Wie geht es in Sachen Echt-Bodensee-Card (EBC) in der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen weiter? Im September 2017 war die Kommune aus dem Projekt, die regionale und einheitliche Gästekarte für die Destination Bodensee einzuführen, ausgestiegen. Jetzt aber kommt wieder Bewegung in die Angelegenheit: Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung, die Einführung der EBC in Uhldingen-Mühlhofen zum Jahr 2022 voranzutreiben.

Intelisano: Entwicklungen rechtfertigen erneute Beschäftigung mit EBC

Nadia Intelisano, Leiterin der Tourist-Information, teilte zunächst mit, seit der Einführung der EBC im Jahr 2017 ließen sich wesentliche Entwicklungen feststellen, die eine erneute Befassung mit der EBC-Einführung in Uhldingen-Mühlhofen rechtfertigten. Mittlerweile hätten sich 13 Gemeinden und Städte pro EBC entschieden. Das anfängliche Chipkarten-System 2018 sei auf eine Papierlösung umgestellt worden, so Intelisano weiter.

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Die Ausstellung der Gästekarte erfolge durch den Gastgeber über das Meldescheinsystem der Gemeinde; die Meldescheinvorlagen beinhalteten rechtlich abgestimmte Inhalte und Hinweise zu den Themen Melderecht und Datenschutz. Der Aufwand für die Gastgeber bleibe gleich.

Rund um die EBC

„Die Akzeptanz der Gastgeber für die EBC in den teilnehmenden Orten hat sich überwiegend positiv entwickelt“, sagte die Touristikerin. Eine Gästebefragung 2019 habe bei rund 800 Rückmeldungen ergeben, dass etwa 90 Prozent der Befragten das Angebot mit „sehr gut“ oder „gut“ bewerten. 70 Prozent der Gäste hätten den ÖPNV genutzt, 72 Prozent würden zukünftig einen Urlaubsort bevorzugen, der die EBC anbietet.

Ein wesentlicher Bestandteil der EBC ist die kostenfreie ÖPNV-Nutzung im gesamten Bodo-Gebiet.
Ein wesentlicher Bestandteil der EBC ist die kostenfreie ÖPNV-Nutzung im gesamten Bodo-Gebiet. | Bild: Kleinstück, Holger

Laut Intelisano hat die Tourist-Information zuletzt am 10. Februar im Vorjahr eine EBC-Informationsveranstaltung mit den Uhldinger Gastgebern ausgerichtet, um mögliche Bedenken und Wünsche zu besprechen. Sie teilte außerdem mit, dass bei einer EBC-Einführung die Gemeinde derzeit von einer Erhöhung der aktuellen Kurtaxe von derzeit 2 Euro um 1,10 Euro bis 1,30 Euro ausgehe. „Die genaue Berechnung der Kurtaxe erfolgt allerdings erst nach der Entscheidungsfindung für die Einführung der EBC durch den Gemeinderat“, machte Intelisano klar.

Bedenken äußerte zunächst Meinrad Holstein (FDP), der in der EBC immer noch eine „Insellösung“ infolge der fehlenden Verbundlösung mit anderen Landkreisen sieht. „Jeder Tourist wird zur EBC gezwungen“, sagte er. Nadine Bohn (CDU) war nicht sicher, ob man die Gastgeber jetzt mit der Thematik „überrenne“, Jean-Christophe Thieke (CDU) begrüßte es, vor einer Entscheidung erst die Vermieter zu befragen. Es gelte zu vermitteln, dass der Gast einen Aufpreis für die Karte zu zahlen habe.

Die EBC in Uhldingen-Mühlhofen

Bereits im Jahre 2016 beschloss der Gemeinderat die Einführung der EBC ab dem Jahr 2018, wogegen sich aber viele sträubten.
Bereits im Jahre 2016 beschloss der Gemeinderat die Einführung der EBC ab dem Jahr 2018, wogegen sich aber viele sträubten. | Bild: Kleinstück, Holger

Dass die Gäste nach der EBC in Bezug auf den ÖPNV fragten, verdeutlichte Martin Möcking (JB), selbst Gastronom. „Ein Verbund ist ihnen eher egal“, machte er deutlich. Man sollte die EBC nicht um jeden Preis einführen, sagte er. „Aber was spricht dagegen, dass man‘s nicht versucht? Warum soll es nicht funktionieren?“

Christine Allgaier (BuF) sagte, es sei höchste Eisenbahn, mit der Thematik wieder zu beginnen, man sei jetzt um die Erfahrung vieler Gemeinden reicher. „Wie sollte man einem Gast hier erklären, dass man in Überlingen die Karte erhält, in Uhldingen aber nicht?“, fragte sie in Bezug auf die geplante EBC-Einführung in der Münsterstadt im kommenden Monat.

Auch Gabriele Busam (FW) befand, es sei höchste Zeit für die EBC. Wichtig sei, den Datenschutz zu klären und eventuell probehalber einzusteigen. Viele Bedenken äußerte dagegen Markus Wesch (AWG), der sich dafür aussprach, dass die Reihenfolge der Projektplanung zur Entscheidungsfindung überdacht werden sollte. Er sagte weiter, dass die Meldeschein-Situation noch nicht geklärt sei, welche Daten gemeldet werden müssten und was dem Datenschutz unterliege. Ein Teil der Kurtaxen-Erhöhung für die EBC sei nicht Kurtaxe-fähig, diese Kosten – rund 100 000 bis 130 000 Euro – müssten von der Gemeinde getragen werden.

Wesch (AWG): Digitale Versammlung grenzt ältere Vermieter aus

Wesch bezweifelte anhand von Zahlenmaterial außerdem die positive EBC-Entwicklung in den Gemeinden und schlug vor, die Vermieterversammlung statt online über Zoom mit offenen Fenstern und Türen auszurichten, um ältere Vermieter nicht auszugrenzen. „Dies ist nur für Gemeinderatsitzungen zulässig“, entgegnete Bürgermeister Dominik Männle. Helmut Halbhuber (FW) sagte abschließend, die kommende Diskussion müsse ergebnissoffen geführt werden.

Kritik kommt vom Gastgeberverein Uhldingen-Mühlhofen (GUM). Er nimmt „mit großer Verwunderung“ zur Kenntnis, dass ein EBC-Beitritt in Corona-Zeiten zur Diskussion beziehungsweise gar zu Entscheidung stehe, da die Gastgeber sich derzeit überwiegend mit gravierenden existenziellen Sorgen konfrontiert sähen. Die EBC-Einführung werde von den Gastgebern eher als ein „Luxusproblem“ wahrgenommen, das „offensichtlich aus Reihen des Gemeinderats“ komme.

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Vor diesem Hintergrund unterstütze der GUM deshalb das von Hoteliers sowie privaten Zimmer-und Ferienwohnungsvermietern erstellte Nachhaltigkeitskonzept, bei dem auch das Thema EBC-Beitritt ausführlich behandelt worden sei. Der Verein schreibt: „Verwaltung und Gemeinderat sind deshalb aufgefordert, sich dringend mit diesem Nachhaltigkeitskonzept auseinander zusetzen. Dort offenbaren sich die wahren Erfordernisse einer innovativen Tourismusgemeinde.“