Zwei Tage, vier Hexen, knapp 40 Funkenbuben und etwa 100 Anhänger Material: Das sind die Zutaten des Jubiläumsfunken in Unteruhldingen, der am Samstagabend zum zehnten Mal direkt am Bodenseeufer am Fischerhafen brannte. „Den Funken gibt es natürlich schon viel länger“, betont der Funkenbuben-Chef Marco Knoblauch. „Aber seit zehn Jahren sind wir an diesem Ort und in der neuen Konstellation der Funkenbuben zusammen.“

Das könnte Sie auch interessieren
Es braucht viele helfende Hände, um so einen Berg aufzutürmen. Nach getaner Arbeit stießen die Funkenbuben auf ihr Werk an.
Es braucht viele helfende Hände, um so einen Berg aufzutürmen. Nach getaner Arbeit stießen die Funkenbuben auf ihr Werk an. | Bild: Reiner Jäckle

Bereits am Donnerstagabend war der erste Treffpunkt. In der Garage von Marco Knoblauch wurde traditionell die Hexe gebaut, die später auf dem Funken in Flammen aufgehen soll. Außerdem werden Aufgaben koordiniert und verteilt. So richtig los geht es am Freitagmorgen.

Video: Jäckle, Reiner

Freitag, pünktlich um 8 Uhr fahren die ersten Gespanne mit Anhänger durch die Gemeinde und sammeln Paletten, Äste und Tannenbäume. Vor Ort wird der Platz bereitet und kurz darauf mit den ersten Paletten ausgelegt. Dann kommt auch schon die Funkenstange. Nach knapp zwei Stunden ist es nicht mehr zu übersehen, was 28 Stunden später an gleicher Stelle passieren wird.

Das Fundament des Funkens entstand am Freitagmorgen. Gleichzeitig wird der Gang montiert, in dem später durch Stroh das Feuer in die Mitte des Funkens gebracht werden soll.
Das Fundament des Funkens entstand am Freitagmorgen. Gleichzeitig wird der Gang montiert, in dem später durch Stroh das Feuer in die Mitte des Funkens gebracht werden soll. | Bild: Reiner Jäckle

„Wir wussten schon vorher, dass wir dieses Jahr unheimlich viel Material bekommen werden“, erzählt Marco Knoblauch an Tag eins des Aufbaus. „Deshalb ist klar, dass es ein richtig großer Funken wird.“ Und so kommt es dann auch. Anhänger um Anhänger wird der Berg größer. Und alles wird von Hand aufgetürmt. „Es ist für uns eine Grundregel, dass wir ohne Maschinen arbeiten“, betont der Funkenbuben-Chef. Deshalb ist eine gute Kletterkunst wichtig, denn bereits am Ende des ersten Tages türmt sich der Funken gut zehn Stunden Knochenarbeit auf mehr als sechs Meter.

Freitag, 15.52 Uhr: Der Funken wächst und wächst und es kommt immer mehr Material an.
Freitag, 15.52 Uhr: Der Funken wächst und wächst und es kommt immer mehr Material an. | Bild: Reiner Jäckle

Am zweiten Tag geht es so weiter, wie der erste Tag endete: Insgesamt fünf Gespanne sind unterwegs und bringen scheinbar unendlich viel Material zum Funkenplatz. Mittlerweile sind gleich vier Hexen vor Ort. Auch das ein Novum beim Jubiläumfunken: Alle vier werden am Ende die Spitze des Berges zieren. „Wir haben unsere eigene und drei Hexen unserer befreundeter Funkengilden aus Nußdorf, Daisendorf und Beuren“, berichtet Vize Patrick Blumenstein. „Bei unserem Jubiläumsfest im Januar haben wir sie als Geschenk bekommen.“

Samstag, 15.38 Uhr: Die vier Hexen des Jubiläumsfunken liegen bereit zur Montage.
Samstag, 15.38 Uhr: Die vier Hexen des Jubiläumsfunken liegen bereit zur Montage. | Bild: Jäckle, Reiner

Es dauert aber noch, bis die vier Grazien die Höhenluft am Bodensee erleben werden. Am Mittag kommt das Stroh, mit dem der Funken leichter entzündet werden soll, der mittlerweile die Rekordhöhe von 13 Metern erreicht hat. Nun wandern die Hexen eine nach der anderen nach oben. Gefolgt von Bäumen. Alles wird fachmännisch befestigt. Um 17.30 Uhr steht der Funken wie aus dem Bilderbuch direkt am Bodenseeufer vor einer atemberaubenden Kulisse von Pfahlbauten und Klosterkirche Birnau.

Funkenbuben-Chef Marco Knoblauch und sein Vize Patrick Blumenstein.
Funkenbuben-Chef Marco Knoblauch und sein Vize Patrick Blumenstein. | Bild: Reiner Jäckle

Und dann passiert es doch: Pünktlich zu Start des Umzugs von Funkenbuben und Fanfarenzug Unteruhldingen beginnt es zu regnen. Und noch schlimmer: Es windet ziemlich stark. Als der Umzug am Funkenfeuer ankommt, kündigen Böllerschüsse das Entzünden an. Kaum haben die Funkenbuben das Stroh in Brand gesetzt, facht der Wind das Feuer mächtig an. Ein gigantischer Funkenflug setzt ein und der Funken steht nur eine Minute später in Vollbrand. Der Wind sorgt aber auch dafür, dass der hintere Teil des Funkens auf der Seite zum See schneller abbrennt als der vordere. Die Folge ist erst ein Abbrechen eines Teils des Funkens und schließlich das Umkippen der Funkenstange. Auch wenn die Hexe so den Flammen entgehen kann, ist sie dennoch im See ertrunken.

Video: Jäckle, Reiner

Trotz des widrigen Wetters kamen weit mehr als 500 Besucher an den Fischerhafen, um das heiße Spektakel zu verfolgen. Auch deshalb fällt das Fazit von Marco Knoblauch durchweg positiv aus: „Es war eigentlich ein perfekter Jubiläumsfunken. Lediglich das Wetter war ein Wermutstropfen, den man leider nicht beeinflussen kann.“ Ein dickes Lob sprach der Funkenbuben-Chef seinem Team aus, denn „es haben alle extrem gut mitgemacht“. Denn ohne diesen Einsatz sei es nicht möglich gewesen, einen solchen Rekordfunken aufzubauen.