Sein Spezialgebiet sind eigentlich die Insekten, doch Diplom-Biologe Wilfried Löderbusch kennt auch viele Amphibien-Anlagen im Bodenseekreis. Im Jahr 1992 etwa untersuchte er die Anlage am Killenweiher und konnte damals feststellen, dass es wohl eine der artenreichsten in der Region ist. Mittlerweile sind dort die Zahlen der Tiere aber zurückgegangen, wie der BUND Uhldingen, der die Anlage betreut, veröffentlicht hat. Der SÜDKURIER berichtete darüber, dass es teilweise einen Rückgang von über 90 Prozent bei manchen Arten gibt.

Diese Hand gehört einem siebenjährigen Jungen. Die Baby-Kröte ist im Vergleich kaum so groß wie ein Fingernagel. Normalerweise hüpfen um den Killenweiher in Salem im Mai Tausende davon herum. Dieses Jahr konnte man sie einzeln zählen.
Diese Hand gehört einem siebenjährigen Jungen. Die Baby-Kröte ist im Vergleich kaum so groß wie ein Fingernagel. Normalerweise hüpfen um den Killenweiher in Salem im Mai Tausende davon herum. Dieses Jahr konnte man sie einzeln zählen. | Bild: Jäckle, Reiner

Konventionelle Landwirtschaft bei Umstellung auf bio unterstützen

Vor der BUND-Gruppe Uhldingen referierte Wilfried Löderbusch, der viel für Gutachten angefragt wird, über diesen Rückgang. Einen der Hauptgründe sieht er in der konventionellen Landwirtschaft. Dabei betont er aber auch, dass die Situation für die sehr schwierig sei. Hier müsse dringend eine bessere Förderung geschaffen werden, dass die Betriebe auf eine biologische Landwirtschaft umstellen könnten. Und über die Konsumenten sagte er: „Wer seine Lebensmittel im Discounter kauft, sollte in puncto Naturschutz nicht mitreden. Es gibt kein Land in Europa, das so wenig Geld für Essen ausgibt wie Deutschland.“

Das könnte Sie auch interessieren

Momentan würden in der konventionellen Ladwirtschaft noch so viele Pestizide verwendet, dass die Amphibien schlichtweg keine Chance hätten. „Man muss wissen, dass für Amphibien nur ein Bruchteil der Menge der Pestizide, die für Menschen im Trinkwasser zulässig ist, bereits lebensbedrohlich ist“, erklärte er. „Und in etwa 15 Prozent der Grundwassermessstellen sind solche Rückstände nachgewiesen.“

Einen weiteren Grund des Rückgangs sieht der Markdorfer im Rückgang der Nahrungsgrundlage, nämlich Insekten. Und genau das ist Wilfried Löderbuschs Spezialgebiet, denn er sammelt sie bereits seit 1972. „Diese Entwicklung wird durch die großen Felder in unserer Region forciert“, erläuterte er. „Damit werden die Kleinstrukturen und Rückzugsräume wie Hecken und Wiesen immer weniger.“ Für die Amphibien seien vor allem die am Boden lebenden Insekten wie Laufkäfer wichtig.

Gewässer in Kiesgruben und Steinbrüchen für Amphibien erhalten

Der Diplom-Biologe kritisierte zudem die Verfüllung von Gewässern vor allem in Kiesgruben und Steinbrüchen. „Man spricht hier von rekultivieren“, sagte er. „Dieses Wort ist allerdings ein absoluter Widerspruch zu dem, was eigentlich gemacht wird.“ Ihm zufolge werden wichtige Wasserstellen zugeschüttet. „Genau da sind Lebensräume auch für Amphibien entstanden, die einfach zugeschüttet werden“, so Wilfried Löderbusch. „Dieses Rekultivieren geht immer auf Kosten der Tiere und zerstört Habitate für wirklich seltene Arten.“

Zwei Erdkröten, die dieses Frühjahr an den Durchlässen der Amphibienanlage an den Killenweiher entdeckt wurden. Auch die Zahl der Erdkröten ist gesunken.
Zwei Erdkröten, die dieses Frühjahr an den Durchlässen der Amphibienanlage an den Killenweiher entdeckt wurden. Auch die Zahl der Erdkröten ist gesunken. | Bild: Jäckle, Reiner

Das verdichtete Verkehrsnetz bemängelte er ebenfalls. Immer mehr Feldwege werden demnach asphaltiert und er macht vor allem nachts einen immer größer werdenden Verkehrsstrom aus. Das ist vor allem für die wandernden Amphibien wie die Gelbbauchunke eine Gefahr. In der Laichzeit, aber auch für alle anderen, denn es gibt kaum Wege von Amphibien, die keine Straße mehr kreuzen.

Eventuell wandern Tiere schon im Herbst zu Laichgewässern und warten

Was die Entwicklung der Anzahl der Amphibien angeht, hat Wilfried Löderbusch aber vielleicht einen Hoffnungsschimmer. „Es kann sein, dass einige bereits im Herbst zu ihrem Laichgewässer wandern und dort warten“, sagte er. „Durch das wärmere Klima im Herbst ist dies durchaus denkbar.“ Dadurch würden sie aus dem Monitoring der Betreuer der Amphibienzäune fallen. Wenige Wochen nach der Laichzeit waren allerdings kaum noch kleine Kröten gesehen worden. Hier könnte eventuell der Fischbesatz in einigen Gewässern ein Grund sein. Denn für die Fische sind die Kaulquappen immer wieder ein gefundenes Fressen.

Wilfried Löderbusch, Diplom-Biologe aus Markdorf.
Wilfried Löderbusch, Diplom-Biologe aus Markdorf. | Bild: Wolf-Dieter Guip

Aber was kann jeder Einzelne tun, um dem Amphibienschwund entgegenzuwirken? Jeder, der einen Garten hat, kann ihn naturnah gestalten. „Es geht vor allem um insektenfreundliche Gärten“, sagte der Experte. „Vielleicht kann man auch kleine Tümpel anlegen.“ Und vor allem solle man Hecken, Stauden und Trockenmauern so belassen.

Zu einem Vorwurf äußerte sich Löderbusch entschieden: Amphibien sind laut ihm nicht vom Storch bedroht. Sie zählten kaum bis gar nicht zu deren Speiseplan. „Dieses Gerücht hat Wilhelm Busch in die Welt gesetzt“, sagte er schmunzelnd. Busch war Autor. Die Störche ernährten sich hauptsächlich von Grillen, Mäusen, Wasserinsekten „und vielleicht mal einem Molch“, so der Experte. Früher habe es deutlich größere Populationen von Störchen im Bodenseekreis gegeben.

Das könnte Sie auch interessieren