Wie verhalte ich mich als Lehrer richtig, damit im Falle eines Brandes alles geregelt abläuft? Wie gehe ich mit einem Feuerlöscher um? Um diese und andere Fragen ging es in einer Brandhelferschulung im Feuerwehrgerätehaus mit dem Brandschutzbeauftragten der Gemeinde, Alexander Heinzl aus Wangen. Damit nicht alles graue Theorie blieb, griffen die Lehrkräfte auch zum Feuerlöscher, um einen Brand zu löschen.

Schulleiterin: "Etwaige Ängste abbauen"

Schulleiterin Mirjam Boonekamp freute sich „sehr über diese einmalige, von der Gemeinde unterstütze Möglichkeit, alle Lehrkräfte für den Ernstfall fit zu machen und etwaige Ängste abzubauen“. Sie sagte, das Gesetz sehe zwar vor, dass Beschäftigte über ihren Arbeitgeber entsprechend unterwiesen würden. „Doch in der Praxis gibt es für Lehrkräfte außer für Schulleitungen und die zum Krisenbeauftragten bestimmte Lehrkraft nur wenige Möglichkeiten zur Schulung mit praktischen Übungsmöglichkeiten.“

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Am Anfang kann man sich dem Brandherd noch nähern

Ziel der Schulung war es, den Lehrkräften Sicherheit im Umgang mit den Feuerlöscheinrichtungen zu geben. Außerdem Hilfestellungen, wie sie im Brandfall ein gerade entstandenes Feuer bekämpfen können, ohne sich selbst zu gefährden. „Entstehungsbrände sind Brände mit so geringer Rauch- und Wärmeentwicklung, dass man sich bei freier Sicht auf den Brandherd noch gefahrlos nähern kann", verdeutlichte Heinzl.

Rauch und Gase häufigste Todesursache bei Bränden

Brandschutz dient nach seiner Darstellung besonders der Sicherheit der Menschen sowie dem Schutz von Sachgütern. Brandstatistiken zeigten, dass Rauch und giftige Gase die häufigsten Todesursachen im Brandfall seien. "Rauch und giftige Gase führen bereits lange vor Temperaturanstieg und Flammenentwicklung zum Tod", erklärte der Experte. Folglich sei aus sicherheitstechnischer Sicht eine schnelle und sichere Evakuierung sowie eine Sicherstellung der Rettungsmaßnahmen im Brandfall das Wichtigste.

Mehrfachsteckdosen nicht überlasten

Häufigste Brandursachen sind Heinzl zufolge Fehler in der Elektrizität. "Das sind defekte Geräte, eine Überlastung des Stromnetzes und Brandlast in der Nähe von Wärmequellen", erklärte er. Gerade die in jedem Haushalt verwendeten Mehrfachsteckdosen, die maximal meist 3500 Watt vertrügen, würden häufig überlastet: Schon zwei angeschlossene Wasserkocher, wie man es beispielsweise oft auf Weihnachtsmärkten beobachten könne, seien zu viel des Guten.

Brandschutztüren immer geschlossen halten

Beim Neukauf riet Heinzl von Billigimporten oder No-Name-Produkten ab. Es gelte auf Prüfsiegel wie das CE-Zeichen oder eines anerkannten Instituts wie die GS-geprüfte Sicherheit zu achten. Brandschutztüren müssten stets geschlossen bleiben: Sie sollen die zu schnelle Ausbreitung eines Feuers und die Rauchentwicklung verhindern sowie helfen, Menschenleben zu schützen. Heinzl warnte: „Die ganze Brandschutzkette wird außer Kraft gesetzt, wenn die Tür offen steht.“

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So funktioniert der Feuerlöscher

Die Übung mit einem Schaumfeuerlöscher, wie er in Uhldingen-Mühlhofen in allen Gemeindeeinrichtungen die Pulverfeuerlöscher generell ersetzen soll, rundete die Schulung schließlich ab. Als Erste schritt Schulleiterin Mirjam Bonekamp zur Tat. Sie entfernte die Sicherung, drückte auf den Schlagknopf und richtete den Löschstrahl auf den künstlich erzeugten Brandherd.

Ran an die Flammen, ohne sich selbst zu gefährden

Dabei näherte sie sich so weit wie möglich den Flammen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Schon nach wenigen Sekunden war der Brand gelöscht. Die Lehrkräfte taten es der Chefin gleich und übten sich einer nach dem anderen darin, die Flammen zu ersticken. Zurück blieb ein großer Schaumteppich.

Tipps zum Verhalten im Brandfall

  • Ruhe bewahren: Ruhiges und besonnenes Verhalten sind die Grundlage für den geordneten Ablauf im Brandfall. Im Ernstfall die Ruhe zu bewahren, ist nicht einfach. Deswegen ist es wichtig, sich über den Standort und die Funktion der Feuerlöscher zu informieren
  • Feuerwehr alarmieren: Ein Zimmer kann in weniger als fünf Minuten im Vollbrand stehen. Dabei entwickeln sich Temperaturen von über 1000 Grad. Ob ein Brand mit einem Feuerlöscher sicher gelöscht werden kann, ist unklar. Daher hat die Alarmierung der Feuerwehr oberste Priorität.
  • Gefährdeten Bereich räumen: Zunächst versuchen, Menschen aus dem brennenden Raum zu retten. Man sollte den Raum aber nicht betreten, wenn Rauch aus der Tür tritt, sich die Tür erwärmt hat oder Brandgeräusche hörbar sind, wenn in dem Raum nichts mehr zu sehen ist oder wenn die Temperatur dies nicht mehr zulässt. Erscheint eine Rettung von Menschen noch möglich, möglichst zielstrebig und konsequent vorgehen. Wird ein Mensch von Rauch oder Feuer direkt gefährdet, ist eine schnelle Rettung immer wichtiger als eine schonende.
  • Türen zu brennenden Bereichen schließen: Mit dem Schließen von Türen zum brennenden Bereich lässt sich die Ausbreitung von Rauch und Brand verhindern. Wenn möglich Fenster öffnen, um den Rauch ins Freie zu leiten. Vorhandene Rauchabzugsanlagen betätigen.
  • Menschen in ihren Zimmern zunächst sicher: Menschen müssen nur evakuiert werden, wenn sie durch Rauch oder Feuer direkt gefährdet sind. Bei vielen Bränden zeigt sich, dass Menschen in ihren Zimmern gute Überlebenschancen haben, wenn kein Rauch eindringt. Dringt Rauch von außen ein, muss das Zimmerfenster geschlossen werden.
  • Anwesenheit feststellen: Für die Feuerwehr ist die wichtigste Frage: Wo sind gefährdete Personen? Jegliche Information darüber erhöht die Chance auf Rettung.
  • Rauchwarnmelder: Seit Juli 2013 sind Rauchmelderpflicht in Baden-Württemberg Pflicht. In allen Neubauten und Umbauten müssen Rauchmelder entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen installiert werden. In Aufenthaltsräumen, in denen Menschen schlafen, sowie in den Rettungswegen, die von und zu diesen Aufenthaltsräumen führen, muss je zumindest ein Warnmelder angebracht werden. Wie im Berufsleben gilt auch privat: Rauchwarnmelder retten Leben.

Quelle: Heinzl Brandschutztechnik, Wangen