„Nichts tun war einfach keine Option“, sagt Marco Knoblauch, Chef der Unteruhldinger Funkenbuben. „Wir wollten am Funkenwochenende auf jeden Fall zeigen, dass wir noch da sind und uns Corona nicht zum schweigen bringt.“ Aus diesem Grund tauchte am Freitagabend plötzlich ein Funken am ursprünglichen Platz am Hafengelände in Unteruhldingen auf.

Der Funken in Unteruhldingen: Passanten sehen sich die Bilder aus dem vergangenen Jahr an.
Der Funken in Unteruhldingen: Passanten sehen sich die Bilder aus dem vergangenen Jahr an. | Bild: Jäckle, Reiner

Er ist ganz eindeutig als Funken zu erkennen, wobei er doch ganz anders ist: Zum einen ist er lediglich knapp drei Meter hoch und zum anderen auf eine Palette gebaut. „Wir haben uns monatelang überlegt, was wir machen können“, berichtet Marco Knoblauch. „Zuerst hatten wir die Idee von einem ‚Funken to go‘, dass wir Leute besuchen, dort eine Feuerschale anzünden und dann Glühwein und eine Grillwurst vorbeibringen.“ Allerdings war das so durch die aktuellen Auflagen kaum möglich.

Viele Bilder aus dem vergangenen Jahr zieren den Funken in Unteruhldingen. Die QR-Codes leiten direkt auf die Videos aus dem vergangenen Jahr.
Viele Bilder aus dem vergangenen Jahr zieren den Funken in Unteruhldingen. Die QR-Codes leiten direkt auf die Videos aus dem vergangenen Jahr. | Bild: Jäckle, Reiner

Also musste eine Alternative her. Da der Funken zu zweit zusammengebaut werden musste, konnte er nicht größer als drei Meter werden. „Wir haben ihn in einem Hof zusammengeschraubt und anschließend mit einem Radlader an den Hafen gefahren“, erzählt der Chef der Unteruhldinger Funkenbuben. „So haben wir alle Auflagen erfüllt und dennoch einen Funken am Hafen. Und wir haben es geschafft, dass die Leute mitbekommen, dass die Fastnacht nun zu Ende ist und die Fastenzeit beginnt.“

Auch beim diesjährigen Funken ist eine Hexenpuppe an der Spitze angebracht.
Auch beim diesjährigen Funken ist eine Hexenpuppe an der Spitze angebracht. | Bild: Jäckle, Reiner

Allerdings gibt es da noch eine weitere Besonderheit: Da der Funken nicht abgebrannt werden darf, können die Besucher direkt an ihn heran. Deshalb wurden an den Funken zahlreiche Bilder aus dem vergangenen Jahr gehängt. „Das i-Tüpfelchen sind die QR-Codes am Funken“, erklärt Marco Knoblauch. „Wer diese Codes scannt, kommt direkt auf Videos, die ebenfalls im vergangenen Jahr entstanden sind.“

Hier werden das Zusammenbauen der Puppe, das Abbrennen und zwei Zeitraffer vom Aufbau gezeigt. Auch der kleine Funken hat eine Puppe an der Spitze, die dieses Jahr allerdings sicherlich überleben dürfte. „So haben wir trotz der schwierigen Zeit dennoch einen einigermaßen versöhnlichen Abschluss der Fasnet“, sagt Marco Knoblauch.

Passanten freuen sich über die Aktion

Bei herrlichem Wetter war die Uferpromenade in Unteruhldingen am Wochenende Ziel vieler Einheimischer und Gäste. Der Funken zog immer wieder Neugierige an, die sich die Bilder anschauten. „Wir sind regelmäßig in Unteruhldingen zum Spazieren und haben uns über die Überraschung mit dem Funken sehr gefreut“, sagte Dietmar Kolberg aus Überlingen. Seine Frau Christl fügte hinzu: „Es ist eine tolle Idee und lässt vor allem die Tradition auch in einem so schwierigen Jahr wenigstens ein bisschen fortsetzen.“

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Sonja Knaus aus Unteruhldingen kommentierte verschmitzt: „Mit dieser Aktion gibt es wenigstens einen Funken Fastnacht in Unteruhldingen.“ Sie war mit ihrem Mann Carsten und dem gemeinsamen Hund unterwegs und hatte es sich nicht nehmen lassen, die Bilder genau anzuschauen. „Wir sind überrascht, dass überhaupt einer steht“, so Carsten Knaus. „Es ist eine klasse Idee, vor allem mit den Erinnerungen.“ Und seine Frau fügte hinzu: „So schön das auch ist, ich hoffe trotzdem, dass es einmalig bleibt.“

Carsten und Sonja Knaus aus Unteruhldingen waren Überrascht, dass überhaupt ein Funken steht.
Carsten und Sonja Knaus aus Unteruhldingen waren Überrascht, dass überhaupt ein Funken steht. | Bild: Jäckle, Reiner

Den Weg an den Hafen hatte auch das Unteruhldinger Urgestein Maria „Male“ Sulger auf sich genommen, um den Funken anzuschauen. „Ich habe schon geahnt, dass da was kommt“, sagte sie. „Ich kenne doch unsere Funkenbuben.“ Es sei einfach schön, dass der Funken stehe, auch wenn er deutlich kleiner sei und nicht brenne. „Er ist trotzdem richtig schön geworden“, sagte sie und schaute sich mit einer gehörigen Portion Wehmut die Bilder aus dem vergangenen Jahr an.