In der Reihe „Geistliche Musik Birnau“ sind beim jüngsten Konzert in der Basilika gewissermaßen zwei musikalische Geschwister aufgetreten: die Birnauer Kantorei und der Kammerchor aus der Bündner Kantonshauptstadt Chur in der Schweiz. Thomas Gropper leitet beide Chöre. In den Mittelpunkt des Konzerts mit biblisch-theologischem Gebetsgesang setzte der Gastchor aus der Schweiz „Ein deutsches Requiem“ in der Londoner Fassung mit Klavier von Johannes Brahms.

Zwei Psalmen von Mendelssohn Bartholdy

Als Introitus sangen elf Frauen der Kantorei die Vertonung der Psalmen 113 (“Laudate, pueri, Dominum“) und 128 (“Beati omnes, qui timent Dominum“) des Romantikers Felix Mendelssohn Bartholdy, dezent von Thomas Hößler am Klavier begleitet. In feiner Abstimmung von Frauen- und Männerstimmen sang der Churer Kammerchor zuerst mit Johannes Brahms „Schaffe in mir, Gott, ein rein‘ Herz“ Texte aus Psalm 51: Die Hoffnung ganz fest auf Gott gesetzt, bis zu dem bekräftigenden Schluss „Tröste mich wieder mit deiner Hilfe, und der freudige Geist erhalte mich“.

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Fünf der sieben Marienlieder von Brahms

Die Birnauer Kantorei stand ihrem Schwesterchor in nichts nach. Ingrid Bauer aus Überlingen, 37 Jahre im Chor Sopransängerin, urteilte: „Ich freue mich über diesen Chor, er wird immer besser. Ich finde es spannend, wenn der Chor etwas Neues singt, was ich noch nicht kenne.“ Mit fünf der sieben Marienlieder von Johannes Brahms grüßte der Chor Maria als Mittlerin und Fürbitterin – eine Vertonung des Lebens dieser Frau.

Gäste aus der Schweiz singen „Ein deutsches Requiem“

Mit der „größten Komposition in einmaligem Entwurf“, wie Gropper es nannte, von Johannes Brahms, „Ein deutsches Requiem“, löste der Churer Chor, am Klavier vierhändig begleitet, entsprechend der Texte aus beiden Testamenten differenzierte Empfindungen bei den Zuhörern aus: Ehrfurcht, Düsternis, Freude, keine Qual in kräftiger Aussage, Lieblichkeit selbst mit zarten Männerstimmern. Eine gewisse Giftigkeit erklang in der Korintherbrief-Textstelle „Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ In luftig-leichter Korrespondenz stand dazu „Herr, Du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft“ aus der Offenbarung des Johannes bis zur Überzeugung „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“.

Churer Chor schickt musikalischen Gruß über den See

Ohne Jüngstes Gericht, ohne strafenden Gott, so Gropper, der den Zuhörern vorweg das Werk von Brahms vorgestellt hatte. Der Churer Chor schickte vor der Basilika noch einen musikalischen Gruß ans Schweizer Ufer.