Wie funktionierte das Handwerk vom Schmid, Korbmacher oder Wagner? Wie wurde einst Butter und Apfelsaft hergestellt? Wie verlief der Weg des Korns bis zum fertigen Brot? Das sind Inhalte von historischen Vorführungen, die die Gäste des Auto- und Traktormuseums Bodensee in diesen Sommerferien ebenso erwartet, wie der „Hauswirtschaftstag“, bei dem gebacken, gesponnen, genäht und auch gewaschen wird. Jeweils samstags von 10 bis 14 Uhr ist für zusätzliche Abwechslung im und vor dem Museum gesorgt, das auch in diesem Jahr wieder über einige Neuheiten verfügt.

Silvia Georgi, Assistentin der Geschäftsleitung präsentiert einen „Brezel-Käfer“ aus dem Jahr 1952 – ein Scheunenfund aus der Region Salem. Dieser wurde mit dem Stapler vom Scheunendachboden heruntergeholt und weist noch Originallack auf.
Silvia Georgi, Assistentin der Geschäftsleitung präsentiert einen „Brezel-Käfer“ aus dem Jahr 1952 – ein Scheunenfund aus der Region Salem. Dieser wurde mit dem Stapler vom Scheunendachboden heruntergeholt und weist noch Originallack auf. | Bild: Holger Kleinstück

Schon im Vorjahr waren die historischen Vorführungen sehr gut angenommen worden. „Die Besucher waren begeistert und erstaunt, was wir alles hier auf die Beine stellen“, sagt Silvia Georgi, Assistentin der Museumsleitung. Höhepunkt waren zweifellos die zweitägigen Holzsägetage im Oktober, bei denen über 5000 Besucher registriert wurden. „Ein großartiges Event. Besucher und Aussteller waren alle begeistert.“ Solch eine ähnliche Veranstaltung soll es spätestens im kommenden Jahr wieder geben, aber mit einem anderen Thema, um auch weitere Personengruppen ansprechen zu können. „Es soll einfach abwechslungsreich bleiben“, meint Georgi.

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Im Winter sind wieder einige Veränderungen im Museum vorgenommen worden, „damit auch regelmäßige Besucher wieder Neues entdecken können“, wie es Georgi ausdrückt. Ganz stolz ist man über einen „Brezel-Käfer“ aus dem Jahr 1952 – ein Scheunenfund aus Frickingen. Dieser wurde mit dem Stapler vom Scheunendachboden heruntergeholt. Der Käfer wurde nie neu lackiert oder geschweißt. Alle Teile sind noch original, aber altersmäßig patiniert. „Nur abgestaubt haben wir ihn, sonst ist er noch genau so, wie er vorgefunden wurde. Uns hat definitiv noch ein Käfer gefehlt, und jetzt haben wir einen ganz Besondern“, sagt sie über den Brezelkäfig, dessen Spitzname auf das zweigeteilte kleine Heckfenster mit Mittelsteg zurückgeht, das entfernt an eine Brezel erinnert.

Oldtimer-Liebhaber dürfen sich auf einen BMW 327 freuen, ein Tourensportwagen, den die Bayerischen Motoren Werke von 1937 bis 1941 in ihrer Zweigniederlassung Eisenach bauten.
Oldtimer-Liebhaber dürfen sich auf einen BMW 327 freuen, ein Tourensportwagen, den die Bayerischen Motoren Werke von 1937 bis 1941 in ihrer Zweigniederlassung Eisenach bauten. | Bild: Holger Kleinstück

Oldtimer-Liebhaber dürfen sich außerdem auch auf einen BMW 327 freuen, ein Tourensportwagen, den die Bayerischen Motoren Werke von 1937 bis 1941 in ihrer Zweigniederlassung Eisenach bauten. Auch sind einige Traktoren hinzugekommen, außerdem verschiedene Utensilien des ehemaligen Eisen- und Hausratladens König aus Meersburg.

Neu im Museum: verschiedene Geräte des ehemaligen Eisen- und Hausratladens König aus Meersburg.
Neu im Museum: verschiedene Geräte des ehemaligen Eisen- und Hausratladens König aus Meersburg. | Bild: Holger Kleinstück

Wer Interesse hat, sich viele der Exponate genauer erklären zu lassen, hat dazu jeden ersten Sonntag im Monat bei 90-minütigen öffentliche Führungen, in den Sommerferien sogar jeden Sonntag, jeweils um 14 Uhr, die Gelegenheit. „Lassen Sie sich durch das spannende Museum führen und erfahren Sie mehr zur Geschichte der Motorisierung sowie interessante und lustige Anekdoten“, heißt es in der Ankündigung des Hauses.

Der Bergmann Traktor ist ein Scheunenfund aus 1988. Vermutlich ist er der älteste erhaltenen Traktor aus deutscher Produktion.
Der Bergmann Traktor ist ein Scheunenfund aus 1988. Vermutlich ist er der älteste erhaltenen Traktor aus deutscher Produktion. | Bild: Holger Kleinstück

Und in der Tat: Bei dem, was bei der ersten diesjährigen Führung Tamina Speth erzählte, blieb keine Zeit zum Däumchen drehen. Wer weiß schon, dass es das erste Kaffeehaus in Deutschland 1697 in Bremen gab, freilich nur für Reiche und Gelehrte? Dass einst nur vier Mal im Jahr Wäsche gewaschen wurde, die erste Motorsäge 63 Kilogramm wog und der Reißverschluss der Hose früher Hosen-Schlitzverschluss hieß? Und, dass das Wort „Sabotage“ eigentlich von Holzschuhen stammt? Denn französische Arbeiter warfen während der industriellen Revolution ihre Holzschuhe in die Mäh- und Dreschmaschinen, um gegen die fortschreitende Mechanisierung ihrer Arbeit zu protestieren. Und diese Schuhe heißen französisch „sabot“.

Der 9,5 Tonnen schwere Traktor Hart-Parr 30/60 aus dem Jahre 1916, genannt „Old Reliable““, beeindruckt.
Der 9,5 Tonnen schwere Traktor Hart-Parr 30/60 aus dem Jahre 1916, genannt „Old Reliable““, beeindruckt. | Bild: Holger Kleinstück