Uhldingen-Mühlhofen – Die Echt-Bodensee-Card (EBC), die ab kommenden Jahr Touristen gegen eine Abgabe von 1 Euro pro Gast und Übernachtung kostenlose Fahrten mit Bus und Bahn ermöglichen soll, wird auch in Uhldingen-Mühlhofen Wirklichkeit – allerdings erst ab dem Jahr 2018. Das hat der Gemeinderat bei zwölf zu sechs Stimmen im Feuerwehrgerätehaus beschlossen. Bürgermeister Edgar Lamm wurde angewiesen, die Verträge über den Beitritt zur EBC frühestens am 30. Juni 2017 zu unterschreiben, da der Gemeinderat bis dahin das Funktionieren des EBC-Systems in den bereits teilnehmenden Gemeinden beobachten und sich aus diesem Grund bis zum 30. Juni einen Widerruf des Beitritts vorbehalten möchte.

Zuvor hatte das Gremium die Antworten des EBC-Teams und der Gemeindeverwaltung auf seine Fragen vom 18. Juni zur Kenntnis genommen. Die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH (DBT) wurde gebeten, im Juni einen Sachstandsbericht zu liefern. Lamm war aufgrund seiner Mitgliedschaft in der Gesellschafterversammlung der DBT und als Aufsichtsrat der Verkehrsverbundgesellschaft Bodo befangen. Die Leitung der Sitzung, der auch Landrat Lothar Wölfle beiwohnte, hatte Bürgermeister-Stellvertreterin Helga Boonekamp inne. Zahlreiche Gegner der EBC machten aus ihrer Ablehnung mit Gesten und lautstarken Bekundungen kein Geheimnis.

Wölfle sagte, er habe während der Diskussionen den Eindruck gewonnen, dass man sich in Details verliere und der Blick für das große Ganze verloren gehe. „Es geht darum: Wie können wir für den Gast noch mehr tun, als wir es derzeit tun?“ Andere Regionen wie der Schwarzwald seien dem Bodensee im ÖPNV um Jahre voraus. „Wenn wir es schaffen, mit der EBC wenigstens einen kleinen Teilbeitrag dazu zu leisten, haben sowohl Touristen als auch Einheimische etwas von der Karte“, so Wölfle. Rolf Hans Huber, Betriebsleiter der Tourist-Information, sagte, sein Team stehe zu 100 Prozent hinter der EBC. Sie sei eine sinnvolle Ergänzung des Dienstleistungsangebots am Bodensee. Der Mehrwert für die Gäste sei sehr hoch und deren Zufriedenheit könnte durch die EBC erhöht werden.

Gemeinderat Jean-Christoph Thieke (CDU) sagte, er freue sich, "wenn wir alle bis 2018 einen konstruktiv-kritischen Weg einschlagen könnten, um mit der EBC gemeinsam an wichtigen Zukunftsthemen im Tourismus unserer Region zu arbeiten". Ute Stephan (BuF) unterstrich, man dürfe und wolle mit der EBC die touristischen Akteure wirtschaftlich nicht gefährden. Christine Allgaier (BuF) wiederum sagte, dass Uhldingen den ÖPNV brauche. "Wenn er schon um zehn Prozent stiege, haben wie für die Region schon viel gewonnen."

Zum Pro und Contra zur EBC

  • Die Karte: Die Echt-Bodensee-Card stellt ein Ganzjahresangebot für Übernachtungsgäste dar und hat zum Ziel, die vielen lokalen Gästekarten abzulösen und in eine starke Gästekarte zu übernehmen. Sie gilt als Freifahrtschein für Busse und Bahnen in der Region (außer Fernverkehr): Innerhalb des Bodo-Gebiets fahren die Gäste mit der EBC beliebig oft und gratis während Aufenthalts. Zudem gibt es Vergünstigungen bei derzeit 73 Kooperationspartnern.
  • Solidarbeitrag: Die EBC und die kostenlose Nutzung des Nahverkehrs im Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (Bodo) sollen über einen Solidarbeitrag von 1 Euro pro Nacht und Gast finanziert werden. Damit sollen die Gäste der teilnehmenden Gemeinden einen Mehrwert in der Region erhalten. Die verpflichtende Abgabe von 1 Euro, die die Gäste über die Erhöhung der Kurtaxe an die Betreibergesellschaft DTB und den Verkehrsverbund Bodo zahlen müssen, ist ein wesentlicher Kritikpunkt der Vermieter. Die EBC-Gegner fordern den freiwilligen Erwerb der Gästekarte.
  • ÖPNV: Mit der kostenlosen Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs im Bodo-Gebiet für Touristen wollen die Verantwortlichen das Verkehrsaufkommen am Bodensee minimieren. Die Gegner sind hingegen der Meinung, dass die Touristen auch mit der neuen Karte nicht häufiger in den Bus steigen werden. Außerdem müssten auch Einheimische preisgünstiger den ÖPNV nutzen können.
  • Fehlende Attraktionen: Ein Hauptkritikpunkt sind fehlende Vergünstigungen für die zehn besucherstärksten Attraktionen rund um den See. Auch die BSB machen nicht mit. Die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH sagt, dass man die Vergünstigungen der Bodensee-Erlebniskarte auf die EBC aufbuchen kann.