Frisches Obst und Gemüse, Vollkornbrot und mehrmals am Tag Wasser trinken – und nicht so oft Schokolade naschen: Großen Wert legen die Erzieher im Kinderhaus Sonnenschein in Mühlhofen darauf, dass die Kinder gesund essen. Nicht umsonst ist die kommunale Einrichtung erneut mit dem Zertifikat „BeKi – Bewusste Kinderernährung“ des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ausgezeichnet worden. Erstmals hatte sie diese Auszeichnung vor drei Jahren erhalten.

Bunte Früchte im Glas: So sieht ein gesundes Frühstück aus, auf das die Erzieher in Mühlhofen Wert legen.
Bunte Früchte im Glas: So sieht ein gesundes Frühstück aus, auf das die Erzieher in Mühlhofen Wert legen. | Bild: Kleinstück, Holger

Durch diese landesweite Initiative sollen die Kinder Lebensmittel kennen und schätzen lernen, bewusst essen und trinken und selbstständig mit Lebensmitteln umgehen lernen. Außerdem sollen sie die regionale Landwirtschaft erleben. „So sehen die Kinder vor Ort, wo und wie die Lebensmittel wachsen, und sie entwickeln eine Wertschätzung für die Landwirte und ihre Betriebe“, sagte Dominik Mattes, Leiter des Kinderhauses. „Mit der Zertifizierung dokumentieren wir, dass uns eine bewusste Ernährungsbildung der Kinder wichtig ist.“

Mehrere Leistungen müssen für Auszeichnung erfüllt sein

Um die Auszeichnung zu erhalten, mussten mehrere Leistungen erfüllt werden. So hatten die Erzieher eine entsprechende Fortbildung zu durchlaufen. Die Kinder essen und trinken in jedem Gruppenraum in einem separaten Bereich; der Essbereich ist so eingerichtet, dass die Kinder möglichst in Ruhe und ungestört essen können. „Wir legen Wert darauf, dass Essen auch Genuss ist und man sich Zeit lassen sollte, es zu genießen“, erklärte Mattes. Die Kinder richten auch gemeinsam mit den Fachkräften den Essbereich her und räumen wieder auf. Gewünscht ist, dass die Eltern ihren Kindern ein zuckerfreies Frühstück mitgeben. Auch werden Karaffen und Gläser aus Glas statt aus Plastik verwendet.

Bislang acht zertifizierte Einrichtungen im Bodenseekreis

In einer Feierstunde übergab Irmgard Hofmann, „BeKi“-Koordinatorin im Bodenseekreis, das Siegel an Dominik Mattes: eine lachende Birne. Hofmann verwies darauf, dass der Mensch das Trinken und Essen erst lernen müsse. Es gelte, Genuss in Gemeinschaft zu erleben und es sei wichtig, Lebensmittel zu schätzen. Hofmann hofft darauf, dass sich im Bodenseekreis weitere Kindertagesstätten zertifizieren ließen. „Bislang sind es nur acht.“

Irmgard Hofmann (Zweite von links) überreichte das Zertifikat für bewusste Kinderernähung im Kinderhaus Sonnenschein: Darüber freuen sich auch der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen, Erzieherin Katharina Macco, Kindergartenleiter Dominik Mattes, die stellvertretende Kindergartenleiterin Clarissa Sauerstein und Bürgermeister Dominik Männle (von links).
Irmgard Hofmann (Zweite von links) überreichte das Zertifikat für bewusste Kinderernähung im Kinderhaus Sonnenschein: Darüber freuen sich auch der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen, Erzieherin Katharina Macco, Kindergartenleiter Dominik Mattes, die stellvertretende Kindergartenleiterin Clarissa Sauerstein und Bürgermeister Dominik Männle (von links). | Bild: Kleinstück, Holger

Bürgermeister Dominik Männle sagte, es sei wichtig, dass die Kinder spielerisch lernten, wie wichtig richtige Ernährung sei. „Dem Essen muss ein Bild gegeben werden.“ Bundestagsabgeordneter Lothar Riebsamen machte darauf aufmerksam, dass ein gesundes Mittagessen laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung durchschnittlich nur 4 Cent mehr koste als das, was in Schulen gewöhnlich auf den Mittagstisch komme. „4 Cent mehr sind eine Investition in die Gesundheit unserer Kinder.“

„Kindern ein gutes Vorbild sein“

Dominik Mattes, der das Kinderhaus Sonnenschein seit 2016 leitet, über gesunde und bewusste Ernährung.

Was versteht man denn eigentlich unter bewusster Ernährung?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt klare Kriterien für bewusste Kinderernährung vor. Als Grundlage für eine bewusste Ernährung kann nicht nur bei Kindern die Ernährungspyramide dienen. In dieser ist in unterschiedlich großen Segmenten dargestellt, welchen Platz die einzelnen Lebensmittelgruppen einnehmen sollten. Eine ausführliche Beschreibung finden Sie auch unter http://www.bzfe.de/inhalt/die-ernaehrungspyramide-640.http://html

Wie kann man Kindern nun bewusste Ernährung beibringen?

Das geht am besten, wenn man sie ihnen selbst vorlebt und ihnen damit ein gutes Vorbild ist. Essen ist meist auch mit Emotionen verbunden und so verbinden die Kinder Lebensmittel auch mit Erlebnissen oder speziellen Ereignissen. Deshalb sollte man Kinder nie zwingen, etwas zu essen, was sie nicht wollen. Geschmäcker verändern sich im Laufe des Lebens immer wieder und so kann es sein, dass man beispielsweise als Kind keine Oliven mochte, sie aber als Erwachsener sehr gern isst.

Wie viele Kinder essen zurzeit im Sonnenschein?

Derzeit haben wir 15 Kinder, die hier am Nachmittag essen. Wir werden durch einen Caterer beliefert. Außerhalb der Corona-Zeiten dürfen die Kinder ihr Essen selbst schöpfen und damit auch selbst portionieren. Wir regen die Kinder an, auch Gemüse oder Salat zu probieren. Wer es aber partout nicht möchte, muss auch nicht. Den meisten Kindern schmeckt es dann auch sehr gut und wem es nicht schmeckt, der muss es auch nicht weiter essen. Ebenso haben wir festgestellt, wenn Kinder die Möglichkeit haben, Lebensmittel selbst anzupflanzen und dann bei der Zubereitung zu helfen, schmeckt es gleich viel besser!

Bringen Sie den Kindern die Vorteile von Regionalität und Saisonalität bei?

Ja. Denn es ist wichtig, dass Kinder bereits im Kindergarten erfahren, woher die Lebensmittel kommen und wer sie produziert. So machen wir jährlich auch Ausflüge zum Obsthof Kitt nach Überlingen. Dort sehen und erleben die Kinder die regionale und auch saisonale Landwirtschaft und wie wichtig diese Betriebe für uns sind. Gerade wir im Bodenseekreis können auf unsere vielfältige Landwirtschaft sehr stolz sein!