Die „liebliche Speis für Leckermäuler“, wie einst Hieronymus Bosch den Spargel nannte, stand die zurückliegenden zweieinhalb Monate hoch im Kurs. Doch die Liebhaber des königlichen Gemüse mussten dieses Jahr etwas kürzer treten, war doch die Ernte des essbaren Elfenbeins eingeschränkt. Zum einen angesichts der für Spargel nicht optimalen Witterung, anderseits aber insbesondere infolge fehlender Erntehelfer aufgrund der Corona-Krise. „Im Großen und Ganzen haben wir dieses Jahr nur die Hälfte des normalen Ertrages“, resümierte am Freitag Wilfried Möking, Spargelanbauer aus Seefelden.

Das Liliengewächs schmeckt nicht nur gut, es hält auch fit. Seit der Antike zählt der „König des Gemüses“ zu den Heilpflanzen. Liebhaber müssen sich jetzt wieder bis Frühjahr nächsten Jahres warten, wollen sie frischen Spargel aus heimischen Anbau.
Das Liliengewächs schmeckt nicht nur gut, es hält auch fit. Seit der Antike zählt der „König des Gemüses“ zu den Heilpflanzen. Liebhaber müssen sich jetzt wieder bis Frühjahr nächsten Jahres warten, wollen sie frischen Spargel aus heimischen Anbau. | Bild: Kleinstück, Holger

Flüge für Erntehelfer organisiert

Als er Ende März gemerkt hatte, dass es eng in Bezug auf Erntehelfer werden könnte, hatte er Flüge für die Rumänen organisiert. „Das hat auch geklappt, vier bis fünf kamen“, berichtete Möking. Dann jedoch schlossen die Grenzen. „Dann war das Desaster praktisch da.“ Zwar hätten direkt nach der Grenzöffnung wieder Erntehelfer ins Land kommen können, doch nur unter strengsten Sicherheitsauflagen. „Die hätten wir gar nicht einhalten können“, gibt Möking zu. „Die Leute hätten wir extra unterbringen müssen, sie hätten niemals miteinander essen dürfen. Die Auflagen waren praktisch nicht zu erfüllen.“ Glück hatte er dann insofern, als dass ihm einige Angestellte aus der Gastronomie, die infolge der Corona-Krise arbeitslos geworden waren beziehungsweise Kurzarbeit hatten, aushalfen. Möking: „So kamen wir gerade über die Runden.“

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Wilfried Möking wirft einen Blick in Richtung der rumänischen Erntehelfer, die aufgrund der Corona-Krise nicht so zahlreich vor Ort waren wie sonst üblich.
Wilfried Möking wirft einen Blick in Richtung der rumänischen Erntehelfer, die aufgrund der Corona-Krise nicht so zahlreich vor Ort waren wie sonst üblich. | Bild: Kleinstück, Holger

Mangels Absatz Spargelwuchs etwas gebremst

Normalerweise liefert Wilfried Möking an über 100 gastronomische Betriebe nicht nur in der Region, sondern auch in Österreich und der Schweiz – was rund die Hälfte seiner Kunden ausmacht. Da die Gastronomie jedoch geschlossen hatte und damit Absatzmöglichkeiten entfielen, musste Möking den Spargelanbau etwas ausbremsen. Das erfolgte mit weißer Folie: Sie reflektiert die Sonnenstrahlen, wodurch sich die Dämme langsamer erwärmen und die Ernte hinausgezögert wird. „Vier Hektar Junganlagen haben wir gar nicht beerntet dieses Jahr, sondern haben es einfach wachsen lassen. Hier hätten wir sonst zwei Wochen geerntet.“

Die Erntehelfer entfernen aufgrund des Ernteendes die Folie. Sie besteht aus einer schwarzen Seite, die den Damm erwärmt (Ernteverfrühung) und einer weiße, die kühlt (Ernteverzögerung).
Die Erntehelfer entfernen aufgrund des Ernteendes die Folie. Sie besteht aus einer schwarzen Seite, die den Damm erwärmt (Ernteverfrühung) und einer weiße, die kühlt (Ernteverzögerung). | Bild: Kleinstück, Holger

Vorübergehend Helfer aus der Erdbeerernte

Als dann die Restaurants wieder öffnen durften, entfielen die Helfer aus der Gastronomie wieder, die Spargelernte musste aber weitergehen. „Da waren wir zeitweise nur mit fünf Leuten auf dem Acker anstatt mit 15“, erinnert sich Möking. „Wir haben vorübergehend den Spargel wegen Mangel an guten Personal nicht mehr vom Acker runtergebracht.“ Ein Kollege aus Saulgau, der aufgrund der kühlen Witterung mit seinem Erdbeeranbau hinterherhinkte, konnte ihm zwischenzeitlich mit 15 Personen ab und zu mittags aushelfen. Aufgrund der Tatsache, dass man nicht mehr mit der Ernte hinterher kam, gab es kaum Spargel der Güteklasse eins. Möking: „Manche Stangen haben ausgesehen wie ein Spazierstock, die sind wieder nach unten gewachsen.“

Ab sofort kann der grüne Spargel weiter wachsen: Er wird in den kommenden Tagen ins Kraut schießen und genügend Kraft für das nächste Jahr sammeln, um wieder gestochen werden zu können.
Ab sofort kann der grüne Spargel weiter wachsen: Er wird in den kommenden Tagen ins Kraut schießen und genügend Kraft für das nächste Jahr sammeln, um wieder gestochen werden zu können. | Bild: Kleinstück, Holger

Nahversorger von Kunden mehr geschätzt

Zwischenzeitlich versuchte der Seefelder Spargelanbauer andere Absatzkanäle zu finden, was sich aber als schwierig herausstellen sollte. „Man hat es gesehen am Klopapier-Drama, wie unflexibel die Firmen gewesen sind“, sagte Möking. „Und mehr Verkauf über den Lebensmitteleinzelhandel war auch nicht möglich. Wer seine alte Wege hat, der verlässt sie nicht.“ Sein Hofladen indes profitierte während der Krise, er lief sehr gut, das Essen zum Mitnehmen war sehr gefragt. „Hier hatten wir bisher 30 Prozent mehr Umsatz als sonst“, sagt er. Aufgrund der Krise hätten die Menschen gemerkt, was sie an den Nahversorgern haben. „Die Leute waren sogar froh, dass wir Toilettenpapier verkauft haben.“