"Geht es euch mental gut?", fragt Kabarettistin Lisa Fitz ihr Publikum im Welterbesaal zu Beginn ihres neuen Programms "Flüsterwitz". Mentale Fitness ist eine grundlegende Voraussetzung, um dem wortgewaltigen und pointenstarken Auftritt der Bayerin folgen zu können. "Als ich das Programm entwickelt habe, hatte ich eine Waschtrommel im Kopf – "die Volksseele brodelt"- das wird auch schnell dem Publikum klar. Von Muttiland, über die selbstbewusste Ignoranz ihr Geschlechtsgenossinnen, dem "Anneliese-Syndrom", bis hin zum Mainstreampopulismus nimmt Fitz ihr Publikum mit auf eine rasante Reise durch die aktuelle Kultur- und Politiklandschaft.

Scharfzüngigen Statements in bayrischem Akzent

Gemäß des Titels ihres Programms "Flüsterwitz" bewegt sich die Sängerin in ihren Liedern und den scharfzüngigen Statements in bayrischem Akzent auf einem schmalen Grat zwischen den beiden Polen "was darf gesagt werden" und "was nicht". Zu Beginn des Jahres wurde Fitz nach der Veröffentlichen des Liedes "Ich sehe was, was du nicht siehst", das sie auch in Unteruhldingen sang, als Verschwörungstheoretikerin kritisiert. Wie einst die Hofnarren mit Witz die Wahrheit entlarvten, ist auch Fitz die Ambivalenz ihres Programms bewusst. "Ich bin eine demokratisch denkende liberale Feministin, die der Meinung ist, dass auf diesem Narrenschiff etwas falsch läuft." Gerade beim Thema Migration wird es ruhig im Publikum. "Mir ist die Hautfarbe und Rasse egal, aber Kultur, Werte und Einstellungen sind entscheidend." Eine Äußerung, mit der sie, wie sie selbst sagt, dünnes Eis betritt. "Es ist das erste Programm, bei dem ich auf die Reaktionen des Publikums nicht empfindlich reagiere. Hauptsache ist, dass es nachher in der Birne arbeitet."

Wenn die Leute nicht so grauenhaft blöd wären...

Immer wieder betont Lisa Fitz ihr Hauptanliegen: dass die Leute nicht so grauenhaft blöd sein dürfen. Ihr Plädoyer lautet daher: Weg von vorgefertigten Meinung in der Medienlandschaft hin zu eigenständigen Denkprozessen. Frauen sollten sich nicht nur auf Shopping und Rezepte reduzieren lassen, sondern sich um das aktuelle Tagesgeschehen, um Parteienlandschaft und eine eigene Meinung kümmern. Im Muttiland habe selbst die Kanzlerin das Problem, dass sie wie Seegras im Wind schwingt.

Parallelen im Wahlprogramm von CDU/CSU und AfD

Mit Grauen offenbart Fitz Parallelen im Wahlprogramm der CDU/CSU aus dem Jahr 2002 und dem der AfD. "Lisa Fitz nimmt kein Blatt vor den Mund. In ihrem neuen Programm ist sie politischer als je zuvor", sagte Jutta Weber aus Uhldingen-Mühlhofen. Während in Fitz' vorherigen Programmen Rollen die politische Botschaft transportierten, ist es nun Fitz selbst, die mit ihren politischen Überzeugungen polarisiert.