Ab dem 29. Juni soll der Unterricht an den Grundschulen wieder regulär stattfinden. An eine Normalität, wie sie vor Corona an den Schulen herrschte, ist aber vorerst nicht zu denken. Denn obwohl dann wieder alle Schüler regelmäßig in die Schule gehen werden, gelten strenge Regeln. Der SÜDKURIER sprach mit Leiterinnen zweier Schulen in der Region, wie sie die Vorgaben umsetzen und mit welchen Herausforderungen sie dabei zu kämpfen haben.

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Maskenpflicht entfällt

Derzeit gilt an der Grundschule im Heiligenberger Ortsteil Wintersulgen noch die Maskenpflicht. Immer dann, wenn der Abstand von anderthalb Metern nicht eingehalten werden kann, sagt die kommissarische Schulleiterin, Helen Steiner. Diese Pflicht fällt mit Beginn der kommenden Woche weg, weil dann für alle Grundschüler die Abstandsregeln entfallen. Aber nicht komplett. Denn, um vermeintliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, müssen die Gruppen, in denen die Kinder unterrichtet werden, konstant gehalten werden. Außerdem müssen sowohl die Eltern als auch die Lehrer schriftlich bestätigen, dass es in den vergangenen 14 Tagen keinen Kontakt zu einem an Covid-19 Infizierten gab. So sieht es die Verordnung vor.

Doch was verlangt die Verordnung?

„Es werden immer die gleichen Kinder vom gleichen Lehrer unterrichtet“, sagt Mirjam Bonnekamp, Schulleiterin der Lichtenbergschule in Uhldingen-Mühlhofen. „Das zu organisieren, ist eine Jonglage“, führt sie weiter aus. Nicht nur der Unterricht ist in strengen Gruppen geregelt, auch in den Pausen und zu Schulbeginn dürfen sich die Schülergruppen nicht durchmischen. Deshalb gilt an der Lichtenbergschule: Pausen sowie Schulbeginn und -ende sind für die Gruppen zeitversetzt.

„Die Vorgabe, dass die Schüler unterschiedliche Unterrichtszeiten haben, ist bei uns nicht umsetzbar.“Helen Steiner, Kommissarische Schulleiterin der Grundschule Heiligenberg
„Die Vorgabe, dass die Schüler unterschiedliche Unterrichtszeiten haben, ist bei uns nicht umsetzbar.“Helen Steiner, Kommissarische Schulleiterin der Grundschule Heiligenberg | Bild: Mardiros Tavit

Da kommt man an der Grundschule in Wintersulgen an seine Grenzen. „Die Vorgabe, dass die Schüler unterschiedliche Unterrichtszeiten haben, ist bei uns nicht umsetzbar“, sagt Helen Steiner. Denn: „Wir sind eine kleine Landschule und der Bus kommt hier nur zwei Mal am Tag.“ Um trotzdem zu verhindern, dass sich zu viele Schüler begegnen, müssen die einzelnen Gruppen unterschiedliche Eingänge nutzen.

Keine Kreativ- und Bewegungsfächer

Dennoch sagt Steiner: „Wir sind froh, dass es wieder einigermaßen normal los geht.“ Fünf Stunden werden die Schüler in den vier Klassen der Schule dann regulären Unterricht haben. Die darauf folgende Betreuung bis 14 Uhr übernimmt die Gemeinde. Nur das sonst stattfindende gemeinsame Essen muss aus Hygienegründen ausfallen, genauso wie an der Lichtenbergschule. Dort werden die Klassenstufen eins und zwei jeweils an vier Stunden am Tag unterrichtet. Für die Dritt- und Viertklässler gibt es an fünf Stunden am Tag Unterricht. Fächer wie Musik und Sport finden vorerst nicht statt. Der Schwerpunkt liegt auf den Fächern Deutsch, Marthe und Sachunterricht. „Die Kreativ- und Bewegungsfächer fallen leider weg, dabei sind sie in der Grundschule extrem wichtig“, findet Mirjam Bonnekamp. Doch an die Verordnung muss sie sich halten.

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Auch in der Nachmittagsbetreuung dürfen sich die Gruppen nicht mischen

Während an der Lichtenbergschule gerade so genug Lehrer zur Verfügung stehen, ist von Lehrermangel an der Grundschule in Wintersulgen kaum etwas zu spüren. „Bei uns gibt es zum Glück keinen Lehrer, der einer Risikogruppe angehört“, sagt Helen Steiner. An der Lichtenbergschule hingegen können nicht alle Lehrer Präsenzunterricht anbieten. Hinzu kommt, dass dort die Nachmittagsbetreuung die Lehrer stemmen müssen. „Weil sich die Unterrichtsgruppen nicht vermischen dürfen, muss jede Gruppe durch einen anderen Lehrer betreut werden. Daraus ergibt sich ein höherer Personalbedarf“, sagt Bonnekamp. „Aber das klappt schon“, ist sie zuversichtlich.

„Es werden immer die gleichen Kinder von dem gleichen Lehrer unterrichtet. Das zu organisieren, ist eine Jonglage.“Mirjam Bonnekamp, Schulleiterin der Lichtenbergschule in Uhldingen-Mühlhofen
„Es werden immer die gleichen Kinder von dem gleichen Lehrer unterrichtet. Das zu organisieren, ist eine Jonglage.“Mirjam Bonnekamp, Schulleiterin der Lichtenbergschule in Uhldingen-Mühlhofen | Bild: Kleinstück, Holger

Sollte es zu einem Corona-Fall kommen, weiß Bonnekamp noch nicht, ob dann die gesamte Schule geschlossen werden muss, oder es reicht, die Klasse in Quarantäne zu schicken. Die Entscheidung liege in einem solchen Fall nicht bei ihr. Ähnlich sieht das Helen Steiner: „Die Schulleitung meldet das dann an das Gesundheitsamt, das über das weitere Vorgehen entscheidet.“ Beide hoffen jedoch, dass es nicht zu einer solchen Situation kommt.

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