Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen hatte zu einem Joachim-Ringelnatz-Abend unter dem Titel "Nein, im Ernst, als ob das komisch wär ..." eingeladen. Geplant war ein Abend unter freiem Himmel, doch wegen des Regens wurde die Veranstaltung nach drinnen verlegt. Was das angedachte Ambiente, Sonnenuntergang am Bodensee, etwas schmälerte, doch der unterhaltsamen Darbietung des Schauspielers Bernd Wengert und des Musikers Rudolf Hartmann keinen Abbruch tat. Im Stil der 20er/30er Jahre trugen sie humorige, feinsinnige und melancholische Verse von Joachim Ringelnatz vor. Elegant verpackt mit einschlägig bekannten Liedern aus dieser Ära, wie "Ein Freund ein guter Freund" oder auch "Unter der Laterne, wie einst Lilli Marlen."

Bernd Wengert und Rudi Hartmann (von links) betreten die Bühne, um mit ihrer Probe zu beginnen.
Bernd Wengert und Rudi Hartmann (von links) betreten die Bühne, um mit ihrer Probe zu beginnen. | Bild: Petra Hofmann

Mit kleiner Raffinesse begann die Darbietung. Die zwei Akteure betraten mit Truhe und Rucksack die Bühne, um für ihre Vorstellung am nächsten Abend zu proben. Mit erstaunen entdeckten sie das wartende Publikum. Sie forderten die Zuschauer auf zu gehen, doch oh Wunder, kein einziger verließ den Saal. Also begannen sie, ihr Programm vor dem Publikum einzuüben. Dabei wurden die Zuschauer bestens unterhalten und erfuhren Wissenswertes über Ringelnatz.

Schauspieler Bernd Wengert und Musiker Rudi Hartmann (von links) bei der Aufführung.
Schauspieler Bernd Wengert und Musiker Rudi Hartmann (von links) bei der Aufführung. | Bild: Petra Hofmann

In der ersten Hälfte ging es um das Leben des Joachim Ringelnatz im Allgemeinen. Nach der Pause um die Liebe. Der Zuschauer erfuhr, dass Ringelnatz "alle Frauen liebte". Dann folgte Wengerts Zusatz: "Auch die Dünnen". Belegt wurde dies sogleich mit Zeilen aus dem Gedicht "Dickdünnhumoriges", in dem es heißt: "Die dünnen Frauen am Schwarzen Meere, benutzt man dort im Krieg als Speere ... Im Gegensatz zu den sehr dicken, sind dünne Frauen leicht zu verschicken...".

Diesen romantischen Blick auf die Pfahlbauten und den Bodensee konnten die Zuschauer in der Pause beim Theaterabend in Uhldingen-Mühlhofen genießen. Die ideale Einstimmung zum zweiten Teil des Abends.
Diesen romantischen Blick auf die Pfahlbauten und den Bodensee konnten die Zuschauer in der Pause beim Theaterabend in Uhldingen-Mühlhofen genießen. Die ideale Einstimmung zum zweiten Teil des Abends. | Bild: Petra Hofmann

Hartmann setzte effektiv sein Schifferklavier ein, um Pointen zu betonen und Stimmungen ins Absurde, Traurige oder Lustige zu vertiefen. So erklang nach dem Reim vom Bär, Wolf und Karl May, die sich nacheinander auffressen, die berühmte Filmmusik von "Winnetou." Museumsdirektor Gunter Schöbel wünschte dem Publikum in seiner Einführungsrede "einen stimmungsvollen und spannenden Abend." Dieser Wunsch wurde erfüllt. Oder wie Gabriele Busam aus Mühlhofen es kurz und prägnant zusammenfasste: "Es war genial!"