Saltimbocca mit Fenchelsalat und Ofenkartoffeln, Schokoladenmousse mit Früchten: Das Menü ist ganz nach dem Geschmack von Peter Freitag, heimisch in Salem und 81 Jahre alt. Dazu gibt es Wasser und einen Roséwein, zum Abschluss einen Espresso. Zubereitet hat das Mahl Sabine Eckstein, ausgebildete Sport- und Gymnastiklehrerin aus Uhldingen-Mühlhofen. Freitag saß in seiner Landhausstilküche beratend an ihrer Seite. Zweimal in der Woche steht sie dort am Herd. Nach einer Operation am Herzen – damals war sie 54 – und Gesprächen mit anderen Patienten hat sie sich selbstständig gemacht. Das war im Oktober 2014. Seitdem kocht sie unter dem Motto "natürlich, wir kochen" mit Jungen und Älteren. Sie will den Menschen zeigen, wie sie die Speisen vom Rezept bis zum duftenden Gericht nachkochen können. "Ihre Küche ist einfach und bodenständig. In Zeiten von Convenience-Food (vorgefertigten Lebensmitteln) wird das niemandem mehr vermittelt", sagt Freitag. "Das Wichtigste ist, mit allem zu kochen, was der Garten hergibt", sagt Eckstein. Ihre Botschaft: "Alltagsküche".

"Ich esse gerne mediterran", sagt Eckstein. Gemüse mit viel Olivenöl und lauwarm, kurz gebratenes Fleisch, Fisch und tolle Salate. Inspiration holt sie sich auf ihrer Lieblingsinsel Korsika. Inzwischen hat sie sechs Kunden, die sie regelmäßig versorgt, und Gelegenheitsaufträge. Eine 95-jährige Überlingerin hat sie bis zu deren Tod begleitet. Die Frau war wegen einer Magenerkrankung auf spezielle Kost angewiesen – und hatte sich Gesellschaft gewünscht, weil der Sohn weit weg wohnt. Bei den Älteren übernimmt Eckstein bei Bedarf viele Handgriffe in der Küche. Den Jungen möchte sie hingegen genau diese vermitteln. "Auf allen Kanälen wird gekocht, und wer kocht zuhause?", fragt sie sich regelmäßig. Dabei braucht es Eckstein zufolge nicht mehr als ein scharfes großes Messer, ein scharfes kleines Messer sowie ein oder zwei gute Hobel, um in der eigenen Küche am Holzbrettchen tätig zu werden. "Bei kleinen Stücken kommt der Geschmack besser durch", findet Eckstein. Als Beispiel nennt sie Apfel-Pfannkuchen. Feine Apfelscheiben karamellisierten im Teig besser als grobe. Denjenigen, die sich selbst versorgen möchten, empfiehlt sie, gewissenhaft einzukaufen und vorzubereiten. Nicht zu viele, aber dafür hochwertige Lebensmittel zu besorgen, ist einer ihrer Ratschläge. Kartoffeln können für zwei Tage vorgekocht werden: An dem einen Tag gebe es Pellkartoffeln, an dem anderen Tag Bratkartoffeln. Salatsoße wird für ein, zwei Wochen auf Vorrat produziert. Eckstein ist davon überzeugt, dass die Menschen wieder mehr in die Küche wollen. Sie selbst kauft auf Märkten und in Hofläden ein. "Ich brauche weniger Geld als vorher", sagt sie. Ihre Kunden bezahlen für die Zeit, in der sie kocht, und für die Zutaten. Die Gesellschaft gibt es inklusive.

Die dreifache Mutter hat ihre "Berufung gefunden", schätzt den Kontakt zu Menschen jedes Alters. Die Mahlzeiten werden bei Peter Freitag festlich zelebriert. Das gefällt ihr. Mit gutem Geschirr, schönen Weingläsern und klassischer Musik. Mobiltelefone und Fernseher haben für Freitag nichts in einem Esszimmer zu suchen. "Bei Herrn Freitag wird grundsätzlich nichts anderes gemacht, wenn gegessen wird", sagt Eckstein. Das Essen und die Gespräche stehen im Vordergrund. Eckstein ist voller Tatendrang. "Es kann nicht sein, dass jedes Essen in einer Viertelstunde fertig sein muss", sagt sie. Ein Wunsch von ihr ist, dass sich die Menschen für Essen Zeit nehmen, die Dinge selbst zubereiten und so gesund leben. Tipps hat sie für Kinder, Eltern und Senioren parat, für Verwitwete wie Peter Freitag, aber auch für Singles. "Man sollte sich ab und an etwas Zeit nehmen, um mit Kindern zu kochen", sagt Eckstein. Ernährung sollte ihrer Meinung nach Zuhause und in der Schule ein Thema sein. Peter Freitag ist gute Kost sehr wichtig, sagt er. Die Frauen in seiner Familie hätten immer gut gekocht. Er sei teilweise in Paris aufgewachsen und später international als Schifffahrtskaufmann tätig gewesen. Rein fachlich habe er viel gelernt. "Aber ich habe keine Freude mehr am Kochen", so Freitag. Für sich selbst bereitet er deshalb einfache Gerichte zu. Gelegentlich bleiben auch Reste von einem der Besuche von Sabine Eckstein übrig. "Vieles schmeckt ja besser am nächsten Tag", meint der 81-Jährige.

Grundsoße für alle Salate

Sabine Eckstein verrät das Rezept für eine Vinaigrette, die zu allen Salaten passen soll. Die Zutaten sind ein Teil Essig oder Zitronensaft, zwei Teile Olivenöl, mittelscharfer Senf, Knoblauchzehen mit Schale der Länge nach halbiert, Salz und Pfeffer sowie Zucker, Honig oder Birkenzucker (Xylit). Die halbierten Knoblauchzehen werden in eine Flasche gegeben und mit den restlichen Zutaten vermengt – ordentlich schütteln. In dieser Reihenfolge sollten die Zutaten zugefügt werden: Salz, Pfeffer, Süße, Senf, Essig und Öl. Beim Einfüllen ist ein Trichter hilfreich. Die Flasche im Kühlschrank aufgewahren und vor Gebrauch gut schütteln.

Leidenschaft für gutes Essen wecken

  • Sabine Eckstein sagt, dass Kochen schon immer ihre Leidenschaft gewesen sei. "Als Kind durchstreifte ich mit meiner Großmutter die Wälder. Sie lehrte mich das alte Wissen der Koch- und Heilkunst sowie all der Nahrungsmittel, die wir draußen in der Natur finden", erklärt sie. Die Sport- und Gymnastiklehrerin ist Mutter von drei Söhnen. Einer ihrer Söhne absolviert eine Lehre zum Koch. Viele Jahre hat Eckstein in der Einkaufsabteilung der Daimler AG gearbeitet und nur in ihrer Freizeit gekocht, war in vielen Restaurantküchen zu Gast. Außerdem war sie Forums-Mitglied bei der Sendung ARD Buffet in Baden-Baden. Ihre Passion hat sie zum Beruf gemacht. Versuchslabor für allerlei Rezepte ist ihre Küche in ihrer Wohnung in Unteruhldingen. Weitere Informationen im Internet: www.sabine-eckstein.de
  • Essen als Politikum: Ein Gericht mit frischen Lebensmitteln selbst zubereiten. Dieses Thema beschäftigt auch die Bundes- und Landespolitik. "Mach's mahl – Gutes Essen kann jeder" ist eine Aktion des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Essen zwischen Hektik und Genuss sowie Lebensmittel wertschätzen, regionale Erzeugnisse, Verwenden statt Verschwenden, fairer Handel sind die Schwerpunkte. Experten versuchen, bei Ausstellungen, in Kochkursen und Vorträgen vor allem Jugendliche und berufstätige Erwachsene zu erreichen. Im Bodenseekreis werden im Rahmen der Landesinitiative Kochkurse an der Volkshochschule angeboten – etwa "Küchenbasics – mit wenig Grundrezepten viel Abwechslung auf dem Teller". Anregungen für den Weg des guten Essens gibt es im Internet unter www.machs-mahl.de
  • Bauernhof als Lernort: Kinder, Jugendliche und sonstige Gruppen können auf einem Bauernhof live miterleben, wie die Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln funktioniert. 48 Betriebe aus dem Bodenseekreis und Landkreis Konstanz haben sich in dem Verein Lernort Bauernhof Bodensee zusammengeschlossen. Sie bieten ihren Besuchern Führungen und vieles mehr. Alle wichtigen Informationen im Internet: www.lernort-bauernhof-bodensee.de