Vor einem halben Jahrhundert ist sie aus der Taufe gehoben worden, jetzt feiert die Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen ihren 50. Geburtstag. Festakt, bunter Abend der Narren- und Musikvereine, Tag der Sportvereine und Familientag: Das Programm zum Geburtstag ist vielfältig. „Mit dieser Festwoche möchten wir die Vielfältigkeit und Selbstständigkeit und ganz besonders das soziale Miteinander unserer Gemeinde zum Ausdruck bringen“, sagt Bürgermeister Dominik Männle. „Es ist für jeden etwas dabei.“ Auftakt und zugleich Höhepunkt ist der Festakt am Freitag mit einem Rückblick auf 50 Jahre Gemeindeleben, umrahmt von den Musikvereinen Mühlhofen und Oberuhldingen. Hier hat ein Musikstück Premiere, das die Musiker gemeinsam mit dem Komponisten Ernst Hutter einstudiert haben.

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Im Rahmen der Gebietsreform hatten sich Anfang April 1971 erstmals die Gemeinderäte aller drei Orte getroffen, um sich zum Thema Zusammenschluss zu beraten. Der Mühlhofer Bürgermeister Eugen Schaible hatte eine Dokumentation erstellt, die er den beiden anderen Orten zur Verfügung stellte. Zur Auswahl stand, sich Richtung Meersburg, Überlingen oder Salem zu orientieren. Allerdings waren sich die drei Gemeinderäte bald einig, dass ein Anschluss an andere Verwaltungen nicht infrage komme, sondern man sich zusammenschließen und am Gewachsenen festhalten wolle. „Mit diesem Zusammenschluss soll eine leistungsfähige, den heutigen und insbesondere den künftigen Aufgaben entsprechende Gemeindeverwaltung geschaffen werden“, hieß es am 8. Oktober 1971 im SÜDKURIER.

Blick auf den Unteruhldinger Hafen auf einer Postkarte 1972.
Blick auf den Unteruhldinger Hafen auf einer Postkarte 1972. | Bild: SK-Archiv

Zwei Tage später war die Meinung der Bürger gefragt. Das Ergebnis: Rund 90 Prozent stimmten für den Zusammenschluss und damit für eine eigene Verwaltungseinheit zwischen den Städten Überlingen und Meersburg. In Oberuhldingen lag die Zustimmung bei 94 Prozent, in Mühlhofen bei 90 und in Unteruhldingen bei 84 Prozent. Am 13. Oktober 1971 unterzeichneten die Bürgermeister die Vereinbarung, Mitte November genehmigte das Regierungspräsidium die neue Gemeinde.

Der Zusammenschluss wurde offiziell in der Gemeinderatssitzung am 3. Januar 1972 in einer überfüllten Mühlhofener Turnhalle vollzogen, zum Amtsverweser des Bürgermeisters wurde Walter Bühler aus Unteruhldingen gewählt. „Gemeindehochzeit wurde feierlich besiegelt – Uhldingen-Mühlhofen ist eine zukunftsträchtige Gemeinde“, titelte der SÜDKURIER am 7. Januar 1972.

Anfangs viel Arbeit für Bürgermeister und Gemeinderat

Für das Amt des neuen Rathauschefs meldeten sich sieben Bewerber; der erste Wahlgang am 12. März brachte aber trotz Stimmenmehrheit für Walter Bühler noch kein Ergebnis. Den zweiten Wahlgang am 26. März 1972 entschied der damalige 29-jährige Gemeindeamtmann Karl-Heinz Weber mit 986 Stimmen für sich, vor Walter Bühler (885) und Egon Stoll (495). Sein Amt trat Weber am 1. Juni an: Im Rathaussaal Oberuhldingen war er tags zuvor von Landrat Karl Schiess verpflichtet worden.

Seine erste Gemeinderatsitzung leitete Weber am 13. Juni, hier wurde die Einführung der unechten Teilortswahl beschlossen. Für Bürgermeister und Gemeinderat gab es anfangs viel Arbeit. Hauptaufgabe war es, die Ortsteile zusammenzuführen und dabei deren Eigenart zu erhalten. Auch waren Vorurteile zwischen den Ortsteilen abzubauen. Ein enormes Arbeitspensum wurde bewältigt: Drei Gemeinderatsitzungen pro Woche waren die Regel – heute undenkbar.

Karl-Heinz Weber, erster Bürgermeister der Gemeinde, bei der Ansprache im Rahmen seiner Verpflichtung 1972.
Karl-Heinz Weber, erster Bürgermeister der Gemeinde, bei der Ansprache im Rahmen seiner Verpflichtung 1972. | Bild: SK-Archiv

Die Vorbehalte gegen den Zusammenschluss und ein Ortsteildenken wurden im Laufe der Zeit immer weniger. Ein Beispiel ist die Gesamtfeuerwehr, die sich aus drei Ortswehren bildete. Dennoch haben die Ortsteile durch eigene Sport-, Musik- und Narrenvereine ihre Identität bewahrt. „Es ist über all die Jahre gelungen, dass die drei Ortsteile mit ihren dazugehörigen Weilern ihre Identität behalten und die jeweilige Tradition weiterleben können. Dies ist ein wertvoller Schatz, der unsere Gemeinde lebendig, vielseitig und attraktiv macht“, sagt Bürgermeister Dominik Männle.