Die Alte Fabrik hat Besuch aus der Politik bekommen: Gemeinsam mit Landtagskandidatin Jasmina Brancazio und dem Bundestagskandidaten Leon Hahn aus dem Bodenseekreis kam der SPD-Landeschef Andreas Stoch in die Kleinkunstbühne. Dabei wollte sich das Trio über die aktuelle Situation im kulturellen, aber auch im gastronomischen Bereich erkundigen. Dabei erfuhren sie von den beiden Machern, Martin Möcking und Matthias Becht, dass sowohl für den Kulturbetrieb als auch die Gastronomie die lang erwartete Novemberhilfe immer noch nicht angekommen sei.

Martin Möcking (links) und Matthias Becht sind die Macher der Alten Fabrik. Im Frühjahr 2020 organisierten sie das Autokino vor dem Welterbesaal in Unteruhldingen.
Martin Möcking (links) und Matthias Becht sind die Macher der Alten Fabrik. Im Frühjahr 2020 organisierten sie das Autokino vor dem Welterbesaal in Unteruhldingen. | Bild: Kleinstück, Holger

Hilfen sollen bis Ende Januar fließen

„Wir haben die Soforthilfe schnell bekommen, aber das restliche Geld fehlt noch“, berichtete Martin Möcking. „Und das, obwohl wir allein in der Gastronomie bereits wieder etwa 30 000 Euro vorstrecken mussten.“ Andreas Stoch erklärte, dass das Bundeswirtschaftsministerium dafür verantwortlich sei und er erst vor wenigen Tagen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Aussage erhalten habe, dass die Gelder bis Ende Januar endlich fließen sollen. Die Dezemberhilfe, die jetzt auch beantragt werden kann, soll Anfang Februar ausbezahlt werden. „Die finanzielle Hilfe muss definitiv schneller ausbezahlt werden“, betonte der SPD-Landeschef. „Vielen scheint es noch nicht klar zu sein, dass wenn die Struktur kaputtgeht, dass sie weg ist – und das für immer.“ Dies gelte für die Kultur gleichermaßen wie für die Gastronomie.

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Bislang sei die Unterstützung aus der Gesellschaft überwältigend, berichtete Matthias Becht, Kulturchef der Alten Fabrik. „Wir finanzieren uns seit zehn Jahren selbst und haben noch nie eine Subvention beantragt“, erklärte er. „Nun fällt uns genau das auf die Füße. Weil wir bislang nie etwas beantragt haben, seien wir nun auch nicht förderungswürdig.“

Droht nach Corona ein Kulturkampf?

Diese Aussage sorgte bei Jasmina Brancazio für Unverständnis: „Wir sollten doch gerade die, die bislang wirtschaftlich hervorragend gewirtschaftet haben, unterstützen und nicht nur ausschließlich die, die schon immer Geld bekommen haben.“ Das sei ein fataler Denkfehler. Außerdem gehe es auch darum, den beteiligten Betrieben eine Perspektive zu bieten. Darum ging es auch Leon Hahn, der mit Blick nach vorn sagte: „Wir können uns schon jetzt auf einen großen Kulturkampf nach der Corona-Zeit einstellen. Das wird viel in unserer Gesellschaft verändern.“ Deshalb halte er es für sehr wichtig, genau hinzuschauen, wer etwas bekommt und wer nicht, wenn es erst einmal weniger Gelder geben wird.

Macher fühlen sich vom Land im Stich gelassen

Matthias Becht fühlt sich als Kulturanbieter vor allem vom Land im Stich gelassen. Er habe bislang nur Soforthilfen vom Bund erhalten, die sich allerdings in Grenzen gehalten hätten. „Ich hätte mir gewünscht, dass auch das Land uns unterstützt hätte“, sagte der Kulturchef. Angesichts einiger Aussagen aus dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg könne man den Eindruck gewinnen, „als ob es von der Landesregierung in Kauf genommen wird, dass einige Kultureinrichtungen zugrunde gehen“, sagte Matthias Becht. „Und das Schlimme daran: Das Land betreibt die Kulturauslese selbst und entscheidet, wer überlebt und wer nicht.“

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Jasmina Brancazio betonte, dass sie die unabhängigen Bühnen, wie die Alte Fabrik, für enorm wichtig für die Gesellschaft halte. Sie seien ein Bildungsfaktor. „Genau aus diesem Grund macht es keinen Sinn, bislang nicht subventionsfähige Häuser jetzt auch nicht zu unterstützen“, meinte die Landtagskandidatin. Martin Möcking erklärte: „Am liebsten wäre es mir, wenn ich gar keine Hilfe bräuchte, sondern einfach arbeiten dürfte. So hat man gar nichts, noch nicht einmal eine Perspektive.“