Vier Jahre nach dem Projektstart stehen die „Aach-Arkaden“ vorerst vor dem Aus. Denn der Bauherr, die Emtec GmbH & Co. Mühlhofen KG, ist pleite. Das Berliner Unternehmen hat bereits Mitte November Insolvenz angemeldet; am 15. Dezember wurde das Verfahren offiziell eröffnet. Seit 2. Januar gibt es diese Firma laut Handelsregister des Amtsgerichts Charlottenburg nicht mehr, sie wurde wegen des Insolvenzverfahrens aufgelöst.

Die im August 2013 als Tochtergesellschaft der Emtec GmbH gegründete Firma hatte nur einen Zweck: Erwerb und Verwertung der Grundstücke Hauptstraße 4a und b sowie Grasbeurer Straße 1 und 1a in Mühlhofen. Für 750 000 Euro hatte Emtec diese Flächen von der Gemeinde gekauft, um hier das ehrgeizige Wohn- und Geschäftshausprojekt des Architekturbüros Hopp4 GmbH aus Überlingen zu verwirklichen. Die „Aach-Arkaden“, ein Komplex mit mehreren Gebäuden, sollten das neue, attraktive Gesicht der Ortsmitte Mühlhofens werden. Eigens dafür wurde ein Bebauungsplan erstellt. Jetzt steht in den Sternen, was aus dem Projekt wird. Die Internetseite der Emtec GmbH ist seit Wochen nicht mehr aufrufbar, Geschäftsführer Jörg Martin Neumann nicht zu erreichen.

Bürgermeister Edgar Lamm hält sich nach wie vor bedeckt. Seit wann er von der Insolvenz der Emtec weiß und was die Gemeinde nun unternimmt, wollte er auf Nachfrage nicht beantworten und verwies stattdessen auf den Neujahrsempfang am kommenden Sonntag. Im Jahresrückblick (wir berichteten am 4. Januar) erklärte Lamm lediglich, dass er als erfahrener Kommunalpolitiker solch ein Geschäftsgebaren wie von Emtec noch nicht erlebt habe und man „notwendige Konsequenzen“ ziehen werde. Die hatte Edgar Lamm bereits Ende September im Gemeinderat angekündigt, falls im Oktober nicht der Baustart erfolge. Offensiv kann die Gemeinde aber nichts mehr unternehmen. Die nächsten Entscheidungen trifft der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Björn Gehde in Berlin. Bis Mitte März können die Gläubiger ihre Ansprüche anmelden.

Die besten Karten dürfte die Sparkasse Bodensee als finanzierende Bank des Projekts haben. Sie hatte sich seinerzeit eine Grundschuld von zwei Millionen Euro auf die Grundstücke gesichert. Damit ist ein Rückkauf für die Gemeinde kaum mehr möglich, sagen Insider. Mehr als ärgerlich dürfte die Insolvenz für jene Käufer sein, die eine der 24 Wohnungen bereits erworben und zumindest zum Teil bezahlt haben. Wie viele die drei Vertriebspartner – Sparkasse Bodensee, Hopp4 und ein Maklerbüro in Überlingen – an den Mann bringen konnten, ist unklar. Zumindest die Sparkasse als auch Hopp4 haben den Verkauf schon vor Monaten eingestellt, bestätigen ein Sprecher der Bank genauso wie Geschäftsführerin Tina Mascha Hopp.

Für die Überlinger Hopp4 GmbH, die die „Aach-Arkaden“ projektiert und entwickelt hat, sind die Geschehnisse der vergangenen Monate sowohl ärgerlich als auch wirtschaftlich negativ. Die insolvente Emtec GmbH & Co. Mühlhofen KG macht die angeblich fehlerhafte Planung der Partner vom Bodensee für ihr Scheitern verantwortlich. So soll es jedenfalls in einem Schreiben stehen, das vor Wochen bei einem mit der Hopp4 GmbH kooperierenden Vertriebspartner auftauchte. Tina Mascha Hopp verwahrt sich gegen die ihr zugetragenen Vorwürfe; das Schreiben selbst bekam sie bis heute nicht zu Gesicht. „Wenn es maßgebliche Planungsfehler geben würde, wären wir sicherlich vorab zur Rechenschaft gezogen worden. Die Baugenehmigung ist auf Basis unserer Planung erteilt worden. Das Ganze macht mich sprachlos“, so Hopp, für die das Projekt nach wie vor eine Herzensangelegenheit sei.

Kein Kontakt zum Bauherrn mehr

Aber was lief dann schief? Erklären kann sich das die Geschäftsführerin der Überlinger Firma nicht. Im April 2017 hätten sie überraschend die Kündigung des Architektenvertrages von Jörg Martin Neumann erhalten – zu einem Zeitpunkt, als die Werkplanung schon sehr weit fortgeschritten war, so Tina Mascha Hopp. „Seit Februar haben angeblich auch die Gewerbemieter nichts mehr von Emtec zum Bauvorhaben gehört“, erklärt sie. Neben dem Filialisten Rossmann woll(t)en ein Bäcker, ein Metzger und eine Apotheke in der neuen Mühlhofener Ortsmitte ihr Domizil beziehen.

Die Regie für die „Aach-Arkaden“ haben demnach bereits im Jahr 2016 externe Projektsteuerer und Berater übernommen, die die Planung und Dimensionierung des Vorhabens grundsätzlich in Frage gestellt hätten, so die Geschäftsführerin. Ihres Wissens nach habe Emtec im vergangenen Jahr sogar noch eine geänderte und größer dimensionierte Planung bei einem anderen Büro in Auftrag gegeben. Damit ging nicht nur Zeit ins Land, sondern das Projekt selbst wurde immer teurer.

Übergabe an Ersatz-Investor?

Außerdem gab es wohl auch Verhandlungen mit dem Käufer der vier Gewerbeeinheiten beziehungsweise Investoren, in das Gesamtprojekt einzusteigen, um die „Aach-Arkaden“ doch noch zu verwirklichen. Dem Vernehmen nach sind diese Übernahmegespräche gescheitert, weil die Emtec-Gesellschafter deutlich überhöhte Preise verlangten.

Jetzt liegt das Verfahren in der Hand des Insolvenzverwalters. Er verfügt über das Vermögen, das zur Insolvenz­masse gehört. Üblicherweise gibt es zwei Wege, wie Grundstücke aus der Insolvenz heraus „verwertet“ werden. Der Verwalter hat die Wahl zwischen der Einleitung eines Zwangsversteigerungsverfahrens oder dem freihändigen Verkauf. „Wir suchen das Gespräch mit dem Insolvenzverwalter“, sagt Wolfgang Aich, Sprecher der Sparkasse Bodensee, die als kreditgebende Bank für das Projekt Hauptgläubiger ist. „Selbstverständlich ist uns daran gelegen, eine gute Lösung für die Käufer und die Gemeinde zu finden.“

Interessant wird das allerdings nur, wenn sich ein Ersatz-Investor für die „Aach-Arkaden“ findet. Genau das wünscht sich Tina Mascha Hopp – trotz der Emtec-Pleite. „Ich hoffe, dass es für alle Beteiligten zu einem guten Ende kommt“, sagt sie.

Chronologie der „Aach-Arkaden“

Erste Überlegungen für die Neugestaltung der Mühlhofener Ortsmitte gibt es schon seit 2011. Die „Aach-Arkaden“ werden seit 2013 verfolgt.

  • Vorgeschichte: Im Februar 2011 kaufte die Gemeinde das Grundstück der mittlerweile verstorbenen Apollonia Spek. Architekt Helmut Hornstein aus Überlingen wurde in der Folge mit Planungen für ein städtebauliches Konzept für eine neue Ortsmitte beauftragt, die jedoch bald ins Stocken kamen. Es fand sich kein Investor. Ein ursprünglich vorgesehenes Pflegeheim scheiterte an dessen speziellen Voraussetzungen.
  • Die Idee: Im Frühjahr 2013 wurden die Berliner Firma Emtec und Hopp4 bei der Gemeinde mit der Idee vorstellig, auf diesen zentralen Grundstücken einen Mix aus Geschäften und Wohnbebauung zu realisieren. Der Gemeinderat stimmte zu.
  • Baurecht fürs Projekt: Im Juli 2013 wurde ein Vorhabenbezogener Bebauungsplan für die Ortsmitte Mühlhofen auf den Weg gebracht. Ein halbes Jahr später stimmte der Gemeinderat dem Bebauungsplanentwurf zu, der im April 2014 mit dem Satzungsbeschluss rechtskräftig wurde. Bereits drei Monate später stimmte der Rat dem Bauantrag zu. In November 2014 erteilte das Landratsamt die Baugenehmigung.
  • Was geplant ist: In den Wohn- und Geschäftshäusern sind 24 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern und 42 bis 152 Quadratmeter Wohnfläche vorgesehen. Im Untergeschoss sind vier Ladengeschäfte projektiert. Ein Drogeriemarkt – im Gespräch ist Rossmann – soll zwei Drittel der Fläche einnehmen, daneben eine Apotheke, ein Bäcker mit Café sowie eine Metzgerei. Im Obergeschoss sind auf 200 Quadratmetern Büros und Praxen geplant. Eine Tiefgarage mit 63 Stellplätzen und weitere 26 Parkplätze an Haupt- und Grasbeurer Straße kommen dazu.
  • Normenkontrollklage: Im April 2015 reichten drei Anwohnerinnen einen Widerspruch gegen den rechtskräftigen Bebauungsplan und Normenkontrollklage beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg ein. Dem Widerspruch gab das Landratsamt nicht statt. Das Regierungspräsidium Tübingen wies ihn im Februar 2016 als unbegründet zurück. Die Klage verlief im Sand.
  • Warten auf den Baubeginn: Beim Neujahrsempfang 2017 erklärte Bürgermeister Lamm den ausstehenden Baubeginn für die „Aach-Arkaden“ noch mit der Altlasten-Entsorgung und der Notwendigkeit, die Gebäude auf Pfählen zu gründen. Doch es ging nichts voran. In der Ratssitzung im September sprach Lamm von einem Ultimatum an die Firma Emtec, mit dem Bau bis Ende Oktober zu beginnen.
  • Insolvenzantrag: Mitte November erklärt das Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit, das Insolvenzverfahren wird am 15. Dezember eröffnet. (kck)

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