eine begrenzte Anzahl an Menschen den Heilige Messen beiwohnen durfte.

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Neben Flieder und Glyzinie (Blauregen) kamen dieses Jahr die blauen Schnittlauchblüten zum Einsatz, zurechtgeschnitten von Ondine Höhne (links) und Renate Bergmann.
Neben Flieder und Glyzinie (Blauregen) kamen dieses Jahr die blauen Schnittlauchblüten zum Einsatz, zurechtgeschnitten von Ondine Höhne (links) und Renate Bergmann. | Bild: Beatrix Köber

Ob mit oder ohne Prozession, der Kern des Festgeheimnisses bleibe der Gleiche, erklärt Pater Bruno: „Gott hat in seinem Sohn sein Zelt unter uns Menschen aufgeschlagen. Im Altarssakrament bleibt er unter uns wohnen – also bereits der Himmel auf Erden, sozusagen gleich um die nächste Ecke, in jedem Tabernakel der katholischen Kirche.“

Viele helfende Hände bereiteten die Blumenteppiche für das Fronleichnamsfest vor – hier schneiden Pater Bruno und Doris Wolkenhauer Blüten.
Viele helfende Hände bereiteten die Blumenteppiche für das Fronleichnamsfest vor – hier schneiden Pater Bruno und Doris Wolkenhauer Blüten. | Bild: Beatrix Köber

Im zweiten Jahr begeht die Birnau das katholische Hochfest in Pandemiezeiten und damit unter außergewöhnlichen Bedingungen. Die Tradition, Blumenteppiche zur Ehre Gottes zu gestalten, ließ man aber trotz des verstärkten Aufwandes nicht abreißen.

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Das Legen des Hauptmotivs, das Bild des Heiligen Josef mit Jesuskind, dauerte über mehrere Stunden. Im Bild: Clara Wolks (links) mit Gabi Buser.
Das Legen des Hauptmotivs, das Bild des Heiligen Josef mit Jesuskind, dauerte über mehrere Stunden. Im Bild: Clara Wolks (links) mit Gabi Buser. | Bild: Beatrix Köber

Duftende Kunstwerke aus vielerlei frisch gepflückten Blüten

Zahlreiche Helfer, darunter Familien, Gemeindemitglieder, Klostermitarbeiter der Birnau und viele, die sich ihr zugehörig und mit ihr verbunden fühlen, halfen mit, um duftende Kunstwerke aus Goldregen, Flieder, Margeriten, Schneeball und Glyzinie entstehen zu lassen. Großzügige Blumengaben, helfende Hände und der Gemeinsinn der Menschen trugen zum Gelingen der Blütenteppiche bei. Diese bereiteten einen geschmückten Boden, über den Pater Bruno die Monstranz mit dem Allerheiligsten führte.

Das Fronleichnamsfest wurde statt mit einer Prozession im Freien mit einer verschlankten Version in der Basilika Birnau begangen.
Das Fronleichnamsfest wurde statt mit einer Prozession im Freien mit einer verschlankten Version in der Basilika Birnau begangen. | Bild: Beatrix Köber

Hauptteppich zeigt den Heiligen Josef in der Art einer Ikone

Der zentrale Teppich, geformt aus Blumen und Korn, zeigt den Heiligen Josef, dessen Darstellung sich an einer byzantinischen Ikone orientiert. Die Wahl für das Motiv des Hauptteppichs fiel auf den irdischen Vater Jesu, weil der Papst dieses Jahr zum Josefs-Jahr erklärte. „Der Heilige Josef steht für den Menschen, der sich bereitwillig von Gott in den Dienst nehmen lässt“, erklärt Pater Bruno. „Aus dieser Verbundenheit sorgt er sich in väterlicher Weise um die Menschen, die ihm anvertraut sind.“

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Drei zusätzliche Blütenteppiche an den Altären der Heiligen Benedikt und Bernhard von Clairvaux sowie am Josefs-Altar zeigen Lilienblüten – darunter die sogenannte Josefslilie, die dem Heiligen Josef zugeordnet wird.