Staatssekretärin Katrin Schütz besuchte im Rahmen ihrer viertägigen Denkmalreise durch die vier Regierungsbezirke des Landes auch die Pfahlbauten in Unteruhldingen. Treffpunkt war dabei nicht das Museum, sondern die Originalfundstelle "Stollenwiese" an der Ostmole. "2011 wurde die Fundstelle zum Teil des Weltkulturerbes 'Prähistorische Pfahlbauten rund um die Alpen' ernannt", sagte Bürgermeister Edgar Lamm zur Begrüßung.

Erhalt des Kulturerbes

Taucharchäologe Joachim Köninger aus Freiburg gab einen Überblick über den Istzustand der prähistorischen Fundstelle, über die drohenden Gefahren und über zukünftige Rettungsmaßnahmen zur Erhaltung des Kulturerbes. Seit mehr als 30 Jahren kommt Köninger zur Forschung nach Unteruhldingen, seit 2004 taucht er mehrmals jährlich im Bereich Stollenwiese und beobachtet die Veränderungen im Fundgebiet.

Aufmerksam folgten die Besucher den Ausführungen des Taucharchäologen Joachim Köninger anhand von Schaubildern.
Aufmerksam folgten die Besucher den Ausführungen des Taucharchäologen Joachim Köninger anhand von Schaubildern. | Bild: Lorna Komm

Veränderungen am Seegrund im Laufe der Jahrzehnte

Die Situation auf dem Seegrund ändere sich im Laufe der Jahrzehnte, Teile die früher sichtbar gewesen seien, wären nun überlagert, andere vormals von Sand Überdeckte nun frei gespült. Problematisch sei dabei: Durch Erosion und Abspülungen faulen die freigelegten Holzpfähle und verschwinden.

Er erklärte die stetigen Veränderungen mit der exponierten Situation an der Fundstelle. "Bei einzelnen Sturmereignissen bauen sich die Wellen auf, der Wellendruck wühlt den Boden um und an einzelnen Schichten reißt der Boden auf." Eine weitere Gefahr bergen die sich stark vermehrenden Kamberkrebse, eine nordamerikanische Krebsart, die sich in den vergangenen Jahren immer stärker im Bodensee ausbreitet. "Die Flusskrebse bohren sich nicht senkrecht in den Boden, sondern schräg", erläuterte Köninger. Dies destabilisiert den Boden und die Sedimentschicht bricht ein.

Dendrochronologe Oliver Nelle gibt an Bord des Schulschiffs weitergehende Erklärungen.
Dendrochronologe Oliver Nelle gibt an Bord des Schulschiffs weitergehende Erklärungen. | Bild: Lorna Komm

Immer öfter drohendes Risiko

Auch die starke Ausbreitung der Dreikantmuschel bereite Sorgen. Eine zusätzliche Gefahr für die historischen Holzpfähle bergen Frostschäden bei Niedrigwasser. Ein immer öfter drohendes Risiko, da seit einigen Jahren die Wasserstände sinken."Die Pfähle frieren fest, können nicht geborgen werden und beim Auftauen platzen sie", beschrieb der Wissenschaftler den Vorgang. Für eine Bergung bliebe ein Zeitfenster von knapp einem Tag. Auf Nachfrage aus dem Publikum, ob der Klimawandel verantwortlich sei, antwortete der Archäologe, dass das Wetter sich geändert habe, der Nebel sei weniger geworden und "wir haben im Winter harte Weststürme, die wir früher so nicht hatten."

Mit dem kleinen Beiboot geht die Fahrt direkt über die Fundstelle der prähistorischen Pfahlbauten.
Mit dem kleinen Beiboot geht die Fahrt direkt über die Fundstelle der prähistorischen Pfahlbauten. | Bild: Lorna Komm

Um die historische Fundstelle zu erhalten und im Sinne der Verpflichtung für das Welterbe zu schützen, helfen Kiesabdeckungen. Zum Einsatz kommen dabei Spezialschiffe, die gezielt über den gefährdeten Stellen, tonnenweise Kies ablassen. Dieses Verfahren sei mittelfristig wirksam, "wir haben Stellen, wo es schon seit 20 Jahren hält", berichtet Köninger. Im Anschluss an den Vortrag hatten die Teilnehmer – darunter Uhldinger Bürger, Vertreter zahlreicher Verbände und Landtagsabgeordnete, sowie Bernhard Prinz von Baden- die Möglichkeit, mit Booten an die Fundstelle zu fahren. Von dem kleinen Beiboot aus waren die Pfähle im Wasser deutlich zu erkennen.

Bürgermeister Edgar Lamm, Staatssekretärin Katrin Schütz, Claus Wolf vom Landesamt für Dekmalpflege und Taucharchäologe Joachim Köninger (von links).
Bürgermeister Edgar Lamm, Staatssekretärin Katrin Schütz, Claus Wolf vom Landesamt für Dekmalpflege und Taucharchäologe Joachim Köninger (von links). | Bild: Lorna Komm

An Bord des Schulschiffs der Zeppelin-Gewerbeschule Konstanz antwortete Oliver Nelle, Dendrochronologe des Landesdenkmalamts, auf Nachfrage, dass eine Bedrohung des Fundorts bei Niedrigwasser durch Spaziergänger zwar denkbar wäre, aber aufgrund der Lage gering sei. Problematisch hingegen sei, dass sich die "Erosion in den letzten Jahrzehnten rapide beschleunigt hat". Weiterhin machte der Weissenschaftlicher auf "das riesige wissenschaftliche Potenzial" aufmerksam, welches in diesem Gebiet noch stecke, "da noch nicht alles erforscht ist".