or dem Narrenheim des Narrenvereins Mühlhofen stehen schon etwa 100 Leute und der Musikverein Mühlhofen spielt Musik. Aus der Ferne ist ein knatterndes Motorengeräusch zu hören. Kurze Zeit biegen zwei Narrenpolizisten mit läutender Glocke sowie fünf kleine Funkenhexen als Blumenkinder um die Ecke. Dahinter taucht ein Traktor auf, an dem eine Hochzeitskutsche angehängt ist. Darauf sitzen vorne zwei neue Figuren der Mühlhofer Fasnet: die Narreneltern. Begleitet werden sie in der Kutsche von den Ehren-Narreneltern des Vereins, Herbert Möcking und Manfred Egger. Die Gesellschaft ist auf dem Weg zur Vermählung.

Seit sieben Jahren gab es im Narrenverein Mühlhofen keine Narreneltern mehr. Jetzt ist das Paar mit Christian Rothmund als Narrenmutter und Thomas Schinn als Narrenvater neu besetzt. Letzterer war bis 2016 selbst zehn Jahre Narrenpräsident des Vereins und davor 14 Jahre Zunftmeister bei den Funkenhexen. „Als ich 2016 mein Amt niedergelegt habe, hatte ich zusammen mit Christina Rothmund bereits beschlossen, dass wir Narreneltern werden wollen“, erzählt Schinn. „In meiner Zeit als Präsident habe ich vergeblich versucht, dieses Amt zu besetzen.“ 

Einmal habe es um ein Haar neue Narreneltern gegeben, erinnert sich der neue Narrenvater. Doch kurz vor der Wahl sagte der Narrenvater ab. Schon damals sollte Christian Rothmund die Narrenmutter werden. Jetzt sprang Thomas Schinn in die Presche und übernahm den Part selbst und der Narrenverein Mühlhofen hat seit langem wieder Narreneltern. Im Narrenheim wurden zunächst alle etwa 100 Gäste mit Handschlag begrüßt. Dann begann die närrische Zeremonie mit Wolfgang „Mesmer“ Rieger als Engel, der die Vermählung absegnete, und Achim Baumeister, der gegen die Trauung zunächst noch Einspruch erhob. Beides sind enge Narrenfreunde von Thomas Schinn aus Ettenkirch. Sie boten eine kurzweilige und mit Lachern gespickte Zeremonie.

Im Anschluss gaben sich die Gratulanten das Mikrofon in die Hand. Nicht fehlen durfte natürlich auch Bürgermeister Edgar Lamm. Aber auch unter anderem Ehren-Narrenvater Manfred Egger, Narrenpräsident Sascha Manner vom Narrenverein Mühlhofen sowie Ehren-Präsident des Vereins und Präsident des Verbandes Alb-Bodensee-oberschwäbischer Narrenvereine, Sigi Burgermeister.

Die Narreneltern haben sich in puncto Vorbereitungen auf die Hochzeit ein Mammutprogramm auferlegt. Es sollte etwas ganz Besonderes werden. Im Vorfeld gab es zahlreiche Gespräche mit den Ehren-Narreneltern Herbert Möcking und Manfred Egger. Rothmund und Schinn erarbeiteten sich dadurch einen Plan: Die Kleider wurden in einem Vierteljahr von Gunda Gruber aus Mühlhofen maßgeschneidert. Aber es gab da noch etwas.

Der Narrenverein Mühlhofen hatte vor Jahren mal eine eigene Kutsche – und genau dieser Gedanke spukte in den Köpfen der neuen Narreneltern hin und her. „Wir haben im Internet geschaut, ob es eine gibt“, erinnert sich Rothmund. „Dann sind wir nach einiger Zeit doch tatsächlich in Hessen fündig geworden und haben zugeschlagen.“ Nun fährt das närrische Paar in einer Victoria-Kutsche aus dem Jahre 1890, die bislang für Hochzeiten verwendet wurde. Allerdings wurde sie zur Hochzeit nicht fertig, denn die alten Holzräder mit Stahlmantel sollten mit Gummi überzogen werden, um auf der Straße leiser zu laufen. Doch sie wurden nicht rechtzeitig fertig. Kurzerhand wurde eine Ersatzkutsche gefunden.

Das Gespann allerdings war bereits parat – und es waren mehr als nur zwei Pferdestärken. Gerhard Schumacher vom Auto- und Traktor-Museum in Gebhardsweiler stellte den neuen Narreneltern einen Fahr-Traktor zur Verfügung. Die eigene Kutsche soll am Samstag beim eigenen Dämmerumzug in Mühlhofen zum ersten Mal zum Einsatz kommen.

Jetzt freut sich das frisch vermählte Paar auf seine Aufgaben. „Wir werden uns vor allem um den Narrensamen kümmern“, erklärt Schinn. „Dabei gibt es während der Fasnet natürlich viele Möglichkeiten, wir werden aber außerhalb der närrischen Tage unsere Aufgaben haben.“ So möchten er und Rothmund beispielsweise einen Workshop für Kinder und Jugendliche nach der Fastnacht anbieten, in dem die Tradition und Bedeutung der fünften Jahreszeit nähergebracht werden. Außerdem wollen beide schon vor der Fasnet in Kindergärten und Grundschulen gehen, um dort die Fastnacht zu erklären.

Narreneltern

Im schwäbisch-alemannischen Sprachraum sind die Narreneltern die Repräsentanten eines Narrenvereins. Sie haben bestimmte Aufgaben der Fasnet zu erfüllen und diese nach innen und nach außen verkörpern. Die Beaufsichtigung und Anleitung des sogenannten Narrensamens, also des Nachwuchses, ist dabei eine der Hauptaufgaben. Früher waren die Narreneltern auch so etwas wie Sittenwächter. Heute hat das Paar eine Vorbildfunktion und vermittelt die Narretei allgemein, was närrische Freiheit ist und wie man mit ihr umgeht. (mag)