Was verbindet Sybille Brauer und Angelo Kelly? Der ehemalige Kinderstar der Kelly Family und seine Frau nutzten für die Beschäftigung mit ihren Kindern während ihrer Europa-Reise unter anderem das Buch "Bilder suchen – Wörter finden". Sybille Brauer hat es illustriert. Seit 2014 wohnt die 56-Jährige in Unteruhldingen im Waldweg nahe am See.

Die Reihe "Bilder suchen – Wörter finden" hat Sybille Brauer zusammen mit Coppenrath ins Leben gerufen. Es sind Sachbücher, mit denen Kinder ab 18 Monaten im spielerischen Wechsel von Suchen und Finden Begriffe erfassen und lernen können. Das aktuelle Buch dieser Reihe erschien im Dezember und zeigt Tiere auf dem Bauernhof, auf dem Feld, in Wald, Wildnis und Wasser.
Die Reihe "Bilder suchen – Wörter finden" hat Sybille Brauer zusammen mit Coppenrath ins Leben gerufen. Es sind Sachbücher, mit denen Kinder ab 18 Monaten im spielerischen Wechsel von Suchen und Finden Begriffe erfassen und lernen können. Das aktuelle Buch dieser Reihe erschien im Dezember und zeigt Tiere auf dem Bauernhof, auf dem Feld, in Wald, Wildnis und Wasser. | Bild: Christane Keutner

Sie sprudelt über vor Kreativität und schreibt dies unter anderem der Region zu. Nach dem Leben in Halle, München und zuletzt Berlin ist sie hier "angekommen": "Berlin war ein wichtiger Teil meines Lebens, innovativ und inspirierend. Aber jetzt sind meine zwei Söhne erwachsen, ich bin in einer anderen Lebensphase und ich möchte noch sehr viele kreative Ideen umsetzen. Dafür ist diese Gegend wesentlich günstiger", erklärt sie ihren Rückzug im doppelten Sinn in den Süden: "Die Ruhe, Entspanntheit, Kontemplation passen jetzt zu meinem Leben."

Kreativ war sie schon von jeher. Bereits im Alter von vier oder fünf Jahren stand für sie fest, dass sie malen will. Eltern und Lehrer bestätigten sie und förderten ihr Talent. Malen stach ihre weiteren Begabungen wie Singen, Sport, Mathe und Sprachen aus. "Ich habe das immer als entspannend empfunden, als Ort der Geborgenheit. Mit Zeichnen konnte ich in meine Welt versinken, das hat zu mir gepasst."

Auch vom Elternhaus gab es freie Bahn für einen künstlerischen Weg, worüber sie heute noch sehr glücklich ist. Ihr innerer Drang war so groß, dass sie sich von der ersten Absage einer Kunsthochschule nicht einschüchtern ließ: "Ich habe mich immer von meiner Leidenschaft lenken lassen und nicht von dem, was von außen erforderlich ist. Immer dranbleiben, wenn man es wirklich will. Das würde ich auch anderen raten!" Hilfreich war, dass sie eher idealistisch als materiell orientiert ist und eine Ebene suchte, auf der sie sich verwirklichen konnte: "Das ist Voraussetzung für Lebensfreude." Diese spiegelt sich in ihren Kinderbüchern wider und ist wie Pingpong: Die freudigen Themen, die Farbigkeit, das Eintauchen in eine unschuldige, lebensfrohe Welt sind für Sybille Brauer pure Freude.

Vieleitig ist Sybille Brauer – hier mit einem Selbstportrait – in ihrer Kreativität.
Vieleitig ist Sybille Brauer – hier mit einem Selbstportrait – in ihrer Kreativität. | Bild: Christiane Keutner

Dranbleiben, Widerstände überwinden, das hat sich auch bei der Suche der freischaffenden Künstlerin nach Verlagen bewährt. Sie bot ein selbst geschriebenes und illustriertes Buch über den Kreislauf des Wassers beim Patmos-Verlag Düsseldorf ("Der kleine Prinz") nicht auf fruchtbaren Boden. Doch die Saat ging in anderer Weise auf: Sie illustrierte für den Verlag ein Buch zum Thema "Campingspaß" und machte daraus ihre Diplomarbeit.

Nach vier Jahren Arbeit in der Werbung und als Illustratorin für Gartenbücher und Zeitschriften sowie der Kinderpause stellte sie sich dem Coppenrath-Verlag vor. Dieser verlegt unter anderem Prinzessin Lillifee und Felix, den Hasen. Das verspielte Erscheinungsbild sprach sie an, sie nahm bei der Frankfurter Buchmesse Kontakt zum Verlag auf. Inzwischen sind daraus 14 Jahre Zusammenarbeit geworden, in der sie auch eigene Vorschläge verwirklichen konnte, wie die Reihe "Bilder suchen – Wörter finden". Das 2007 aufgelegte Bilderbuch war Bestseller und ist nach wie vor ein Klassiker. Im Dezember 2017 erschien ihr jüngstes Werk in dieser Reihe: "So viele Tiere".

"Meine kleinen Zappelfinger" war ein erfolgreiches Kinderreime-Buch und ist eines der Erstwerke von Sybille Brauer: "Das wurde so erfolgreich verkauft, dass ich mich bestätigt fühlte und mich entschloss, hauptberuflich als Kinderbuch-Illustratorin zu arbeiten." Das Buch wurde 1998 im Pattloch-Verlag aufgelegt und wandte sich an Kinder ab drei Jahren. Es ist nicht mehr erhältlich.
"Meine kleinen Zappelfinger" war ein erfolgreiches Kinderreime-Buch und ist eines der Erstwerke von Sybille Brauer: "Das wurde so erfolgreich verkauft, dass ich mich bestätigt fühlte und mich entschloss, hauptberuflich als Kinderbuch-Illustratorin zu arbeiten." Das Buch wurde 1998 im Pattloch-Verlag aufgelegt und wandte sich an Kinder ab drei Jahren. Es ist nicht mehr erhältlich. | Bild: Christiane Keutner

Zehn Monate hatte sie am ersten Buch gezeichnet, über eineinhalb Jahre am aktuellen Buch mit einer sehr aufwendigen Technik. Und schon ist sie am nächsten Projekt: einer Schiebe-Buch-Reihe, bei der Kinder Klappen, Schieber und Drehscheiben bewegen und so Aktionen von Tieren nachvollziehen können.

Sechs bis acht Stunden verbringt Sybille Brauer stehend am Zeichentisch. Die Anstrengung merkt sie kaum: "Wenn ich male, ist das wie Meditation. Ich versinke in mein Tun, mein Kreis ist geschlossen, ich bin im Frieden und es fehlt mir nichts."

Dabei bedeutet jedes Buch Recherche: Wie fühlen sich das Fell eines Tiers oder Hüttenschuhe an? Welches Braun hat ein Biber, wie sind die Proportionen eines Eichhörnchens, wie bewegt sich eine aufgeregt schnatternde Gans? Welches Papier und welcher Stift sind geeignet? Das und das Einssein mit der Arbeit ergeben das sanft lächelnd säugende Schwein, das wach umherblickende Füchslein oder den am Weizen knabbernden Feldhamster. In jedem Tier steckt ein Stück Seele.

Vielseitigkeit spiegelt sich auch in der Reihe "Alle meine Fingerlein". Die Büchlein zum Mitmachen dienen dazu, Farben und Zahlen zu lernen. Sie erschienen 2005 im Pestalozzi-Verlag. Sybille Brauer hatte die Idee dazu, schrieb die Texte und zeichnete die Bilder. Mit den Fingern können Kinder Füße, Schwänzchen, Zunge, Flosse oder Köpfe überwiegend von Tieren ersetzen.
Vielseitigkeit spiegelt sich auch in der Reihe "Alle meine Fingerlein". Die Büchlein zum Mitmachen dienen dazu, Farben und Zahlen zu lernen. Sie erschienen 2005 im Pestalozzi-Verlag. Sybille Brauer hatte die Idee dazu, schrieb die Texte und zeichnete die Bilder. Mit den Fingern können Kinder Füße, Schwänzchen, Zunge, Flosse oder Köpfe überwiegend von Tieren ersetzen. | Bild: Christiane Keutner

Bei dem künstlerischen Beruf, dem sie mit der notwendigen Disziplin nachgeht, stellt sich die Frage nach dem Verdienst: "Man kann davon leben, aber man wird nicht reich. Aber ich habe weder über Konkurrenz noch über Verdienst nachgedacht. Ich sehe mich mehr als Schöpfer und weniger als Konsumenten." Ganz kann sie sich jedoch nicht den Realitäten verschließen und ist nun bei ihrer Kreativität zielgerichteter und auf Langlebigkeit der Bücher am Markt bedacht, "so wie bei Chanel das kleine Schwarze, das immer Bestand hat."

Zur Person

Sybille Brauer, 56, aufgewachsen in Halle, studierte einige Semester an der Hochschule für industrielle Formgestaltung in Halle, später Kommunikationsdesign an der Fachhochschule München. 1993 zog sie mit Kind und Lebensgefährten nach Berlin und bekam dort ihren zweiten Sohn. Sie arbeitete freischaffend für diverse Verlage. Seit 2004 ist sie hauptsächlich für Coppenrath tätig. Seit März 2014 lebt sie in Unteruhldingen. Zu ihren Hobbys zählen außer dem Malen die Natur und ihr Französischkurs. Sie radelt gern, schwimmt auch im Winter im See und erkundet die Bodensee-Anrainerstaaten.