Am 2. Juli sind Sie im Welterbesaal in Unteruhldingen zu Gast. Was erwartet die Zuschauer?

Lachen, lachen lachen. Bei mir gilt definitiv das Motto „Lach kaputt, was dich kaputt macht“. Und das gern auch laut und heftig. Ich bin überzeugt davon, dass genau dies die einzig effektive Medizin ist. Natürlich wird es auch nicht wirklich politisch korrekt zugehen.

Sonst wäre der Appelt ja auch kein Appelt…

Das stimmt. Ich habe schon einiges Feedback auf mein Programm bekommen und werde das Gefühl nicht los, dass es ankommt. Teilweise sogar so, dass es umso besser ankommt, je heftiger und gemeiner es ist. Das Schöne daran ist: Mir tut das gut und den Leuten tut es auch gut. Es geht einfach darum, auf eine relativ unkorrekte Art und Weise mit dem Irrsinn des Lebens umzugehen.

Sie sind ja bekannt dafür, dass Sie spontan sind und auf der Bühne improvisieren. Was müsste passieren, dass Sie das Publikum in Unteruhldingen auf der Bühne sprachlos macht?

Ich glaube, das geht gar nicht. Sprachlos auf gar keinen Fall. Vielleicht wenn alle nackt kommen oder alle auf einmal den Saal verlassen würden. Vielleicht dann. Aber Kritik oder Pfiffe machen mir nichts aus. Ich spiele ja mittlerweile schon damit.

Inwiefern?

Ich lasse mich teilweise sogar auspfeifen, indem ich auf die Bühne gehe und von meinem Publikum verlange, es soll den Wutbürger machen, statt freundlich zu sein. Das finden die Leute sehr lustig. Mir ist einfach wichtig, dass ich, bevor jemand kommt und mir sagt, dass ich ein Arschloch bin, das schon selbst mache (lacht).

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Vor vier Jahren waren Sie schon einmal im Welterbesaal. Welche Erinnerungen haben Sie an Unteruhldingen?

Ich weiß, dass es dort sehr schön ist. Ich arbeite zwar momentan sehr viel, dafür sehe ich etwas von der Welt. Aber so etwas wie in Unteruhldingen sieht man wirklich nicht alle Tage. Man hat das Gefühl, man kommt in eine eigene Kultur. Und das Gebäude ist natürlich auch ein Hingucker.

Vor vier Jahren haben Sie gesagt, dass Sie ein Wasserfrosch sind und es „einfach geil“ finden, ins Wasser zu hüpfen. Werden Sie die Chance nutzen, wenn Sie gerade mal 400 Meter vom Bodenseeufer auftreten?

Das werde ich auf jeden Fall unbedingt versuchen. Mal schauen, vielleicht muss ich dann eben nackt auf die Bühne (lacht). Aber gerade der Bodensee ist schon sehr reizvoll. Vielleicht schaffe ich es auch, wieder mit dem Tretboot zu fahren. Das habe ich das letzte Mal gemacht. Das war echt toll!

Laut Tourkalender stehen Sie danach erst wieder am 7. Juli in Dortmund auf der Bühne. Werden Sie Ihre Zeit am Bodensee verlängern?

Das wird sicher schwer werden, aber ich versuche, so lange wie möglich zu bleiben. Der Tourplan ist leider nicht mein Arbeitsplan, denn aktuell bin ich unheimlich viel unterwegs. Leider habe ich nicht so viel Freizeit. Aber davon hatte ich auch genug in den letzten Monaten.

In Ihrer Programmvorschau steht, Ihr Geheimrezept gegen Depression sei, so lange auf die Zwölf zu geben, bis die Sonne wieder scheint. Dann sind Sie in der Corona-Zeit aber zu einem Profi-Kampfsportler geworden, oder?

Naja, eben nicht, weil ich nicht auf die Bühne konnte. Ich bin deshalb jeder Menge Menschen auf den Sack gegangen. Wie beispielsweise im Supermarkt an der Fleischtheke mit der Maske in der Fresse. Da beginnst du Witze zu machen und belästigst auch noch die Kunden beim Einkaufen. Die erkennen einen dann selbst hinter Maske und sagen, bitte, Herr Appelt, jetzt nicht!

Wie haben Sie die Pandemie als Künstler überstanden?

Ich habe sehr viel gemacht. Ich war in Autokinos und habe Zoom-Konferenzen gemacht. Und das nur, um irgendwie stattzufinden. Weniger der medialen Wirksamkeit halber, sondern eher deshalb, meiner Familie nicht auf den Sack zu gehen. Natürlich hat es auch etwas mit Suchtverhalten zu tun, denn applaustechnisch bin ich definitiv süchtig.

Immer wieder sind Sie auch im Fernsehen zu sehen: als Comedian, Moderator und Gastgeber. Was gefällt Ihnen besser: Vor einer Kamera zu stehen oder live auf der Bühne?

Definitiv live auf der Bühne. Das ist mein Zuhause, da kenne ich mich aus und für das lebe ich. Das Fernsehen ist letztlich Mittel zum Zweck. Dort kann ich auch nicht wirklich das machen, was ich gern machen möchte.

Sie sind seit 35 Jahren SPD-Mitglied. Wie kommt man, wenn man im bayerischen Würzburg in einer Zeit aufgewachsen ist, in der die CSU mit absoluter Mehrheit regierte, auf die Idee, in die SPD einzutreten?

Weil ich ein knallharter Rebell sein wollte. Ich war ja auch evangelisch. Ich bin jemand, der sich sehr gern da aufhält, wo nicht immer die Mehrheit ist. Und prinzipiell ist es so, dass die Menschen ja nie sagen, was sie sind, sondern was sie nicht sind.

Sie hatten tatsächlich mal das politische Ziel, in den Bundestag zu kommen. Sind Sie froh, dass Sie aktuell als Comedian auf der Bühne statt im Bundestag sind?

Manchmal so, manchmal so. Neulich war ich mal in der Bundestagskantine. Da hat man mich eingeladen. Da brachten mir weiß livrierte Männer mit weißen Handschuhen das Essen an den Tisch. Das hat schon was.