Herr Appelt, Sie kommen am 16. September nach Unteruhldingen. Kennen Sie den Bodensee?

Klar, ich kenne ihn ganz gut. Ich habe sogar schon reingepinkelt (lacht). Ich kenne ihn ganz gut, weil ich auch schon oft dort gespielt habe, unter anderem in Markdorf, Friedrichshafen und Konstanz.

Haben Sie einen Lieblingsplatz?

Ganz klar im Bodensee. Ich bin ein Wasserfrosch. In die Brühe reinzuhüpfen ist einfach geil.

Ihre Tour geht erst am 23. September in Berlin weiter. Da bietet sich ein Kurzurlaub an. Oder?

Das wäre schön, aber der Herbst ist bei mir immer High Noon, was Spielzeiten angeht. Ich denke, dass wird terminlich tatsächlich etwas schwierig.

Sie nennen sich selbst Konkursverwalter der Männlichkeit. Sieht es um die Männer wirklich so schlimm aus?

Männer haben einen schweren Stand. Sie werden einfach nicht so beachtet, wie sie es gerne wollen. Damit haben sie ihre Probleme. Sie wollen immer toll und stark sein. Ich bin so ein bisschen wie Martin Rütter für die Männlichkeit. Ich denke, wir Männer sollten uns einfach nicht ganz so ernst nehmen.

Wenn Sie sich als Martin Rütter der Männlichkeit sehen: Stehen dann die Frauen mit ihren Männern nicht Schlange?

Das ist tatsächlich so. Die Frauen entscheiden ja sowieso, was gemacht wird. Sie langweilen sich mit ihren Männern und brauchen einen Ersatzspaßmacher – und da kommen wir Comedians ins Spiel. Das ist auch ein Grund, warum ich mein Image ein kleines bisschen geändert habe.

Man kennt Sie als Mann der direkten und klaren Worte, die auch wehtun können. Was erwartet die Besucher in Ihrem aktuellen Programm?

Vor allem ein lustiger Abend. Natürlich geht es sicherlich auch mal unter die Gürtellinie und es kann für den einen oder anderen auch wehtun. Aber mir ist es wichtig, dass es ein unterhaltsamer Abend wird, bei dem alle ihren Spaß haben.

2000 provozierten Sie extrem mit Ihrer „Ingo Appelt Show“. Würden Sie das heute noch einmal so machen?

Auf jeden Fall. Ich könnte gar nicht anders. Ich fand das Ganze gar nicht so provokant. Es hat sich eben damals unter anderem der CSU-Landfrauenverband beschwert und die Show zum Politikum gemacht. Ich fand das Ganze schon lustig.

Durch Ihre teils vulgäre und ordinäre Ausdrucksform auf der Bühne denken viele, Sie sympathisieren mit den Männern. Eigentlich ist das aber genau umgekehrt…

Ich beschäftige mich sehr wohl mit dem Thema Männer. Und ich bin sicherlich kein Feminist. Man sollte sich einfach prinzipiell kritisch mit der eigenen Position auseinandersetzen. Das gilt aber nicht nur für Männer, das gilt für alles auf der Welt.

2012 waren Sie mit Ihrem Programm „Göttinnen“ auf Tour. Haben Sie in Ihrem Leben Göttinnen?

Natürlich, das ist meine Frau. Aber keine Sorge, ich hatte auch schon genügend Teufelinnen und bin froh, dass ich sie mittlerweile gefunden habe.

2012 waren Sie Mitglied der Bundesversammlung und haben Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt. Wie ist es, als Comedian, eine solche Aufgabe zu bekommen?

Das hat mich natürlich stolz gemacht, wobei ich mich damals extra schick gemacht hatte, weil ich ja tief in mir die Hoffnung hatte, selbst gewählt zu werden (lacht). Ich habe allen gesagt, ich stünde auf jeden Fall zur Verfügung. Das ist heute übrigens auch noch so. Es war nett, mit den ganzen Politikern im Reichstag herumzulaufen.

Ihre Programme richten sich auf den Zwist zwischen Männern und Frauen. Man kennt Sie aber auch als politischen Comedian. Was liegt Ihnen mehr?

Beides. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist hochpolitisch. Das sieht man ganz aktuell an Trump und Erdogan und der MeToo-Bewegung.

Sie selbst waren auch politisch in der SPD aktiv und könnten heute durchaus auch im Bundestag sitzen.

Das war sogar mein Plan.

Wie erleichtert sind Sie, dass Sie heute auf der Bühne stehen?

Ich bin sehr erleichtert, denn Politiker zu sein heutzutage ist nicht einfach, da braucht man schon ein dickes Fell. Klar, die Politik ist sicherlich auch nicht gerade gut aufgestellt, aber es will ja auch keiner machen. Viele meckern, viele wissen alles besser, machen selber aber nichts. Wir erwarten Hochleistungspolitiker, unterstützen sie aber nicht.

Könnten Sie sich vorstellen, sich heute nochmal in der Politik zu engagieren?

Nein eher nicht, wobei ich mir schon vorstellen könnte, Bundeskanzler zu sein. (lacht) Ober- Bundesbeauftragter für Humor und gute Laune. Ich bin dankbar, dass ich heute Komiker bin und so weiter politisch sein kann.

Wie viel von Ihrem Programm ist vorgeschrieben?

Ich bin sehr spontan und sehe mich als Stand-up-Comedian. Neulich kam jemand vier Mal hintereinander in mein Programm und war fasziniert, dass es jedes Mal anders war. Es gibt natürlich Bausteine im Programm, aber ich möchte die Leute zum Lachen bringen. Wenn ich mich dann wohlfühle, kann ein Abend schon mal mehr als drei Stunden gehen.

Was sollten die Besucher am 16. September mitbringen?

Auf jeden Fall sollten die Frauen ihre Männer mitbringen, es handelt sich um ein Erziehungsprogramm. Für die gute Laune sorge ich dann.

Fragen: Reiner Jäckle