Um es vorwegzunehmen: Das Vorhaben des Vereins für Pfahlbau- und Heimatkunde, das Pfahlbaumuseum in den nächsten Jahren deutlich zu vergrößern, wird in Uhldingen-Mühlhofen allgemein befürwortet. Sorge bereitet manch einem die Dimension des zweiten Bauabschnittes, im Verlaufe dessen ein Gebäude mit rund 40 Metern Länge und 12,50 Metern Firsthöhe parallel zur Seefelder Straße errichtet werden soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Gemeinderat hatte im Juli die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, der Behörden und sonstiger Träger am Vorentwurf des Bebauungsplans zum Neubau beziehungsweise der Erweiterung des Pfahlbaumuseums beschlossen. Derzeit läuft das Anhörungsverfahren. Bedenken bei der Gemeindeverwaltung vorgebracht hat bereits Marc Knöbelspies vom direkt auf der gegenüberliegenden Seite der Straße befindlichen Hotels Seevilla.

Unzumutbare Nachteile?

Der Hotelier wendet sich nicht gegen das Vorhaben als solches, da auch er grundsätzlich die Notwendigkeit einer Museumserweiterung sieht. In der geplanten Form würde diese Erweiterung jedoch zu erheblichen und unzumutbaren Nachteilen für den Hotelbetrieb der Seevilla führen, sagt er. „Dies ergibt sich insbesondere aus dem geplanten Umfang des zweiten Bauabschnitts und der vorgesehenen Zufahrt zur Tiefgarage“, heißt es in dem Schreiben. Der zweite Bauabschnitt erscheine sowohl mit Blick auf die nähere Umgebung als auch die Gesamtgemeinde „unverhältnismäßig und überdimensioniert“.

Vom Balkon des Hotel Seevilla aus gesehen: „Durch die Größe und die enorme Höhe des Gebäudes verlieren wir die letzte ...
Vom Balkon des Hotel Seevilla aus gesehen: „Durch die Größe und die enorme Höhe des Gebäudes verlieren wir die letzte Seesicht“, sagt Hotelier Marc Knöbelspies, der hier eingezeichnet hat, wie ihn der Bau beeinträchtigen würde. | Bild: Knöbelspies (Simulation)

„Durch die Größe und die enorme Höhe des Gebäudes verlieren wir die letzte Seesicht“, sagte er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Auch in der geplanten Zufahrt direkt vor den Gästezimmern sieht er eine starke Beeinträchtigung für seine Gäste, bereits jetzt sei dort immer wieder viel Verkehr. Letztlich sei die Museumserweiterung auch eine Richtungsentscheidung, sagte er. „Wollen wir Massentourismus oder Qualitätstourismus in Uhldingen? Unser Hotel steht für Letzteres“, so Knöbelspies. „Unsere Gäste bleiben im Schnitt fünf bis sieben Tage und wollen sich hier erholen. Und sie bezahlen Kurtaxe. Tagesbesucher zahlen keine Kurtaxe und belasten die Infrastruktur des Ortes überproportional.“

Nachhaltiger Tourismus

Auch an Welterbestätten müsse ein nachhaltiger Tourismus verfolgt werden, sagte der Gastronom, wobei er eine Aussage der deutschen Unesco-Kommission zitierte, demzufolge „ausufernder, unkontrollierter Tourismus zu einer Bedrohung für das Kultur- oder Naturerbe werden kann“. Knöbelspies: „Hier kann folglich nicht lediglich dem Wunsch des Pfahlbaumuseums nachgegeben werden, vielmehr müssen die bestehenden Kapazitäten und die weitgehenden Auswirkungen durch einen Massentourismus berücksichtigt werden.“

Der SÜDKURIER wollte von den Gemeinderatsfraktionen wissen, was sie von dem Vorhaben halten, das die Landschaft in direkter Nähe zum Bodensee nachhaltig verändern wird. CDU-Fraktionssprecher Erwin Marquart teilte mit, man habe sich mit dem Vorhaben auseinandergesetzt, mit Knöbelspies und weiteren Anliegern sowie Vorhabenträger gesprochen. Man wolle sich konstruktiv mit den Stellungnahmen auseinandersetzen und abwägen, ob und wie es möglich sei, auf Einwendungen von betroffenen Anliegern einzugehen. „Wir hoffen, dass es gelingt, eine für alle Seiten befriedigende Lösung zu finden, die den Entwurf des Vorhabens beibehält und Belange der Anlieger berücksichtigt.“ Die CDU gehe davon aus, dass es im Beteiligungsprozess Stellungnahmen von Anliegern geben wird, „die sachlich und rechtlich zu beurteilen, und abzuwägen sind, konkrete Inhalte kennen wir jedoch nicht“.

Entwurf sei ausgewogen

Auch die Fraktion der FW/FDP befürwortet eine erforderliche Erweiterung des Museums, wie Gabriele Busam mitteilte. „Bei der Umsetzung der Version des Siegers des Architektenwettbewerbs sind selbstverständlich auch die Belange der Nachbarschaft und des Landschaftsschutzes zu berücksichtigen.“ Deutlicher wurde Wolfram Klaar (SPD), der den im Wettbewerb ausgewählten Entwurf für ausgewogen hält. „Er wird das Ortsbild an dieser Stelle erheblich aufwerten“, sagte er. Allerdings sei die Höhenentwicklung des Gebäudes zu überdenken, wobei Klaar Bezug auf das Stangengerüst nimmt. „Das erinnert in den Dimensionen an ein gotisches Kirchenschiff.“

Das könnte Sie auch interessieren

Er vermutet, dass die innere Ausgestaltung des Gebäudes treibend für die Bauhöhe und mehrgeschossig gedacht sei. „Das muss noch geklärt werden.“ Der Neubau dürfe durchaus die Dimensionen der umgebenden Hotellerie-Bebauung durchbrechen, „andererseits sollten wir ein Ortsbild vermeiden, das an Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Venedig erinnert“. Die geplante Zufahrt zur Tiefgarage hält er für unbedenklich. Von den Jungen Bürgern, dem Bürger- und Umweltforum sowie der Aktiven Wählergemeinschaft gingen bis gestern keine Stellungnahmen ein.

Mehrwert für den Ort

Museumsleiter Gunter Schöbel hatte im Sommer dem SÜDKURIER mitgeteilt, sich im laufenden Verfahren nicht äußern zu wollen. Bei einer Informationsveranstaltung Anfang September sagte er, die beiden Bauten „fügen sich unserer Meinung nach in die Uferlandschaft ein. Sie haben Poesie und sind mitnichten ein Drama“. In Konkurrenz zu 400 anderen Ereigniszielen am Bodensee wolle sich das Pfahlbaumuseum weiter ganzjährig bewähren. „Das neue Museum ist eine Chance und ein Mehrwert für den Ort“, hatte Schöbel betont.