Als das Telefon klingelte und die Stimme am anderen Ende verkündete, dass Katharina Reisch aus Mühlhofen und Marie Stumpf aus Oberuhldingen eine Einladung zum Sichtungscamp zur U 16-Handball-Nationalmannschaft haben, konnten es die beiden 15-Jährigen kaum glauben.

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„Es war eine Riesenüberraschung“, erinnert sich Katharina Reisch. „Ich hätte nie damit gerechnet.“ Ihrer Freundin und Mannschaftkameradin Marie Stumpf bei der HSG Mimmenhausen/Mühlhofen erging es nicht anders, wobei sie bereits die Info hatte, im Kreise der möglichen nominierten Spielerinnen zu sein.

Zwei junge Sportlerkarrieren

In den vergangenen Monaten gab es fast keine Trainingsmöglichkeiten

Die Einladung war unter anderem auch deshalb überraschend, weil es in den vergangenen Monaten so gut wie keine Spiele und normalen Trainingsmöglichkeiten in der Halle gab. Dabei hatte das Duo noch das Glück, dass sie als Landeskaderspielerinnen des südbadischen Handballverbandes zum Leistungssport zählen und somit wenigstens die wenigen Lehrgänge der südbadischen Auswahl besuchen konnten.

Katharina Reisch in Aktion.
Katharina Reisch in Aktion. | Bild: privat

Garagen-Training mehrmals in der Woche

Durch den wegen Corona kompletten Ausfall der normalen Trainingsmöglichkeiten mussten sich die beiden weitgehend privat organisieren und das taten sie mit einer unglaublichen Disziplin. Trainiert wurde jede Woche mehrmals in der Garage der Familie Stumpf in Oberuhldingen, die kurzerhand in einen kleinen Trainingsraum umfunktioniert wurde. Hinzu kamen noch regelmäßige Crossfit-Einheiten mit ihren Mannschaftskolleginnen der B-Jugend der HSG Mimmenhausen-Mühlhofen, die während der Corona-Phase online angeboten werden.

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Maries Vater ist Co-Trainer der weiblichen B-Jugend

„Wir haben in den vergangenen Monaten sehr viel an der Kraft und unter anderem mit Jumping-Fitness an der Ausdauer gearbeitet“, erklärt Christian Stumpf, der Vater von Marie. Er ist Co-Trainer der weiblichen B-Jugend bei der HSG Mimmenhausen/Mühlhofen und betreut während der Corona-Zeit separat drei Mädchen der HSG Mimmenhausen-Mühlhofen, die dem aktuellen südbadischen Landeskader des Jahrgangs 2006 angehören.

Marie Stumpf beim Sprungwurf – sie ist Linkshänderin.
Marie Stumpf beim Sprungwurf – sie ist Linkshänderin. | Bild: privat

„Die Einladung ist schon eine kleine Sensation“

„Wir haben uns von Vereinsseite alle riesig darüber gefreut, dass zwei von drei unserer Mädchen eine Einladung zum DHB-Sichtungscamp an die Bundeswehr-Sportschule nach Warendorf in Nordrhein-Westfalen erhalten haben“, erklärt Christian Stumpf. „Die meisten Talente kommen aus Leistungszentren und haben perfekte Trainingsbedingungen. Aus dieser Perspektive heraus ist die Einladung zum DHB Sichtungscamp schon eine kleine Sensation.“

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Beide HSG-Nachwuchshandballerinnen hielten bis zum Schluss durch

„Ich war froh, dass ich nicht alleine hin musste“, sagt Marie Stumpf, die sich über die Nachnominierung ihrer Freundin Katharina Reisch freute. „So konnten wir uns ein Zimmer teilen und uns gemeinsam durchkämpfen.“ Und einfach war das nicht, denn die Trainingseinheiten waren vor allem körperlich sehr anspruchsvoll. Sieben von 36 Teilnehmerinnen mussten am dritten von drei Tagen wegen Muskelproblemen aussetzen – die beiden aus Uhldingen-Mühlhofen waren bis zum Schluss dabei.

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Katharina Reisch: „Man stand quasi unter Dauerbeobachtung“

Die Stimmung unter den Teilnehmerinnen sei gut gewesen. „Auch die Trainer waren alle super nett“, betont Katharina Reisch. „Allerdings waren die Trainingseinheiten schon anders als sonst, weil man quasi unter Dauerbeobachtung stand.“ Ein Trainer leitete die Einheit und zwei andere machten sich dabei Notizen. Da habe man schon einen deutlich höheren Druck gespürt wie sonst, sagten beide unisono.

Der Schnappschuss der beiden vor der Bundeswehr-Sportschule Wagendorf.
Der Schnappschuss der beiden vor der Bundeswehr-Sportschule Wagendorf. | Bild: privat

Ob es die Handballerinnen vom Bodensee schaffen, steht noch nicht fest

Von den insgesamt 72 eingeladenen Talenten aus ganz Deutschland, die in mehreren Camps aufgeteilt wurden, werden zunächst etwa 30 Spielerinnen übrig bleiben, die dann eine Runde weiter Richtung Kader der U 16-Nationalmannschaft wandern werden. Ob es Katharina Reisch und Marie Stumpf schaffen werden, steht noch nicht fest. Aber schon die Einladung macht nicht nur die Verantwortlichen der HSG Mimmenhausen/Mühlhofen stolz auf seine beiden Spielerinnen.

Starke Konkurrenz: Viele Talente aus Leistungszentren

„Die Leistungsdichte war enorm hoch“, sagt Marie Stumpf. „Außerdem gab es sehr viele Talente aus Leistungszentren, die klare körperliche Vorteile hatten.“ Da allerdings keiner weiß, auf was die Trainer genau geachtet haben, warten Katharina Reisch und Marie Stumpf noch auf die Rückmeldung, wie ihre Leistungen gesehen wurden. Und wer weiß, vielleicht schaffen die beiden Mädchen aus Uhldingen-Mühlhofen tatsächlich den Sprung in den erweiterten Kader der U 16-Nationalmannschaft der Handballerinnen.