Noch immer ist Simone Solga die „Kanzlersouffleuse“. Ebenso wie Angela Merkel stammt sie aus dem Osten Deutschlands, ist ostsozialisiert und so kommt auch ihr Humor rüber: Auf einem schonungslosen Streifzug durch die aktuelle Politik deckt sie scharfzüngig und in rasantem Sprachtempo mehr oder weniger offensichtliche Missstände auf. Dabei hat sie nicht nur die Republik im Visier, auch der kommunale Politzirkus findet Platz im Programm: So hätten die Menschen fest daran geglaubt, dass man hier am Loch von Mühlhofen Banner in Mundart aufhängen dürfe. Doch der Bürgermeister ließ sie flugs wieder entfernen. Warum mussten denn die Dinger so schnell wieder weg? fragt sich Solga und imitiert gleich darauf Günter Schabowskis Stimme: „Nach meiner Kenntnis ist das sofort.“

In rasantem Tempo haut Simone Solga ihre Pointen raus.
In rasantem Tempo haut Simone Solga ihre Pointen raus. | Bild: Manuela Klaas

Es ist der 9. November, als Solga auf Mühlhofens Kleinkunstbühne steht, und so lässt die mit vielfachen Preisen ausgezeichnete Kabarettistin den Mauerfall nicht nur mit diesem Statement einfließen. Die eigene ostdeutsche Vergangenheit nutzt sie gezielt für parteiübergreifende Kritik: Sozialdemokraten (“Vielleicht ist Politik gar nicht das Richtige für die SPD„) bekommen ebenso ihr Fett weg wie Annegret Kramp-Karrenbauer. „Wir Ossis waren damals schon weiter – für uns stand fest: Nie wieder ein Staatsratsvorsitzender aus dem Saarland.“ Aber Solga sagt auch: „Nicht alles in der BRD war schlecht.“ Ihren Redefluss bremst sie nur, wenn sie genüsslich ein Würstchen aus Peter Altmaiers Lunchpaket verzehrt.

Gnadenlose Abrechnung mit dem Polit-Betrieb

Politisches Kabarett ist noch immer eine Männerdomäne, in der Solga sich seit vielen Jahren behauptet. Ihr Blick auf die deutsche Parteienlandschaft ist gnadenlos, mehr als zwei Stunden bohrt sie penetrant in den Wunden des Systems. Politisch korrekt ist sie dabei nicht und laut Programmtitel steht schon vorab fest: „Das gibt Ärger.“ Immer wieder beschimpft sie einzelne Zuschauer mit brachialem Charme, deren kurzzeitige Betroffenheit sich aber stets in herzhaftes Lachen wandelt. Und so lautet das Fazit der Frau mit dem martialischen Mundwerk: „Ich habe den Eindruck, dass wir heute Abend alle Freunde geworden sind.“