Erst kam das Pressegespräch, dann eine Sitzung mit den Verantwortlichen aller vier Kindergärten der Gemeinde und seit 17. März sind die Einrichtungen geschlossen. Das war vor mehr als fünf Wochen und ein Ende ist noch nicht in Sicht. „Ich kann mich noch gut an die Pressekonferenz am Freitag, 13. März, erinnern“, sagt Dominik Mattes, der Leiter des Kinderhauses Sonnenschein in Mühlhofen. „Wir wurden wie alle überrascht und mussten schnell handeln.“

Putzen, Aufräumen, Notbetreuung

Das neunköpfige Team um Dominik Mattes ist seitdem damit beschäftigt, zu putzen, aufzuräumen, ein Kind in der Notbetreuung zu beaufsichtigen und vor allem einen wöchentlichen Newsletter an Kinder und Eltern zusammenzustellen. „Wir haben zunächst einen Arbeitsplan erstellt, bei dem wir quasi im Schichtbetrieb arbeiten, sodass nie mehr als drei Erzieher da sind“, erklärt der Leiter. „Unsere Hauptaufgabe der Betreuung und Bildung von Kindern ist ja von heute auf morgen weggebrochen.“ Dennoch gebe es genügend Aufgaben.

Mitarbeiter arbeiten sich in Tablets für Digitalkonzept ein

Eine Erzieherin kümmert sich beispielsweise schon jetzt um den Adventskalender. Außerdem hat das Kinderhaus für sein Digitalkonzept Tablets bestellt. Hier können sich die Mitarbeiter nun in Ruhe einarbeiten. Und dann ist Dominik Mattes eines ganz wichtig: „Auch wenn das Kinderhaus geschlossen ist, wollen wir unbedingt in einem ständigen Kontakt zu unseren 63 Kindern und ihren Eltern stehen.“ Aus der Not heraus wurden hier einige kreative Ideen entwickelt.

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Wöchentlicher Newsletter mit Kreativangeboten und Tipps

Schon in der ersten Woche wurde ein Newsletter erstellt. Hier gibt es jede Menge Tipps zur Kinderbetreuung zuhause. Die Kreativangebote gehen von Basteln über Malen, Geschichten, Spiele, Experimente bis hin zu Empfehlungen für Bilderbücher und Apps. „Wir schicken den Newsletter immer Anfang der Woche raus“, erklärt der Leiter des Kinderhauses. „Darin sind Kreativangebote für die ganze Woche.“ Die Zusammenstellung des Newsletters koste recht viel Zeit, sagt Mattes. Außerdem überrascht das Team immer wieder mit größeren Aktionen.

Zum Auftakt 100 bunte Bilder für Alten- und Seniorenheime

Zum Auftakt rief das Kinderhaus dazu auf, bunte Bilder für die Alten- und Seniorenheime in der Gemeinde zu malen. „Es war beeindruckend, denn es kamen etwa 100 Bilder bei uns an“, erinnert sich Dominik Mattes. „Wir haben sie dann verteilt, was bei den Senioren sehr gut ankam.“ Zu Ostern überraschte das Team die Kinder an deren eigenen Haustüren. „Der Osterhase kommt jedes Jahr zu uns ins Kinderhaus. Das fiel nun ja aus“, berichtet der Leiter. „Wir wollten trotzdem etwas für die Kinder tun und haben uns entschlossen, sie zu überraschen.“

Für jedes Kind ein Osternest vor der Haustür

Jedes der 63 Kinder bekam daher ein Nest mit Straßenmalkreide in Eierform, einen Schokohasen und eine Karte. Sechs Mitarbeiter waren am Ostersonntag um 5 Uhr früh aufgebrochen und hatten die Geschenke verteilt. „Ich habe noch nie so viel positive Resonanz auf eine Aktion bekommen wie dieses Mal“, berichtet Dominik Mattes. „Das war auch für uns motivierend und ermutigt uns, so weiterzumachen.“

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Hochbeete vor dem Gebäude können von Eltern und Kindern bepflanzt werden

Die aktuelle Aktion zielt auf die Aktion „Bewusste Kinderernährung“, für die das Kinderhaus Sonnenschein zertifiziert ist. Drei Hochbeete wurden vor dem Eingang aufgestellt und die Kinder mit den Eltern dazu aufgerufen, etwas einzupflanzen. „Wir machen das sonst auch jedes Jahr“, erzählt Clarissa Sauerstein, stellvertretende Leiterin des Kinderhauses. „Da wir das momentan aber nicht bewerkstelligen können, bieten wir den Kindern an, dies mit den Eltern zu machen.“ Neben dem Pflanzen kümmern sich die Kinder auch um die Pflege. „Immer wieder kommen Kinder vorbei und gießen die Hochbeete“, fügt Dominik Mattes an. Mittlerweile wachsen Erdbeeren, Kohlrabi, Gurken und sogar ein paar Blumen.

Team stellt sich auf erweiterte Notbetreuung ein

Mit der Lockerung der Öffnungszeiten und der Erweiterung der Notbetreuung kommen in den kommenden Tagen und Wochen wieder neue Aufgaben auf das Kinderhaus zu, auf die sich das Team einstellen muss. „Wir rechnen damit, dass wir mehr Kinder in der Notbetreuung haben werden“, spekuliert Dominik Mattes. „Wie das dann aber genau aussieht, lassen wir erst einmal auf uns zukommen.“ Personell könne man jedenfalls auf viele Szenarien reagieren.

Veranstaltungen mussten abgesagt werden

Die Veranstaltungen wie Großelterntag, Maifest mit Maibaumstellen und Waldwoche, für die die Vorbereitungen bereits seit Anfang des Jahres laufen, sind dagegen schon länger abgesagt. „Das tut natürlich schon ein wenig weh, weil sich die Kinder, Eltern und Großeltern schon darauf gefreut haben“, sagt Clarissa Sauerstein. „Wir hoffen, dass wir wenigstens die Vorschüler noch gebührend verabschieden können.“ Dazu zählen ein Vorschulausflug, der Schulranzentag und dann der traditionelle Rausschmiss, der im Kinderhaus Sonnenschein jedes Jahr zelebriert wird. Auch wenn die Einrichtung vorerst weiter geschlossen bleiben muss, wird aber sicherlich noch die eine oder andere spannende Aktion folgen, verspricht Dominik Mattes.