Die Idee vom Wohnmobil-Dinner hat sich mittlerweile in ganz Deutschland herumgesprochen. Von Uhldingen-Mühlhofen über den Schwarzwald bis hoch nach Schleswig-Holstein: Mehr als 200 Gastwirte bieten das Abendessen auf den eigenen vier Rädern bereits an. Neben Speisen zum Mitnehmen- und im Lieferservice bietet ihnen dieses Bewirtungskonzept weitere Einnahmen während des Lockdowns. Auf dieser interaktiven Grafik von einem Wohnmobilisten-Onlineportal sind die Ziele zu sehen:

Das Sternen Hotel und Restaurant in Mühlhofen gehörte zu Anfang des zweiten Lockdowns zu den ersten Lokalen in der Region, die das Wohnmobil-Dinner anboten. Bei dem Restaurant sind über mehrere Wochen hinweg nun die Wohnmobil-Stellplätze ausgebucht. Nun musste Inhaber Martin Möcking sogar einige Gästeanfragen abgeben – und hat so die Betreiber des Hotel-Restaurants Storchen in Oberuhldingen in den Kreis der Anbieter für das Wohnmobil-Dinner befördert.

Werbefilm für Wohnmobil-Dinner im Kasten

„Herr Möcking hat uns ein paar Kunden abgegeben“, bestätigt Betreiberin Marion Wagner. Warum Möcking ausgerechnet sie angerufen habe? „Unsere Betreiberfamilien hatten schon immer ein gutes Verhältnis und in diesen Zeiten hilft man sich gegenseitig“, sagt sie. Für diesen Sonntagabend werden die ersten Gäste aus dem Großraum Donaueschingen erwartet. Im Hause laufen die Vorbereitungen bereits, die Weichen für noch mehr Gäste wurden gelegt: Einen Werbefilm haben die Betreiber in dieser Woche drehen lassen und bewerben damit über die Social-Media-Plattformen Facebook und Instagram ihr Angebot.

Marion Wagner, Betreiberin des Hotel-Restaurants Storchen in Oberuhldingen: „Wir wollen den Gästen beim Wohnmobil-Dinner auch in Zeiten des Lockdowns ein Lächeln schenken.“
Marion Wagner, Betreiberin des Hotel-Restaurants Storchen in Oberuhldingen: „Wir wollen den Gästen beim Wohnmobil-Dinner auch in Zeiten des Lockdowns ein Lächeln schenken.“ | Bild: Cian Hartung

Dass man dem Sternen Konkurrenz um die Wohnmobil-Gäste machen werde, schließt Wagner aber aus. „Wir haben andere Gerichte und andere Weine“, stellt sie klar. Auch in einem Punkt werde man sich von den Kollegen aus Mühlhofen abheben: Die Bedienungen werden keine Mund-Nasen-Schutzmaske, sondern einen Klarsicht-Mundschutz tragen. „Wir werden den Gästen auch in Zeiten des Lockdowns ein Lächeln schenken.“

Verwachsene Kastanienbäume behindern Umsetzung

Auch Andreas Liebich, Betreiber des Romantik Hotels Johanniter-Kreuz in Überlingen, zeigte sich noch vor der Bund-Länder-Konferenz im Gespräch mit dem SÜDKURIER begeistert von der Idee. „Ich finde das total witzig und lobenswert, wenn man als Gastronom in der Pandemie kreativ ist“, sagte er. Alles zu versuchen sei besser als nichts zu tun, so der Gastronom mit Blick auf die finanzielle Lage vieler Gaststätten aktuell.

Andreas Liebich, Betreiber des Romantik Hotels Johanniter-Kreuz in Überlingen.
Andreas Liebich, Betreiber des Romantik Hotels Johanniter-Kreuz in Überlingen. | Bild: Hilser, Stefan

Doch das Hotel-Restaurant hat sich vorerst gegen das Konzept entschieden, teilt Andrea Oroszpaptaki, kaufmännische Leiterin des „Johanniter-Kreuz“, nach der Bund-Länder-Konferenz mit. Die große Frage sei nicht nur, ob es sich mit den Angestellten und dem Küchenbetrieb finanziell lohne, auch die Parkplatzsituation sei nicht ideal für eine Umsetzung. „Wir haben nicht genügend Stellplätze“, erklärt Oroszpaptaki. „Außerdem sind die Kastanienbäume auf dem Parkplatz zu verwachsen. Das ist nicht Wohnmobil-freundlich.“

„Gans-to-go“ statt Essen auf vier Rädern

Dominik Doll, Direktor des Parkhotels Sank-Leonhard in Überlingen: „Wenn das Wohnmobil-Dinner an der einen Stelle erfolgreich ist, heißt es ja nicht, dass es auch bei uns funktioniert.“
Dominik Doll, Direktor des Parkhotels Sank-Leonhard in Überlingen: „Wenn das Wohnmobil-Dinner an der einen Stelle erfolgreich ist, heißt es ja nicht, dass es auch bei uns funktioniert.“ | Bild: Cian Hartung

Skeptisch ist bislang auch Dominik Doll vom Parkhotel Sankt-Leonhard. „Wenn es an der einen Stelle erfolgreich ist, heißt es ja nicht, dass es auch bei uns funktioniert“, meint der Hoteldirektor. Beim Parkhotel kommt eine Umsetzung des Konzepts nicht in Frage. „Aufgrund der Größe des Hauses haben wir auch eine bestimmte Größe der Küche. Da muss auch eine entsprechende Leistung rausgehen. Ansonsten sind die Kosten zu hoch“, sagt er. Dazu komme, dass das Hotel keinen Wohnmobil-Stellplatz nahe des Hotels habe. „Außerdem wollen wir dem Sternen nicht die Kunden wegnehmen.“

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Doll setzt dagegen auf andere Außer-Haus-Konzepte. Zuletzt hat das Parkhotel seinen Gästen „Gans-to-go“ angeboten. Für den Dezember plant Doll einen kleinen Weihnachtsmarkt auf dem Parkplatz des Hotels. Die Stadtverwaltung habe die geplante Veranstaltung aber bislang nicht freigegeben.

Lieber „gastronomisches Gesamtpaket bieten“

Beim Reck's Hotel-Restaurant in Salem hätte man zwar reichlich Platz für Wohnmobile, doch ein Wohnmobil-Dinner schließt Mitbetreiberin Anette Reck bei sich aus. Sie sagt: „Ich freue mich für Herrn Möcking, dass er das so erfolgreich anbietet. Wir werden das aber nicht machen.“

Die Betreiberinnen von Reck‘s Hotel-Restaurant im Hotelgarten: Alexandra Reck, Annette Reck und Christine Klotz.
Die Betreiberinnen von Reck‘s Hotel-Restaurant im Hotelgarten: Alexandra Reck, Annette Reck und Christine Klotz. | Bild: privat

Ihr fehlen beim Wohnmobil-Dinner die Emotionen, die Atmosphäre und der Service im Lokal. „Wir wollen unseren Gästen ein gastronomisches Gesamtpaket bieten“, sagt sie. Ohne dieses können sie sich eine gute Gästebewirtung kaum vorstellen. „Deshalb sind wir derzeit auch noch ein wenig zaghaft mit dem Außer-Haus-Service.“

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Stattdessen setzt sie auf die Schönheit des Hotelgartens. Dort plant sie für Gäste einen Glühwein- und Apfelküchle-Verkauf im hoteleigenen Garten. „Auch das lohnt sich finanziell zwar nicht“, meint sie, „aber da ist mein Herz mehr mit dabei.“