Uhldingen-Mühlhofen – Flüchtlinge aktivieren und sie mobil machen, mit ihnen Deutsch reden und ihnen womöglich eine Arbeitsstelle vermitteln: Das sind die Ziele der Fahrradwerkstatt, die im Mai 2016 von den ehrenamtlichen Helfern Michael Beerens und Siegfried Bäumel ins Leben gerufen worden ist. Das Projekt, das mittlerweile auch von Werner Kortwinkel, Hubert Pach und Werner Weiß unterstützt wird, fördert in erster Linie die Integration, denn es macht die Flüchtlinge mit verkehrssicheren Rädern mobil.

Familientreff stellt Garage zur Verfügung

Regelmäßig montags um 15 Uhr treffen sich die Akteure in und vor einer Garage am alten Schulhof in Oberuhldingen, die der Familientreff der Gemeinde zur Verfügung stellte. „Benötigen Sie ein Fahrrad oder Unterstützung bei der Reparatur? Dann sind Sie hier richtig. Wir bieten günstige gebrauchte Fahrräder und kleine Reparaturen für Menschen mit geringem Einkommen an“, heißt es in der Ankündigung der Fahrrad-Werkstatt. „Denn nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Sozialhilfeempfänger haben Anspruch auf die Fahrräder“, unterstreicht Susanne Hofmaier, Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte der Gemeinde.

Michael Beerens hat auch für die siebenjährige Reben (links) und den achtjährigen Berivan aus dem Irak ein Kinderfahrrad im Angebot.
Michael Beerens hat auch für die siebenjährige Reben (links) und den achtjährigen Berivan aus dem Irak ein Kinderfahrrad im Angebot. | Bild: Holger Kleinstück

Michael Beerens erzählt, dass viele Fahrräder gespendet werden. Dabei werde die Werkstatt vom Unterstützerkreis Migration Uhldingen-Mühlhofen (UMUM) unterstützt, der in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Menschen mit Migrationshintergrund bei der Integration begleitet. Man freue sich über jegliche Art von Fahrrädern, auch wenn sie nicht fahrbereit seien, sagt Beerens. Diese werden repariert und Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Dafür wird eine Pauschale von rund 20 Euro verlangt. "Die Renner sind Damenfahrräder und Mountainbikes", sagt Beerens. Es gibt aber auch Bürger, die für einen geringen Betrag ihr Fahrrad reparieren lassen.

Mobilität bringt ein Stück Selbstständigkeit

Beerens erklärt, dass die Flüchtlinge mobil sein müssten, egal ob auf dem Weg zur Arbeit oder Schule, zum Einkauf oder beim Behördengang. Da Autos für sie zu teuer seien, sei das Fahrrad das wichtigste Verkehrsmittel. „Mit der gestiegenen Mobilität geben wir ihnen auch ein Stück Selbstständigkeit zurück“, sagt er.

Flüchtlinge reparieren Fahrräder selbst

Man wolle die Menschen nicht mit Fahrrädern beschenken, sondern in den Reparaturprozess einbeziehen. „Wir unterstützen Flüchtlinge dabei, ihre eigenen Räder zu reparieren. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl und die Wertigkeit der Fahrräder.“ Die Umgangssprache in der Werkstatt ist Deutsch. „So können die neuen Mitbürger sich nicht nur in Deutsch üben, sondern Gelerntes auch gleich anwenden."

Der 22-jährige Khaibar Rahim aus Afghanistan hilft in der Werkstatt beim Reparieren der Räder mit, unterstützt von Werner Kortwinkel. Ab Herbst macht er eine Ausbildung als Fahrradmonteur.
Der 22-jährige Khaibar Rahim aus Afghanistan hilft in der Werkstatt beim Reparieren der Räder mit, unterstützt von Werner Kortwinkel. Ab Herbst macht er eine Ausbildung als Fahrradmonteur. | Bild: Holger Kleinstück

Er und seine Mitstreiter haben auch das Ziel, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen. „Wer oft an der Fahrradwerkstatt teilnimmt, bekommt einen Beleg als Eingangsqualifikation, beispielsweise bei der Bewerbung um einen Praktikumsplatz in einer professionellen Fahrradwerkstatt“, erklärt Beerens. Ganz besonders freuen sich die Initiatoren in dem Zusammenhang über Khaibar Rahim aus Afghanistan. Er war aus eigenem Antrieb vorbeigekommen und fragte, ob er helfen könne. „Wir haben sofort zugesagt, denn wie können jede Hand gebrauchen“, erläutert Siegfried Bäumel. Der 22-Jährige habe sich so geschickt gezeigt, dass man ihm empfohlen habe, das Handwerk in einer Werkstatt zu erlernen. Tatsächlich habe der junge Afghane ab Herbst eine Lehrstelle als Fahrradmonteur und werde darauf schon jetzt in einer Firma in Salem-Weildorf vorbereitet. Bäumel freut sich: „Er lässt sich unglaublich gut integrieren. Für ihn gibt es keine Religionsgrenzen oder bestimmte Wertevorstellungen, die er von Afghanistan her braucht. Das ist sehr angenehm.“