Ausgedehnte Schilf- und Riedflächen, eine Flachwasserzone und viele Hochstauden, dazu Lebensraum für zahlreiche seltene und zum Teil vom Aussterben bedrohte Fische, Insekten, Wasservögel, Reptilien und Amphibien: Das macht das knapp 55 Hektar große Naturschutzgebiet "Seefelder Aachmündung" aus, das eine Interessengruppe unter Organisation der Uhldinger Freien Wähler jetzt besuchte. Thomas Bamann vom Referat Natur- und Landschaftspflege beim Regierungspräsidium Tübingen und Brigitte Brozio-Keller von der Unteren Naturschutzbehörde des Bodenseekreises sowie Professor Gunter Schöbel, Leiter des Pfahlbaumuseums Unteruhldingen, stellten Besonderheiten und Entwicklungen im Naturschutzreservat vor, das heute noch ein Stück ursprüngliche Uferlandschaft am Bodensee vermittelt.

Die Exkursionsteilnehmer erfuhren, dass Mitglieder des Heimat- und Pfahlbauvereins im Jahre 1927 initiierten, dass das Gebiet unter Schutz gestellt wurde, was schließlich zwei Jahre später erfolgte. War bis Ende des 19. Jahrhunderts noch eine Alte Ziegelei vorhanden, da seinerzeit Lehm abgebaut wurde, so wurde das Gebiet bis zum Zweiten Weltkrieg als Streuobstwiese genutzt.

Ursprünglich umfasste das Naturschutzreservat 24 Hektar; nach der neuen Verordnung von 1987 wurde es auf 55 Hektar inklusive der 26 Hektar umfassenden Flachwasserzone des Bodensees vergrößert. 1936 erfolgte eine Flussbegradigung des Hauptstroms, zahlreiche Altarme versiegten. Die Flurstücksgrenzen wurden einst mit Silberweiden und Hybridpappeln markiert; nach Aufgabe der Streunutzung entwickelte sich eine Weichholzaue, also ein direkt an ein Flussufer grenzender, überwiegend aus Weichhölzern gebildeter Auwald, der häufig überschwemmt wird.

Das Naturschutzgebiet Seefelder Aachmündung.
Das Naturschutzgebiet Seefelder Aachmündung. | Bild: Holger Kleinstück

1970 war im Gemeinderat angedacht, einen Yachthafen auf der Gemarkung zu bauen. „Gottseidank ist das nicht erfolgt. Wir sind heute froh, dass das Naturschutzgebiet noch existiert“, sagte Schöbel. Aufgrund der zwischenzeitlichen Eurtrophierung des Bodensees ging der Schilfbestand um 30 Prozent zurück. Ab den 1980er Jahren etablierte sich die Naturschutzpflege in Form von Mahd und Entbuschungen, mittels eines 1983 beschlossenen Pflegeplanes wurden ehemalige Nutzungsstrukturen wieder hergestellt, der Seehag – die Uferkante des Bodensees – geschützt und standortfremde Pflanzen entfernt.

Heute dient das Naturschutzgebiet über 50 Vogelarten zur Brut, darunter schützenswerte Vögel wie Haubentaucher oder Tafelente, aber auch für Baumfalke, Schwarzmilan, Kuckuck und Pirol. Es hat eine große Bedeutung für überwinternde Wasservögel und beherbergt zahlreiche Laubfrösche. Schützenswert ist auch die Flora mit seinen Pfeifengraswiesen und Hochstaudenriedern, so wachsen hier Sumpf-Schwertlilie, Gewöhnlicher Schneeball, Silber-Weide und Schwarz-Pappel. „Und seit rund zehn Jahren ist der Biber hier wieder heimisch“, erläuterte Brigitte Brozio-Keller.

 

Das Naturschutzgebiet

Das 54,7 Hektar große Naturschutzgebiet, westlich der Gemarkung Oberuhldingen und nördlich von Unteruhldingen gelegen, gehört naturräumlich zum Bodenseebecken und liegt auf einer Höhe von 398 Meter über dem Meeresspiegel. Es umfasst den Mündungsbereich der Linzer Aach in den Bodensee, die hier Seefelder Aach genannt wird. Ausgewiesen bereits erstmals 1929 als Naturschutzgebiet, ist der wesentliche Schutzzweck die Erhaltung des einzigartigen Mündungsbereichs der Aach. Es handelt sich um die ausgedehnteste Flachwasserzone des Überlinger Sees, die Brut-, Rast- und Nahrungsbiotop für viele bedrohte Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und Insekten darstellt.