"Der Garten ist für mich ein verlängerter Wohnraum," sagt Renate Eiberger aus Oberuhldingen. Wenn es um ihre grünen Wohnzimmer geht, wird die pensionierte Chemie- und Physiklehrerin auch mal philosophisch und gibt sich quasi als "Außenarchitektin". Sie liebt die geometrischen Perspektiven, sie schätzt lange Fluchten und kleine Nischen, sie mag Durchgänge und Durchgucke. Dazu muss man wissen, dass Eiberger mitten im Ort und an der Aach gelegen 1600 Quadratmeter Grün ihr eigen nennt. Das hat schon die Großmutter gepflegt, die nicht nur in dem 1882 erbauten hübschen Häuschen mit eineinhalb Geschossen gewohnt hatte, sondern schon die rote Pergola auf der Ecke des großen Grundstücks geplant hatte. Die Farbe hat sich seitdem nicht verändert, während Renate Eiberger sonst gerne ihrer Liebe zum Blau freien Lauf lässt.

Diese Pergola hatte schon die Großmutter in diesen Farben angelegt.
Diese Pergola hatte schon die Großmutter in diesen Farben angelegt. | Bild: Hanspeter Walter

Viel Platz für kleine Nischen

Wer so viel Garten rund ums Haus hat, hat nicht nur viel Arbeit, sondern auch viel Platz für kleine Nischen und gepflegte Beete. Und er kann völlig entspannt hier und dort ein bisschen Wildwuchs dulden. "Es braucht schon eine ordnende Hand", sagt die Oberuhldingerin, die an vielen Stellen der Natur freien Lauf lassen kann. Da gönnt sie der kanadischen Goldrute eine Fläche von 20 Quadratmetern. In der Masse wirkt das gelbe Rispenmeer optisch sehr attraktiv. "Zudem ist eine tolle Bienenweide und hilft den Insekten."

Auf Besuch beim Lavendel.
Auf Besuch beim Lavendel. | Bild: Hanspeter Walter

Ringelnatter besucht den Gartenteich

Der Garten von Renate Eiberger grenzt direkt an die Aach und hat quasi Anschluss ans Wasser. Zumindest hatte er das, bis die Gemeinde sich einst den Gewässerrandstreifen sicherte. Die Oberuhldingerin hält aber auch diesen Teil des Gartens in Schuss, aus dem sich schon mal eine Ringelnatter in den Gartenteich schlängeln und sich einen Frosch schnappen kann. Gegen eine Schlange im Wasser bieten auch die Seerosenblätter nicht ausreichend Schutz.

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Funkien stehen ganz hoch in der Gunst

Die Liebe zum Detail wird hier an vielen Stellen sichtbar. So hat sich mitten auf dem Kiesweg ein kleines, einsames Veilchen angesiedelt. Renate Eiberger unterstützt den Überlebenskampf, indem sie es immer wieder gießt. Deutlich üppiger sind die Staudenbeete, in denen viele Besonderheiten sprießen. Das Schönblatt hat es Eiberger besonders angetan. Den Rang ablaufen können ihm jedoch die Funkien, die die Gartenexpertin ganz besonders liebt. "Die Form und die Struktur der Blätter gefallen mir sehr", betont Renate Eiberger, "und es gibt sie in verschiedenen Farbschattierungen.

Blätter und Blüten beeindrucken bei Eiberges Liebelingspflanzen, den Funkien.
Blätter und Blüten beeindrucken bei Eiberges Liebelingspflanzen, den Funkien. | Bild: Hanspeter Walter

Seit Generationen in Familienbesitz

Zufall und gezielte Ordnung halten hier eine ausgewogene Balance und machen den besonderen Reiz des riesigen Gartens aus. In einigen Hochbeeten wachsen Gemüse und Kräuter. Nüsse und Birnen kann Eiberger auf ihrem Gelände auch ernten. Selbst aus den kleinen Früchten der Felsenbirne, die sich in der Regel auf ihre Zierfunktion beschränkt, kocht sie eine leckere Marmelade. Der Garten von Renate Eiberger hat schon mehrere Generationen gesehen. "Diese Rose hier hat meine Großmutter gepflanzt und sie blüht an dieser Stelle schon seit hundert Jahren, und sie hat bis heute einen intensiven Duft. Riechen Sie mal!" Die Begeisterung für das Grün bricht sich bei Renate Eiberger immer wieder Bahn. "Wenn ich mal nicht mehr in den Garten kann, dann bin ich alt", sagt sie.

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Viel Platz für die kanadische Goldrute: Sie stellt eine exzellente Bienenweide dar.
Viel Platz für die kanadische Goldrute: Sie stellt eine exzellente Bienenweide dar. | Bild: Hanspeter Walter

Gartensteckbrief

  1. Frau Eiberger, was sind Ihre Lieblingspflanzen? Die Funkien sind meine absoluten Lieblinge. Die dekorative Blattform gibt es nämlich in vielen Farbschattierungen, mit weißem oder blauem Rand. Man kann sie in großen Töpfen gut halten, aber auch in ein schattiges Staudenbeet pflanzen.
  2. Was gefällt Ihnen nicht an der Gartenarbeit? Unkraut jäten natürlich. Obwohl man das ja gar nicht mehr so bezeichnen darf. Doch bei mir haben auch "Wildkräuter" oder wild wachsende Pflanzen eine Chance. Einmal komme ich wegen der Größe des Gartens nie ganz hinterher, zum anderen lasse ich selbst die Goldrute in manchen Ecken gerne stehen, da sie eine tolle Bienenweide darstellt und damit sehr nützlich ist.
  3. Was ist günstig, was eher teuer in Ihrem Garten? Teuer sind tatsächlich die schönen Funkien und andere größere Topfpflanzen. Günstig sind die einjährigen Stauden oder der Frauenmantel und der Storchschnabel als Bodendecker.