Überall dampfte, zischte und krachte es. Benzin, Diesel und Holz waren zu riechen. Vor allem aber lärmten die unterschiedlichsten Sägen allerorten. Anlässlich der zweitägigen historischen Holzsägetage mit über 60 Ausstellern herrschte ein Gewusel sondergleichen im Hof und auf der Wiese vor dem Auto- und Traktormuseum. Betreiber und Inhaber Gerhard Schumacher schätzte die Anzahl der Besucher auf rund 5000 – die Wiesen rund um das Museum waren jedenfalls zugeparkt wie selten zuvor.

Wiesen am Museum zugeparkt wie selten zuvor

Video: Kleinstück, Holger

Auf einer Ausstellungsfläche von 5000 Quadratmetern konnten die Gäste erleben, wie vor 80 Jahren aus Baumstämmen mühevoll Bretter von Hand oder mit der Gattersäge gesägt wurden, wie die Arbeit der Lohnsäger für Brennholz aussah, die früher mit ihren selbstfahrenden Bandsägen von Haus zu Haus zogen, und wie die ersten Zwei-Mann-Motorsägen aussahen.

Letzte Vollgattersäge aus dem Allgäu dabei

 

Ein Höhepunkt sicherlich war die große transportable Vollgattersäge von Josef Linder aus Bihlerdorf im Allgäu, ein Eigenbau aus Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre. Wie Josef Linder erklärte, waren bis Anfang der 1950er Jahre noch etwa fünf solcher Wandersägen im gesamten Allgäuer Alpenraum im Einsatz. 1966 sei das letzte erhaltene Sägegatter noch einmal auf einer Baustelle in Betrieb gewesen; er habe es selbst bedient. Nach über 30 Jahren Stillstand und Lagerung sei das Gatter nicht mehr in einem vollständigen und einsatzfähigen Zustand gewesen. „So wurde es von mir erneuert und 2001 erstmals wieder aufgestellt und in Betrieb genommen“, erklärte Linder. Er führt seitdem die Gebirgssäge in Museen, an Holz- und Handwerkertagen und Oldtimertreffen vor.

Fahrbare Sägen kamen von Hof zu Hof

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An anderer Stelle waren fahrbare Sägen im Einsatz, die bis in die 1960er Jahre in ländlichen Gegenden von Haus zu Haus oder von Gehöft zu Gehöft fuhren. Wie es hieß, wurde im Winter eingeschlagenes Holz dann zu ofengerechten Stücken gesägt – und zwar etliche Raummeter in der Stunde. Zu sehen und zu hören waren im Weiteren unterschiedliche historische Holzsägen, alle aus der Zeit, als noch landesüblich mit Brennholz geheizt wurde.

Klettersäge aus Mähren erklomm Baumstamm selbstständig

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Für große Augen sorgte auch eine Klettersäge zum Entasten, die im praktischen Einsatz gezeigt wurde. Egon Wegmann aus Markdorf war mit einem Motorlokomobil des Herstellers F. Wichterle aus Proßnitz in Mähren von 1897 im Einsatz, das ebenfalls eine Säge betrieb.

Herbert Türtscher aus dem österreichischen Feldkirch hatte eine horizontale Baumsäge und einen Fowler-Dampftraktor im Maßstab 1:6 mitgebracht.
Herbert Türtscher aus dem österreichischen Feldkirch hatte eine horizontale Baumsäge und einen Fowler-Dampftraktor im Maßstab 1:6 mitgebracht. | Bild: Holger Kleinstück

Darüber hinaus konnten die Besucher im Originalmaßstab nachgebaute Sägen und Motoren bestaunen. Herbert Türtscher aus dem österreichischen Feldkirch hatte beispielsweise eine horizontale Baumsäge im Maßstab 1:6 mitgebracht. Rund ein Jahr habe er gebraucht, die im Jahr 1902 in Betrieb genommene Säge aus Eichenholz nachzubauen. Angetrieben wurde sie von einem Fowler-Dampftraktor, im Original von 1896 und im selben Maßstab wie die Säge von Türtscher nachgebaut. „Das ist wirklich unglaublich, welche Arbeit dahintersteckt“, sagte Besucher Lothar Schlegel aus Mühlhofen.

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"Wird auf jeden Fall wieder etwas geben"

Gerhard Schumacher vom Traktormuseum Uhldingen-Mühlhofen.
Gerhard Schumacher vom Traktormuseum Uhldingen-Mühlhofen. | Bild: Holger Kleinstück

Gerhard Schumacher, Inhaber und Betreiber des Auto- und Traktormuseums, zieht Bilanz über die beiden historischen Holzsägetage:

Warum richtet das Auto- und Traktormuseum die Holzsägetage aus?

Es wird zurzeit immer mehr Thema, dass man mit Holz heizt. Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, einmal zu zeigen, wie Holz früher gesägt und verarbeitet wurde. Obwohl es ja umwelttechnisch an und für sich grenzwertig ist, mit Holz zu heizen, verwenden immer mehr Menschen aus Kostengründen Holz. Wenn das viele interessiert, dann ist es sicherlich auch interessant, wie die Holzverarbeitung früher verlief.

Was sind für Sie die persönlichen Höhepunkte?

Zum einen die Gattersäge, zum anderen die Klettersäge, die am Baum entlang hoch krabbelt, ein Highlight der Ingenieurkunst für die Zeit. Man musste ja alles einstellen können, dass die Säge auf eine bestimmte Höhe fährt und dann wieder herunter. Es galt zu berücksichtigen, dass die Stämme immer schlanker wurden und trotzdem hat es funktioniert. Und es gibt heute noch Menschen, die die Säge bedienen könne. Das ist das Faszinierende.

Ist für nächstes Jahr wieder eine Großveranstaltung beabsichtigt?

Auf jeden Fall wird es wieder etwas geben, wobei die Thematik noch nicht feststeht. Es gibt verschiedenen Optionen, man muss ja prüfen, ob man genügend Aussteller bekommt. Das alles werden wir noch dieses Jahr festlegen.

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