Am Eingang wurden die Gäste mit einem roten Teppich willkommen geheißen. Dieser prächtige Empfang zog sich wie ein roter Faden durchs Programm: Die Alte Fabrik feierte ihr Publikum, welches wiederum deren Betreiber hochleben ließ. Als Möcking und Becht zum Rückblick auf die vergangenen elf Jahre – coronabedingt wurde das Fest zum zehnjährigen Bestehen um ein Jahr verschoben – anhoben, entbrannte im Saal ein herzlicher, langanhaltender Applaus.

Förderverein mit knapp 200 Mitgliedern

„Wir feiern in diesem Jahr gleich doppelt“, verkündete Möcking, „neben zehn (+1) Jahren Alte Fabrik freuen wir uns auch über zehn Jahre Freundeskreis Alte Fabrik, den Förderverein, der sich am 19. September 2011 zur finanziellen und ideellen Unterstützung unseres Kulturprogramms gegründet hat. Heute zählt der Verein 192 Mitglieder. Dieser Geburtstag ist in der Tat „etwas sehr Besonderes,“ unterstreicht Möcking, „weil uns der Freundeskreis über die Zeit hinweg finanziert hat. Er ist der Grund, warum es uns überhaupt noch gibt. Kultur trägt sich leider nicht von selbst.“

Gabi Busam (links) und Hannelore Kleinemeier, beide vom Förderverein Freundeskreis, sind oft in der Alten Fabrik: Das Programm ist breitgefächert, man lacht viel und lässt für ein paar Stunden den Alltag hinter sich.
Gabi Busam (links) und Hannelore Kleinemeier, beide vom Förderverein Freundeskreis, sind oft in der Alten Fabrik: Das Programm ist breitgefächert, man lacht viel und lässt für ein paar Stunden den Alltag hinter sich. | Bild: Manuela Klaas

Eine weitere wichtige finanzielle Säule des Kulturstandorts sind die Partner. „Am 17. Oktober 2010 startete die Alte Fabrik ihr Programm,“ berichtet Eventmanager Becht. „Seither hat sich einiges getan: Wir arbeiten nicht mehr mit Baustrahlern und unsere Stühle sind nicht geliehen, sondern bezahlt.“

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Möcking, der im nebenan gelegenen Gasthof Sternen aufwuchs, spukte die Idee zur kulturellen Nutzung des alten Fabrikgebäudes schon zu Teenagerzeiten im Kopf herum. „Das markante Gebäude ist eng mit Mühlhofen verknüpft – quasi das Herzstück des Ortes. Ich wollte diese Kulturbühne unbedingt. Als ich zum ersten Mal in der ehemaligen Weberei stand, war der Raum in einem katastrophalen Zustand – voller Ölfarbe, kaputte Fenster. Jeder normale Mensch hätte die Tür geschlossen und vielen Dank gesagt. Trotz aller Bedenken – wir haben es einfach gemacht.“

In der deutschen Kabarettszene fragt inzwischen niemand mehr, wo eigentlich Mühlhofen liegt. Längst ist die Alte Fabrik zu einer renommierten Adresse avanciert. „Wir haben in den ersten Jahren ohne jeglichen Etat ein Programm auf die Beine gestellt und so haben wir auch im letzten Jahr nicht daran gezweifelt, dass es hier weitergeht,“ bekräftigt Becht.

Martina Brandl moderierte sechs Jahre lang den Fabrik Kabarett Klub in der Alten Fabrik, auch bei der Gala stand sie auf der Bühne.
Martina Brandl moderierte sechs Jahre lang den Fabrik Kabarett Klub in der Alten Fabrik, auch bei der Gala stand sie auf der Bühne. | Bild: Manuela Klaas

323 Veranstaltungen, 165 Künstler in elf Jahren. Warum funktioniert die Kultureinrichtung Alte Fabrik? „Wir respektieren die Wünsche unserer Gäste, indem wir beispielsweise Lieblingsplätze reservieren,“ unterstreicht Möcking, „doch das ist es nicht allein: Wir freuen uns über jeden Künstler, der zu uns kommt, viele sind längst zu Freunden geworden. Unser Antrieb ist ein vollbesetzter Saal mit Menschen, die Spaß haben.“

Der Stuttgarter Travestiekünstler Michael Panzer alias Frl. Wommy Wonder bestätigt Möckings Aussage: „Als Künstler erfährt man hier eine ganz besondere Wertschätzung. Ist das Haus gut geführt, so spricht sich das herum. In Künstlerkreisen hat die Alte Fabrik einen hervorragenden Ruf.“ Kabarettistin Martina Brandl ergänzt: „Das Schönste ist, wenn aus Veranstaltern Freunde werden.“

Einige Künstler feiern mit

Am Geburtstagsabend traten einige Künstler auf, die bereits in den vergangenen Jahren oft auf der Bühne der Alten Fabrik standen. Unfassbar komisch präsentierte sich neben Martina Brandl und Fräulein. Wommy Wonder die herrlich biedere Rosemie Warth. Mit einer Mischung aus Begriffsstutzigkeit, schlauer Selbstironie und berührender Lebensphilosophie offenbarte die schwäbische Clownin portionsweise ihre wahren Talente.

Auf Tuchfühlung: Clownin Rosemie Warth hatte Gefallen an Mühlhofens Bürgermeischterle Dominik Männle gefunden.
Auf Tuchfühlung: Clownin Rosemie Warth hatte Gefallen an Mühlhofens Bürgermeischterle Dominik Männle gefunden. | Bild: Manuela Klaas

So legte sie mittels Mikro und zweier im Mund rotierender Bonbons einen Stepptanz à la Fred Astaire aufs Parkett, ohne dabei auch nur einen einzigen Fuß zu bewegen oder focht einen bizarren Kampf gegen ein bühnenfüllendes Alphorn. Schnell kristallisierte sich heraus, dass Rosemie ein Auge auf Mühlhofens „Bürgermeischterle“ geworfen hatte. Ihn bat sie zur Freude des Publikums auf die Bühne und Dominik Männle konnte sich des Lachens kaum erwehren, als sie ihm ein Liebeslied trällerte, an dessen Ende sich die Komikerin glückselig an ihn schmiegte.

Auch Schauspielerin Alice Hoffmann, bekannt als die Kittelschürze der Nation, feierte kräftig mit.
Auch Schauspielerin Alice Hoffmann, bekannt als die Kittelschürze der Nation, feierte kräftig mit. | Bild: Manuela Klaas

Fazit der Gala, die erst weit in den frühen Morgenstunden endete: bunt, knallig und höchst unterhaltsam.

Meersburgs Bürgermeister Robert Scherer weilte mit seiner Frau Tina ebenfalls unter den Gästen.
Meersburgs Bürgermeister Robert Scherer weilte mit seiner Frau Tina ebenfalls unter den Gästen. | Bild: Manuela Klaas