Wie wurden vor rund 80 Jahren aus Baumstämmen mühevoll Bretter von Hand oder mit der Gattersäge gesägt? Wie sah die anstrengende Arbeit der Lohnsäger aus, die früher mit ihren selbstfahrenden Bandsägen von Haus zu Haus zogen? Das und noch viel mehr vermitteln die historischen Holzsägetage, die am Wochenende 13. und 14. Oktober im Auto- und Traktor-Museum stattfinden. Die historische Schau zur Holzbearbeitung in alten Zeiten mit über 100 motorbetriebenen Geräten soll zum Höhepunkt des Veranstaltungskalenders des Museums werden. Es hatte zu Ostern vor fünf Jahren eröffnet und kann seitdem auf steigende Besucherzahlen verweisen. „Wir haben im Vorjahr zehn Prozent mehr Besucher als 2016 gehabt“, freut sich Betreiber und Inhaber Gerhard Schumacher. Die 100 000er-Marke sei geknackt worden.

Zurückzuführen ist der gestiegene Besucherzustrom laut Schumacher auf die neue Ausrichtung des Museums: Die Anzahl der Traktoren wurde etwas reduziert, die der Automobile stieg aufgrund der hinzugekommenen Oldtimer des ehemaligen Automuseums Busch in Wolfegg. Seitdem nennt sich das Museum Auto- und Traktor-Museum Bodensee. Die Zeitreise durch 100 Jahre Stadt- und Landleben sei aber nicht nur für Oldtimer-Liebhaber ein ganz besonderes Erlebnis, sagt Schumacher. Da Oldtimer und Traktoren in einen gesellschaftlichen Kontext gestellt wurden, könne man beim Rundgang durch das Landleben auch viele alte Handwerksstätten und Tausende von Gegenständen des Landlebens entdecken. Beim Stadtleben erhielten die Besucher Einblicke in das städtische Leben mit Hut-, Pelz- und Tabakladen und zeittypischen Wohnzimmern. Schumacher erklärt: „Wir wollten eben noch ein breiteres Publikum ansprechen. Das ist sehr gut angenommen worden.“

Bei den historischen Holzsägetagen am 13. und 14. Oktober wird auch die fahrbare 1,2 Tonnen schwere Säge von "Pflüge und Steinert" aus dem Jahr 1920 zu sehen sein. Sie war seinerzeit ein ideales Gerät für die Lohnsäger.
Bei den historischen Holzsägetagen am 13. und 14. Oktober wird auch die fahrbare 1,2 Tonnen schwere Säge von "Pflüge und Steinert" aus dem Jahr 1920 zu sehen sein. Sie war seinerzeit ein ideales Gerät für die Lohnsäger. | Bild: Auto- und Traktor-Museum

Das Thema Auto hat noch einen weiteren Vorteil mit sich gebracht. „Wir haben seit dem Vorjahr verschiedene Automobilclubs, die das Museum jetzt als ihr Reiseziel wählen", freut sich Schumacher. Man habe außerdem festgestellt, dass mit dem zunehmenden Besucherstrom im Museum gewisse Knotenpunkte entstanden seien, „wo es einfach zu viel Stau gab“. Daher wurde in der zweiten Jahreshälfte unter anderem ein weiterer Aufzug installiert, damit ein kompletter Rundgang durch das Museum jetzt auch barrierefrei möglich ist.

Die neue Saison ist Schumacher zufolge bereits sehr gut angelaufen, die Tendenz zunehmender Gruppenbesuche gehe eindeutig weiter. „Wir erwarten 600 bis 700 Gruppen mit entsprechenden Führungen“, sagt Schumacher. In den Sommerferien sollen öffentliche Rundgänge getestet werden, an denen jeder ohne Anmeldung teilnehmen kann. Kleine Veranstaltungen wie beispielsweise das Starten von Lanz-Traktoren oder ein besonders Thema zu Autos sind zudem beabsichtigt. Zum historischen Holzsägetag sagt Schumacher, dass die ersten Motorsägen von 1910 im Einsatz gezeigt werden, ebenso viele fahrbare Sägen. Auch eine mobile zerlegbare Gattersäge werde zu sehen sein. Er ist überzeugt: „Das wird eine richtig gute Show werden.“

Seit dem Vorjahr, als zusätzlich Automobile des ehemaligen Automuseums Busch in Wolfegg hinzugekommen sind, ist die Zahl der Besucher gestiegen.
Seit dem Vorjahr, als zusätzlich Automobile des ehemaligen Automuseums Busch in Wolfegg hinzugekommen sind, ist die Zahl der Besucher gestiegen. | Bild: Holger Kleinstück

Eine weitere Großveranstaltung steht schon in drei Wochen an: Am Freitag, 4. Mai macht die siebte Rallye „Bodensee Klassik“ mehrere Stopps am Bodensee. Sie führt in fünf Etappen rund 650 Kilometer durch das Allgäu und Oberschwaben sowie durch Vorarlberg und Tirol. Nach einem Mittagessen im Oberhof bei der Wallfahrtskirche Birnau geht die Etappe zum Museum, wo rund 200 Oldtimer zwischen 14 und 16.15 Uhr eintreffen. Die Fahrer haben im Hof eine kleine Prüfung zu absolvieren. Danach führt die Etappe weiter über Meersburg, Markdorf, Friedrichshafen und Lindau bis nach Bregenz.

Das Museum

Auf dem Gelände eines fast verfallenen Bauernhofs ist in Gebhardsweiler ein Museum aus alten Baumaterialien entstanden, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Seit Ostern 2013 hat es geöffnet und bietet auf 10 000 Quadratmetern eine Erlebniswelt für die ganze Familie. Es zeigt fast 200 Traktoren aus Europa, Kanada, den USA und Australien. Neu hinzugekommen sind im Vorjahr 100 Oldtimer und 50 Motorräder des Automuseums Busch aus Wolfegg. Zu sehen sind die ersten Versuche der Motorisierung in der Landwirtschaft und alle Facetten der Entwicklung in der Vor- und Nachkriegszeit am Beispiel von Traktoren und Autos aus vielen Ländern und Kontinenten. Das Museum bietet eine Zeitreise durch 100 Jahre Stadt- und Landleben: Die Abteilung Landleben führt durch ein Dorf mit typischen Handwerkern wie Schmied, Schuhmacher und Fassmacher; in der Abteilung Stadtleben gibt es unter anderem Tabakladen, Kiosk und zeittypische Wohnzimmer zu sehen. Veranstaltungshöhepunkte in diesem Jahr sind die Rallye „Bodensee Klassik“ mit fast 200 Oldtimern, die am 4. Mai ab 14 Uhr Stopp im Museum macht, und die historischen Holzsägetage, die am 13. und 14. Oktober stattfinden.