Der Lanz-Bulldog und seine Geschichte: Rund um die Ackerschlepper, die von 1921 bis 1957 von der Heinrich Lanz AG in Mannheim hergestellt wurden, ging es im Innenhof des Auto- und Traktormuseums.

Eleonore Wegman, Tamina Speth und Antje Herfurth (von links) demonstrierten, wie schwierig das Wäschewaschen einst war.
Eleonore Wegman, Tamina Speth und Antje Herfurth (von links) demonstrierten, wie schwierig das Wäschewaschen einst war. | Bild: Holger Kleinstück

Außerdem demonstrierten einige Frauen bei den historischen Vorführungen an einem Waschzuber, welch mühselige Angelegenheit früher das Waschen war. „Ziel ist es, unseren Besuchen das Handwerk der damaligen Zeit nahezubringen und die verschiedenen Traktorentypen in Aktion zu zeigen“, sagte Martin Weishaupt, Technischer Leiter des Auto- und Traktormuseums, im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts ohne Waschmaschinen

Ein einstiges Handwerk war das Waschen von Wäsche, zu dem man sich am Tag in geselliger Runde traf, zum Beispiel an Bächen oder Flüssen. Das Problem: Bis Mitte des 19. Jahrhunderts musste das Wäschewaschen irgendwie von Hand erledigt werden – es gab weder moderne Waschmittel noch Maschinen. Auch fehlte es noch an Gerätschaften, um die Wäsche vor dem Aufhängen etwas trockener zu bekommen.

Bleichen mit Chlor und trocknen an der Sonne

Die Frauen demonstrierten das Anzünden des Waschwassers in einem großen Kessel mittels Holz, das Waschen und Auswringen der Wäsche, das Schrubben am Waschbrett und das Aufhängen der Wäsche. Auch zeigten sie, wie mit Chlor gebleicht wurde und wie in der Sonne getrocknet wurde. „Es war extrem viel Arbeit“, sagte Weishaupt.

Rückwärtsfahren auf dem Lanz-Bulldog aus dem Jahr 1921 will gelernt sein, da der Urahn des Ackerschleppers ohne Rückwärtsgang auskam. Für Egon Wegman aus Markdorf aber kein Problem: Die Kurbelwelle musste sich nur nach links drehen.
Rückwärtsfahren auf dem Lanz-Bulldog aus dem Jahr 1921 will gelernt sein, da der Urahn des Ackerschleppers ohne Rückwärtsgang auskam. Für Egon Wegman aus Markdorf aber kein Problem: Die Kurbelwelle musste sich nur nach links drehen. | Bild: Holger Kleinstück

Ein paar Meter weiter hantierte Egon Wegmann aus Markdorf an einem Lanz-Bulldog aus dem Jahr 1921, dem Rohölschlepper HL12. „Es handelt sich um den Urahn der gesamten Bulldogfamilie mit 12 PS. Im September 1921 wurde er auf der Herbstmesse in Leipzig vorgestellt und ging dann in Mannheim in Serie“, erläuterte er.

Motor läuft nach rund 15 Minuten

Interessant sei dessen Motorentechnik mit einem robusten Glühkopfmotor gewesen. Es handele sich um einem selbstzündenden Verbrennungsmotor mit innerer Gemischbildung und niedriger Verdichtung. „Er arbeitet nach dem Zweitaktverfahren mit Kurbelgehäuse-Aufladung“, so Wegmann. Zum Starten habe man die Glühnase, die sich im Zylinderkopf befindet, mit einer Lötlampe zum Glühen bringen müssen, woher die Bezeichnung „Glühkopf“ stamme. „Bis der Motor lief, dauert es so rund 15 Minuten.“ Spätere Varianten hätten sich mit Benzin starten lassen und wurden, nachdem sie warmgelaufen waren, auf Diesel umgestellt. Wegmann: „Daher befand sich im Zylinderkopf zusätzlich zur Einspritzdüse eine Zündkerze.“

Die Glühkopfmotoren habe es schon vorher in stationärer Anwendung meist in stehender Version gegeben, erläuterte Egon Wegmann. „Aber sie hatten einen großen Nachteil. Sie mussten immer unter Last laufen, damit der Glühkopf heiß blieb. Sonst gingen die Schlepper aus.“ Fritz Huber, Konstrukteur bei Lanz, habe dann eine verstellbare Düse entwickelt. Wegmann betonte: „Das war praktisch der Durchbruch, damit der Bulldog auch im Leerlauf weiter laufen konnte." Dieser Strahl habe wie ein Dusche gewirkt und die heiße Fläche abgekühlt. "Das war einstellbar und die Bulldogs wurden brauchbarer", so Wegmann.

Getriebe ganz ohne Rückwärtsgang

Interessantes wusste er auch vom Getriebe zu berichten, das ohne Rückwärtsgang auskam. Wenn die Kurbelwelle rechts drehte, fuhr der Bulldog nach vorne. „Wollte man rückwärts fahren, musste man den Motor fast zum Stillstand bringen und dann im richtigen Moment wieder Gas geben, damit die Kurbelwelle in entgegengesetzter Richtung lief. Das erforderte richtig Übung.“ Daher sei der Drehrichtungsanzeiger auch das einzige Instrument im Inneren des Lanz Bulldogs gewesen. Erst der „Kühlerbulldog“ von 1928 habe einen Rückwärtsgang gehabt.

Noch bis 15. September finden immer samstags zwischen 11 und 15 Uhr historische Vorführungen im Innenhof des Museums statt: Traktoren aus der Bodenseeregion (18. August), Alles was sich dreht (25. August, 8. und 15. September) sowie Dreschen wie früher (1. September). Für die kleinen Besucher gibt es auch Traktorrundfahrten. Der Eintritt zu diesen Vorführungen ist kostenlos. Zusätzlich gibt es bis 9. September immer sonntags um 14 Uhr eine öffentliche Führung im Museum. Treffpunkt ist an der Museumskasse, der Eintritt beträgt EUR 3,50 zuzüglich Eintrittspreis ins Museum.