Alternativen zur Echt-Bodensee-Card (EBC) hat der Verein Gastgeber Uhldingen-Mühlhofen (GUM) im "Hotel Kreuz" in Mühlhofen vorgestellt. Rund 65 Gastgeber aus Uhldingen und Umgebung verfolgten die umfangreiche Präsentation des Vorsitzenden Herbert Maerz zu einer Alternative: Der Bodensee-Card (BC) nach dem Vorbild der Schwarzwälder Konus-Karte, die als VHB-Karte vom Landkreis Konstanz erfolgreich vor neun Jahren übernommen wurde. Diese Karte soll den Individualverkehr reduzieren und einen Anreiz für den öffentlichen Personennahverkehr schaffen und damit auch dem Umweltschutz gerecht werden.

Der Verein plant diese Informationsveranstaltung in allen Seegemeinden. "Schlussendlich wollen wir mit einer Petition an den Kreistag, damit der sich mit der Sache beschäftigt. Wir sind auch bereit, dort das Modell vorzustellen", sagt Herbert Maerz. Nach Langenargen war Uhldingen-Mühlhofen die zweite Station.

Grundsätzlich versperre man sich nicht gegen eine Karte, jedoch gegen eine Karte nach dem EBC-System: Man wolle eine längst überfällige, kreisübergreifende ÖPNV-Gästekarte insbesondere mit Blick auf zukünftige Erweiterungsmöglichkeiten der Nachbarregionen Vorarlberg und Ostschweiz, das heißt rund um den See. Der Landkreis Konstanz sei gegenüber einer kreisübergreifenden Gästekarte sehr aufgeschlossen. Der GUM wartet hier mit weiteren Zahlen auf: Der Schwarzwald decke mit seiner Konus-Karte rund 6000 Quadratkilometer und neun Verkehrsverbünde ab, der Landkreis Konstanz 818 Quadratkilometer, der Bodenseekreis rund 665 Quadratkilometer. "Selbst mit den Landkreisen Konstanz, Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis mit insgesamt 2450 Quadratkilometern ist der Gesamtflächenvergleich zum Schwarzwald rund zweieinhalb Mal kleiner. Da müsste doch ein Zusammenschluss bei nur zwei Verkehrsverbünden möglich sein, warum bisher nicht?" fragte Herbert Maerz.

Beim Vergleich der EBC zur Alternativ-Karte BC schnitt aus Sicht der anwesenden Gastgeber der neue Vorschlag eindeutig besser ab: 48 stimmten dafür, 20 weitere würden noch unterschreiben sowie weitere Unterstützer, so Maerz. Beide Systeme haben Gemeinsamkeiten: So böten sie Urlaubsgästen einen Anreiz, den ÖPNV zu nutzen und das Auto stehen zu lassen. Die technische Möglichkeit zur Einbindung der Schifffahrt sei gegeben, doch gebe es bisher bei beiden Karten keine Integration.

Das funktionierende, anspruchsvolle technische System der Echt-Bodensee-Card ziehe aufwendige Investitionen in Infrastruktur und Betrieb (75 Cent) sowie in Verwaltung (25 Cent) pro Übernachtung mit sich. Eine nutzungsabhängige Einnahmeverteilung, Statistik und Zusatzleistungen kommen hinzu.

Die VHB-Gästekarte sei ein einfaches und bewährtes System ohne Zusatzinvestitionen in Infrastruktur und Betrieb, verursache weniger Kosten (42/43 Cent pro Übernachtung für den Betrieb und 2 Cent pro Übernachtung für Verwaltung), habe eine hohe Akzeptanz, unter anderem, weil Datenschutzfragen absolut irrelevant seien. Auch an diesem Punkt reiben sich die Gegner der EBC. Wie inzwischen vom Verwaltungsgerichtshof Mannheim bestätigt, ist die Weitergabe von Daten an Dritte – in diesem Fall an den inzwischen insolventen technischen Betreiber Geios – nicht gesetzeskonform und die Gastgeber als Erstverarbeiter der Daten würden im Missbrauchsfall in Haftung genommen.

Der Verein GUM denkt weiter: Laut Marktforschung gehe der Trend weniger zu eigenen Kartensystemen, sondern vielmehr zur Smartphone-Einbindung. Das habe auch den Vorteil, dass die Infrastruktur bei Nutzer wie Betrieben wesentlich preiswerter sei. Der Gastgeber-Verein kritisierte auch, dass das Projekt EBC der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT) wegen der geringen Beteiligung der Gemeinden und daher weniger Einnahmen als geplant, weiter bezuschusst werden muss: Mit über 2 Millionen Euro, 70 Prozent getragen vom Landkreis Bodenseekreis, dazu kommt noch ein Darlehen von 1,2 Millionen Euro an die DBT, von denen 700 000 Euro an die insolvente Geios-AG gezahlt worden sein sollen. "Wer kommt für diesen Schaden auf?" fragt Maerz. Der Gastgeber-Verein befürchtet weitere Zahlungen zu Lasten der Steuerzahler. Vom Verein haben sich inzwischen weitere Kreisräte Informationen erbeten.

 

Der Gastgeber-Verein und die Echt-Bodensee-Card

Der Verein Gastgeber Uhldingen-Mühlhofen, der Private Vermieter, Hoteliers sowie die Betreiber von Pensionen und Campingplätzen vereint, gründete sich am 9. September 2016 als Antwort auf die Einführung der Echt-Bodensee-Card (EBC) in dieser Form. Der Verein hat 70 Mitglieder. Mit 120 Unterschriften – 95 Prozent der Bettenkapazität der Gastgeber -, hatte der GUM sich 2016 gegen die Einführung der EBC wegen fehlender Rechtsgrundlage zur Verpflichtung der elektronischen Meldung gewehrt. In einer weiteren Normenkontrollklage wurde vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim unter anderem gegen die Verletzung des Datenschutzes erfolgreich geklagt. An der EBC sind von 24 Seegemeinden lediglich vier beteiligt: Langenargen, Sipplingen, Bodman-Ludwigshafen und Eriskirch. 2018 wollen Wasserburg und Nonnenhorn dazustoßen. (keu)