Viel Lob für ihre Arbeit hat Jugendbeauftragte und Schulsozialarbeiterin Johanna Krapf in der Gemeinderatssitzung erhalten. Sie übt ihre beiden Ämter in Personalunion seit Anfang 2020 aus, jeweils als 50-Prozent-Stelle. Johanna Krapf erklärte in der Sitzung, sie verstehe Schulsozialarbeit als niederschwelliges Jugendhilfeangebot, das präventiv wirke und für alle Kinder und Familien gleichermaßen zur Verfügung stehe. Das Arbeitsfeld könne sehr vielfältig sein. Bei der Einteilung in verschiedene Bereiche orientiere sie sich am Handbuch Schulsozialarbeit, den zur Verfügung stehenden Ressourcen sowie an den spezifischen Gegebenheiten vor Ort, wie sie ausführte. Je nach Bedarf begleite sie Schüler bei einem spezifischen Thema oder mit einem speziellen Problem und vermittle diese an eine Fachberatungsstelle, Jugendhilfeeinrichtung oder an einen Therapeuten weiter.

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Für das Ganztagsangebot der Lichtenbergschule organisiert Johanna Krapf ein doppelstündiges Gruppenangebot, das Elemente aus der sozialen Gruppenarbeit und Erlebnispädagogik sowie Achtsamkeitsübungen kombiniere. Außerdem könne sie Schüler in der Kernzeitbetreuung kennenlernen und ihnen die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme bieten. Regelmäßig tausche sie sich mit der Schulleitung aus.

Während der Schulschließungen sei es schwierig gewesen, Kontakt zu halten. Die Familien seien per Elternbrief auf die Angebote der Schulsozialarbeit hingewiesen worden. Soziale Arbeit lebe jedoch von Beziehungen, die mit Grundschülern übers Telefon oder Internet nur begrenzt gepflegt werden könnten. „Das Knüpfen neuer Kontakte und Beziehungen ist nahezu unmöglich.“ Netzwerktreffen sowie der Fachaustausch seien über Videokonferenzen möglich gewesen. Auch nach den Sommerferien seien einige Einschränkungen in der Arbeit zu spüren gewesen. „Klassenstufenübergreifende Angebote und Projekte sind nicht möglich, auch die Kooperation mit externen Partnern ist erschwert“, bedauerte Krapf. „Die Angebote im Ganztagsbereich können nicht so gestaltet werden, wie es pädagogisch wünschenswert wäre.“

Kindern machen die Einschränkungen zunehmend zu schaffen

Den Kindern merkt man laut Krapf im Umgang untereinander an, dass ihnen die Einschränkungen zunehmend zu schaffen machen. Netzwerktreffen müssten teilweise wieder digital stattfinden, büßten so in mancher Hinsicht an Qualität ein. Johanna Krapf geht davon aus, dass der Bedarf an Angeboten der Schulsozialarbeit stetig steigen wird. Dies sei aber nur teilweise durch die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen zu begründen. Sobald es möglich ist, will sie zusätzliche offene Angebote etablieren.

Aufgrund der Kombination mit der Schulsozialarbeit sei geplant gewesen, in den Schulferien ihre volle Arbeitszeit in die Jugendarbeit zu investieren und während der Schulzeit diese Arbeit entsprechend zu reduzieren. „Das ist nur eingeschränkt realisierbar.“ Als Schwerpunkt ihrer Arbeit nannte sie die Jugendbeteiligung in der Gemeinde. Das im März 2020 geplante Erstwählerforum zur Bürgermeisterwahl habe aufgrund von Corona kurzfristig abgesagt werden müssen; der digitale Jugenddialog mit Bürgermeister Dominik Männle im November sei sehr erfolgreich gewesen. „Das ist ein guter Grundstein für weitere Dialogveranstaltungen und Beteiligungsprojekte.“

Die pädagogische Fachkraft Johanna Krapf (26) ist seit Januar 2020 in Uhldingen-Mühlhofen als Jugendbeauftragte und Schulsozialarbeiterin tätig.
Die pädagogische Fachkraft Johanna Krapf (26) ist seit Januar 2020 in Uhldingen-Mühlhofen als Jugendbeauftragte und Schulsozialarbeiterin tätig. | Bild: Kleinstück, Holger

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Jugendtreff am Sport- und Funpark. Dieser sei wegen Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit den dort aktiven Jugendlichen sowie häufigem Personalwechsel länger leer gestanden. Mittlerweile seien dort dank des Bauhofs und des Vereins „Jugend aktiv“ die Möglichkeiten enorm verbessert worden. In der Satzung des Vereins solle der Kinder- und Jugendschutz verankert und in einer Vereinbarung mit dem Kreisjugendamt festgeschrieben werden.

Treffen mit Jugendlichen und Gemeindevertretern

Der Jugendtreff solle teilweise als selbst verwalteter offener Treff genutzt werden. Kraft bedauerte, dass man aufgrund der Corona-Pandemie den Jugendtreff zweieinhalb Monate nicht nutzen durfte. Durch ein Hygienekonzept habe man dann den Treff so weit herrichten können, dass eine Küchenzeile eingebaut werden konnte.

Abschließend kündigte Johanna Kraft an, dass die Jugendbeteiligung in der Gemeinde fortgeführt werden soll: Es sollen regelmäßige Gespräche zwischen Jugendlichen und Vertretern der Gemeinde mit Bürgermeister, Gemeinderäten und Verwaltungsvertretern stattfinden. Außerdem wolle sie mit den Jugendlichen weitere Beteiligungsformate planen und umsetzen.

„Für die Kinder und Jugendlichen sind diese Einschränkungen sehr massiv“

Johanna Krapf, 26 Jahre alt, kommt aus Friedrichshafen und ist seit Anfang 2020 als pädagogische Fachkraft in Uhldingen-Mühlhofen beschäftigt.

Wie wirkt sich Corona derzeit auf die Jugendarbeit aus?

Die derzeitigen Einschränkungen machen die Arbeit schwierig. Sie machen es kaum möglich, niederschwellige Beteiligungs-, Beratungs- und Kontaktmöglichkeiten zu etablieren. Der Betrieb eines offenen Kinder- und Jugendtreffs oder das Durchführen von Veranstaltungen ist momentan undenkbar. Für die Kinder und Jugendlichen sind diese Einschränkungen sehr massiv.

Was ist am Jugendtreff am Sport- und Funpark geplant, wenn es die Lage wieder zulässt?

Er soll in Teilen als selbstverwalteter Jugendtreff betrieben werden. Wir möchten einen Raum von Jugendlichen für Jugendliche gestalten, an dem sich jede und jeder wohlfühlen und einbringen kann. Außerdem soll für Jugendliche die Möglichkeit bestehen, den Jugendtreff für private Veranstaltungen bei der Gemeinde anzumieten.

Wie sieht das aus?

Über sechs Jahre nach Baubeginn wollen wir den Sport- und Funpark und den Jugendtreff mit einer Feier offiziell eröffnen. Wir wollen den Ort für alle jungen Menschen in der Gemeinde zugänglich machen und ihn dafür modern und interessant halten. Es gibt hier viele Möglichkeiten – und die wollen wir gemeinsam nutzen und Angebote machen, sobald es die Lage zulässt.

Wie können sich Kinder und Jugendliche in der Gemeinde aktiv einbringen?

Wenn die Jugendlichen ein Anliegen haben, das sie angehen möchten, können sie sich an mich wenden. Dann schauen wir gemeinsam, welche Wege es gibt. Ob das im Jugendtreff oder in einer Projektgruppe ist, oder ob es einen passenden Verein gibt – wir finden bestimmt einen Platz dafür. Bürgermeister Dominik Männle und der Hauptamtsleiterin Gudrun Müller liegt es sehr am Herzen, dass Uhldingen-Mühlhofen auch ein Ort für junge Menschen ist. Ihnen ist es besonders wichtig, dass sich die Jugendlichen hier gern aufhalten und sie die Gemeinde mitgestalten können. Sie fördern die Jugendbeteiligung sehr und werden auch künftig hierfür viele Möglichkeiten bieten.