Es hat nicht sollen sein: Der Wirtschaftsweg zwischen Maurach und Überlingen-Nußdorf wird nicht als Radweg ausgebaut. Das hat der Gemeinderat jetzt beschlossen, obwohl er noch im Dezember einen asphaltierten Weg befürwortet hatte. Die Gemeindeverwaltung wurde gebeten, nach Alternativmöglichkeiten zu suchen. Hintergrund ist die ablehnende Haltung des Umweltamts im Landratsamt. „Deren Bedenken sind schwerwiegend. Die Argumente sind durchaus richtig“, sagte Ortsbaumeister Norman Zieger. Er kritisierte jedoch zum einen, dass sich das Amt „unserer Meinung zu spät geäußert hat", zum anderen, dass die Absprache mit dem Verkehrsamt anscheinend mangelhaft gewesen sein. „Für unsere Kommune ein Trauerspiel.“

Der Ausbau des Wirtschaftswegs zu einem durchgängigen Radweg war bereits im landesweiten Radnetzkonzept RadNetzBW vor zwei Jahren vorgeschlagen worden. Zieger teilte mit, dass im Bodenseekreis die Verkehrsbehörde des Landratsamts die Umsetzung dieses Konzepts betreue. Dass das Vorhaben grundsätzlich förderbar sei, habe das Regierungspräsidium bestätigt. Zieger erklärte: „Um einen Förderantrag zu stellen, muss nach den Förderrichtlinien eine vollständige Planung erbracht werden; diese muss wiederum mit möglichen Betroffenen und Beteiligten abgestimmt werden, bevor eine Förderung genehmigt wird.“ Die Gemeinde hatte im Dezember das Überlinger Ingenieurbüro Langenbach mit der Planung beauftragt.

Nach Vorlage dieser Planung habe das Umweltamt erhebliche Einwände gegen den Trassenverlauf vorgebracht, insbesondere im Abschnitt zwischen dem unbeschrankten Bahnübergang und Nußdorf. „In diesem Bereich gibt es zahlreiche Biotope“, sagte der Bauamtsleiter. Das Trassenkonzept RadNetzBW habe die Belange des Umweltschutzes "leider überhaupt nicht berücksichtigt". Zieger unterstrich: „Eine zumindest überschlägige interne Prüfung und Abstimmung mit den eigenen Fachämtern der vom Landratsamt an die Kommunen zur Umsetzung übergebenen Trassenplanung hat leider nicht stattgefunden.“

Um die Machbarkeit noch weiter abzuschätzen, habe die Gemeinde ein Gutachten eines Ökologen eingeholt. Dieses sage aus, dass im Biotopbereich rechts und links der Trasse nahe Nußdorf seltene Amphibien lebten. Auch die Bahn habe Bedingungen vorgegeben: eine Abtrennung zu den Gleisen durch einen Zaun mit rund 700 Metern Länge und eine eigenständige Entwässerung.

Zieger erläuterte, nach einer Besprechung im Landratsamt sei das Umweltamt zur Auffassung gekommen, dass für eine mögliche Genehmigung zahlreiche weitere Unterlagen erforderlich seien. Die Kosten für diese Gutachten und Planungsleistungen hätte die Gemeinde selbst zahlen müssen, sodass sich die reinen Baukosten von rund 220 000 Euro erheblich erhöhen würden. Zieger erklärte: “Die Gutachtenkosten sind kaum abschätzbar, dürften sich jedoch in einem Bereich von mehreren 10 000 Euro bewegen." Zusätzlich würden durch die vorhandenen Biotope voraussichtlich Ausgleichsmaßnahmen notwendig, die erst im weiteren Verlauf abzuschätzen seien.

Die Baukosten erhöhten sich aufgrund der Forderungen der Bahn und des Umweltamts um mindestens 100 000 Euro. „Es würde so teuer werden, dass das Vorhaben für uns uninteressant wird“, sagte der Ortsbaumeister. Er empfahl, den Wirtschaftsweg nicht als Radweg auszubauen.

Auch Uhldingen-Mühlhofens Bürgermeister Edgar Lamm sprach von exorbitanten Kosten. „Es wäre ein idealer Radweg geworden. Auch die Stadt Überlingen hätte mitgemacht“, bedauerte er. Gemeinderat Helmut Halbhuber kritisierte das Landratsamt, das in diesem Fall kein gutes Bild abgebe: „Die Behörden arbeiten wohl nebeneinander.“

Das Radnetz

Im Januar 2016 verabschiedete der Landtag die Umsetzung des Radnetzkonzepts Baden-Württemberg. Ziel ist ein flächendeckendes, durchgängiges Netz alltagstauglicher Fahrradverbindungen zwischen Mittel- und Oberzentren entlang der wichtigsten Siedlungsachsen im Land. Ergänzt wird das Radnetz durch die Radverkehrsnetze der Landkreise sowie der Städte und Gemeinden. Bis zum Jahr 2030 sollen rund 700 Kommunen an ein landesweit einheitliches, 7000 Kilometer langes, alltagstaugliches und gut ausgebautes Radnetz angeschlossen sein. 6000 Kilometer existieren bereits. Im Bauprogramm des Landes steht unter anderem der Bodenseeradweg unterhalb der Birnau auf der Gemarkung der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen.