Kaum ist der erste Sonnenstrahl draußen und die Temperatur klettert in den zweistelligen Bereich, tut sich was am Insektenhotel. Im Sommer zuvor waren alle Röhrchen in Windeseile verschlossen. Nun kommt zum Vorschein, was sich in der Zwischenzeit getan hat. Hunderte von Wildbienen schlüpfen durch die Röhrchen ins Freie und veranstalten ein wahres Summ-Konzert.

Eine männliche Gehörnte Mauerbiene im Anflug auf das Insektenhotel.
Eine männliche Gehörnte Mauerbiene im Anflug auf das Insektenhotel. | Bild: Reiner Jäckle
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Besonders früh dran ist die Gehörnte Mauerbiene. Sie sieht ein bisschen wie eine kleine Hummel aus. Das Männchen ist ganz einfach an den weißen Härchen auf dem Kopf zu erkennen. Sie haben in ihrem kurzen Leben nur ein Ziel: sich zu vermehren.

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In den vier bis acht Wochen, in denen die Mauerbienen leben, sind sie ausschließlich auf der Suche nach Weibchen. Sie heften sich auf den Rücken und paaren sich. Allerdings müssen die frisch geschlüpften Männchen häufig einige Tage ungeduldig warten, bis sich die ersten Weibchen zeigen.

Zwei „Gehörnte Mauerbienen“ bei der Paarung. Das Männchen mit den weißen Haaren sitzt oben, das Weibchen unten. Nach der Paarung kümmert sich das Weibchen alleine um die Eiablage.
Zwei „Gehörnte Mauerbienen“ bei der Paarung. Das Männchen mit den weißen Haaren sitzt oben, das Weibchen unten. Nach der Paarung kümmert sich das Weibchen alleine um die Eiablage. | Bild: Reiner Jäckle

„Es ist die wohl interessanteste Jahreszeit, um Wildbienen aus nächster Nähe zu beobachten“, sagt Holger Thissen von BeeHome in Konstanz. Das Unternehmen ist der führende europäische Anbieter von Mauerbienen zur punktgenauen Bestäubung im Obstanbau. „Dadurch, dass die Tiere einige Zeit aufeinandersitzen, kann man sehr nahe hingehen und ihnen zuschauen.“

Ein Riesenandrang am Insektenhotel: Hier warten männliche Wildbienen (mit den weißen Haaren) auf schlüpfende Weibchen, um sich paaren zu können.
Ein Riesenandrang am Insektenhotel: Hier warten männliche Wildbienen (mit den weißen Haaren) auf schlüpfende Weibchen, um sich paaren zu können. | Bild: Reiner Jäckle

Aber nicht nur die Paarung, die bis zu zwei Stunden dauern kann, gehört in diese kurze Lebensdauer. Es muss auch der Nachwuchs geregelt werden. Hierzu werden die Insektenhotels sofort wieder besetzt. Gleich im Anschluss an die Paarung beginnen die Weibchen mit dem Brutgeschäft. Und das dauert mehrere Stunden, denn die Weibchen legen in eine Brutzelle ein Ei und gesammeltem Pollen-Nektar-Vorrat ab. Danach wird ein Trennmäuerchen aus Lehm gebaut, um die nächste Brutzelle entstehen zu lassen.

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Leider bekommen die Wildbienen-Eltern ihren eigenen Nachwuchs nie zu sehen, denn sie sterben schon kurz nach dem Brutgeschäft noch vor dem Sommer. Die Nachkommen schlüpfen dann erst im darauffolgenden Frühjahr aus ihren Kokons. Gehörnte und Rote Mauerbienen gehören zu den Meistern des Bestäubens. Etwa 300 können genauso effektiv sein wie ein gesamtes Honigbienenvolk. In ihrem Leben bestäuben sie bis zu 40 000 Blüten.