In der Region wird immer noch ein Bison vermisst. Am Freitag vor einer Woche büxten die zwei Tiere von einem Hof in Uhldingen-Mühlhofen aus. Eines wurde am Tag darauf bei Gebhardsweiler von einem Jagdberechtigten erlegt. Weshalb der Bison erschossen wurde, nachdem ein Polizeisprecher einer Nachrichtenagentur noch erklärt hatte, die Tiere würden nicht als gefährlich eingeschätzt? Das fragen sich viele Menschen, die seitdem in den sozialen Medien Berichte über die Tiere entsprechend kommentiert haben.

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Auf SÜDKURIER-Nachfrage erläutert ein weiterer Polizeisprecher den Ablauf der Geschehnisse etwas detaillierter: Einer der Bisons wurde am vergangenen Freitag gegen Abend bei Meersburg gesichtet. In Rücksprache mit einem Tierarzt sei beschlossen worden, den Bison zu betäuben. „Das Tier wurde mit der Betäubung angeschossen, flüchtete aber ins Unterholz“, sagt der Polizeisprecher. Da die Betäubung nicht sehr lange anhalte, habe man nicht nach dem Bison gesucht.

Polizei warnt vor Unfallgefahr

Am Samstag gab es dann wieder eine Sichtung. Diesmal bei Gebhardsweiler, wo jedoch alle Versuche, den Bison einzufangen oder mittels Narkosegewehr zu betäuben, fehlschlugen. So entschloss man sich dazu. das Tier zu töten. „Weil man es nicht aus dem Gebüsch herausbekommen hätte“, begründet der Polizeisprecher und verweist auch auf die Bundesstraße 31 in direkter Nähe und die Unfallgefahr. Ob es sich bei dem Bison, der am Freitag gesichtet wurde, und dem Bison, der am Samstag erlegt wurde, um dasselbe Tier handelt, ist unklar. Die Polizei ging am zurückliegenden Samstag davon aus, dass sich die Tiere in einem Wald aufhielten. Dies wird auch für den noch flüchtigen Bison gelten. Der Polizeisprecher bittet darum, „die Polizei anrufen, wenn Sie ihn sehen“.

Wie man sich bei einer Begegnung verhalten sollte? Dazu wollen weder die Polizei noch ein Bisonzüchter Auskunft geben. Letzterer verweist stattdessen auf das Veterinäramt des Bodenseekreises. Robert Schwarz, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, teilt jedoch mit: „Das ist kein Fall für das Veterinäramt, weil hier nicht Fragen des Tierschutzes im Vordergrund stehen, sondern der Sicherheit.“ Dennoch hat das Landratsamt eine Einschätzung parat: „Bisons sind vom Prinzip her genauso gefährlich wie Rinder auf der Weide oder Alm. Da es ein Wildrind ist, könnte es tendenziell noch etwas schreckhafter bei Begegnungen mit Menschen und Hunden sein. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn das Tier auf die Straße läuft.“

Menschen sollen Abstand halten

Die Empfehlung lautet daher: „Abstand halten, Hund an die Leine, das Tier nicht provozieren oder erschrecken“, schreibt Robert Schwarz und weist auf einen Flyer mit dem Titel „Eine Alm ist kein Streichelzoo“ hin. Dieser wurde von der Landwirtschaftskammer Tirol herausgegeben und beinhaltet unter anderem den Hinweis, von Weidetieren mindestens 20 Meter Abstand zu halten. Hunde sind an der Leine zu halten, ist allerdings ein Angriff abzusehen, das Tier unbedingt ableinen. Auf dem Informationsblatt heißt es: „Im Gegensatz zum Menschen sind Hunde schnell genug, um Angriffen auszuweichen. Dadurch wird auch vom Hundehalter abgelenkt, sodass dieser den Gefahrenbereich verlassen kann.“

Konflikt mit der Zivilisation?

Ob das noch vermisste Tier in der Region im Freien überleben kann? Robert Schwarz erklärt: „Grundsätzlich ja, denn es ernährt sich von Gras. Vermutlich wird es aber früher oder später in Konflikt mit der Zivilisation kommen, also Straßen, Schienen, Hunde et cetera. Das würde auf Dauer vermutlich nicht gut gehen, weshalb hier die Ordnungsbehörden auf dem Plan sind.“ Der Besitzer der beiden Bisons hat sich auf SÜDKURIER-Anfrage noch nicht zu dem Vorfall geäußert.

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