Frau Perlinger, in Unteruhldingen präsentieren Sie Ihr Programm „Worum es wirklich geht“. Um was geht es denn?

Diese Frage habe ich fast erwartet. Es ist schwierig, das auf einen Nenner zu bringen. Es geht um die wesentlichen Dinge. Es ist eine Mischung aus tief Psychologischem, hoch Politischem und Aktuellem. Und ich habe es trotzdem geschafft, dass man jede Menge zum Lachen hat.

Das hört sich nach einem Drahtseilakt an.

Ich bin sicher sehr viel politischer geworden als früher. Aber da kommt man heutzutage gar nicht mehr drumherum. Es geht um Meditation und vor allem um die innere Mitte. Mit der Spiritualität kann man übrigens jede Menge schöne Pointen machen. Auch wenn sehr viel gelacht wird, meine ich das Ganze durchaus ernst.

Dann sind Sie jetzt Gesellschaftskritikerin?

Das ist Ansichtssache. Ich bin der Meinung, dass es hilft, wenn man eine SUV-Phobie entwickelt und den Rasen nicht mehr mit der Nagelschere trimmt, sondern eine Blumenwiese ansät. Das wächst wild und die Bienen und Hummeln fühlen sich darin wohl. Ich möchte eine gewisse Umweltbewusstheit humorvoll unters Volk bringen. Außerdem möchte ich Hoffnung für die Zukunft geben und Lösungsansätze vorgeben.

Werden Sie als Sängerin, Comedian, Prophetin oder Ein-Frau-Orchester auf der Bühne stehen?

Irgendwie alles zusammen. Ich spiele unter anderem Gitarre und mit den Füßen bediene ich ein Schlagzeug. Dazu singe ich.

Kennen Sie eigentlich das Welterbe-Örtchen?

Ja, ich habe da schon gespielt. Das ist doch da, wo die Pfahlbauten sind, oder?

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Genau. Wie gut kennen Sie den Bodensee allgemein?

Wir haben uns schon einander vorgestellt und sind per Du. Allerdings lernt man sich erst so richtig kennen, wenn man auch darin schwimmen geht. Ich bin aber eine Katze und gehe nicht schwimmen. Ich gehe ja noch nicht mal im Mittelmeer schwimmen.

Sissi Perlinger bei einem Auftritt vor zwei Jahren im Welterbesaal in Unteruhldingen.
Sissi Perlinger bei einem Auftritt vor zwei Jahren im Welterbesaal in Unteruhldingen. | Bild: Manuela Klaas

Sie kümmern sich halt eher um das Drumherum.

Stimmt, ich schaue lieber über den Bodensee.

Sie haben mit 36 Jahren einen Burn-out gehabt. Wie kam es dazu?

Das war deshalb, weil ich fünf Jobs gleichzeitig gemacht habe. Das war ja auch schön, ich hatte Erfolg und habe viele Preise erhalten.

Hatten Sie das Problem, dass Sie nicht Nein sagen konnten?

Sicherlich. Genau das habe ich mittlerweile gelernt. Ich war damals neugierig und mir hat keiner gesagt, dass man auch mal Urlaub braucht.

Wie hat sich das dann geäußert?

Mein Körper, also meine innere Alarmanlage, hat mir das einfach nicht verziehen. Ich bekam einen Tinnitus, mit dem ich quasi ein Jahr nicht schlafen konnte. Dabei musste ich aber noch meine Verträge abarbeiten und habe mir dadurch einen ganz schweren Burn-out eingehandelt.

Wie haben Sie es geschafft, den Weg zurück zum Alltag zu finden?

Ich habe eine dreijährige Therapie gemacht. Ich habe meine ganze Kindheit aufgearbeitet. Da steckte dann auch die Ursache drin. Ich dachte immer, es sei nur der Tinnitus gewesen. Mein Vater hat mich früh verlassen und ich dachte immer, ich sei nicht gut genug. Durch die Therapie habe ich mein Leben dann neu geordnet in eine Aus-Zeit und eine Applaus-Zeit.

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Und wie sieht das aus?

Ich habe mir jedes Jahr Sabbatical-Phasen eingebaut, in denen ich das machen kann, auf was ich gerade Lust habe, was nicht heißt, dass ich da nicht arbeite. Ich habe in einer solchen Phase beispielsweise Gitarrespielen gelernt oder einige meiner Shows geschrieben. Aber ich hetze eben nicht von Termin zu Termin. Ich bin da bei mir.

Wie sehen Sie das Ganze aus der heutigen Perspektive?

Ich bin so froh, dass es mich so früh ereilt hat. Natürlich bin ich auch froh, dass ich es weggesteckt habe, den Tinnitus wieder losgeworden bin und den Weg zurückgeschafft habe. Das ist sicherlich auch der Grund, warum ich heute ein sehr glücklicher Mensch bin, der seinen Traum leben darf.

Stimmt es, dass Sie nach dem Abitur nach Paris auswanderten und dort Ihr Geld mit Singen und Tanzen auf den Straßen verdienten?

Ja, das ich fast richtig. Ich bin nicht gleich nach Paris, ich bin erst nach Montpellier. Dort habe ich den Sommer verbracht. Dann bin ich nach Paris und habe in einem Appartement gewohnt mit Blick auf Sacré-Coeur. Dann habe ich mich aber leider schwer verletzt und musste nach Hause. Danach bin ich nie mehr hin.

Dann kann man sagen, dass Ihre Karriere in Paris begann und Sie dort das erste Angebot bekamen?

Nein, das erste Angebot bekam ich in München. Das war wirklich magisch. Ich bin ein Jahr weg gewesen, komme zurück und war einen Tag da, da rief mich jemand an, der auf eine Zeitungsannonce von mir reagierte, die ich zwei Jahre vorher aufgegeben hatte. Er suche eine singende Tänzerin für ein Projekt.

Was stand denn in der Anzeige?

„Singender Tanzclown sucht Anschluss an interessantem Projekt“ – damit kam ich in die Band „5 Voices In Close Harmonie“. Das war der Start meiner Karriere.

Sie werden als Entertainerin, Schauspielerin, Hörspielsprecherin und Autorin beschrieben. Als was sehen Sie sich?

Als Sissi Perlinger. Ich bin all das und habe viele Facetten. Und die lasse ich auch alle in meine Soloshows mit einfließen – das ist ja das Schöne. An einem zweistündigen Abend hat man auch viel Zeit dazu.

Gibt es einen Grund, warum man Sie häufig im Leoparden-Look sieht?

Ich besitze nichts anderes. Häufig ist in diesem Falle absolut untertrieben. Ich trage seit 15 Jahren nur Leo von morgens bis abends, selbst zur leichten Gartenarbeit. Das bin einfach ich – alles andere ist Verkleidung. Das hat aber auch beispielsweise einen ganz klaren ökologischen Vorteil, dass ich nichts mehr kaufen brauche. Ich habe alles. Man spart jede Menge Geld. Ein weiterer Vorteil ist, es schmutzt nicht, denn es sind schon Flecken drin.

Sie wirken auf der Bühne sehr selbstbewusst. Gibt es etwas, wovor Sie Angst haben?

Wasser (lacht). Naja – Angst und Selbstbewusstsein sind zwei verschiedene Sachen. Ich bin sicher nicht von mir selbst überzeugt. Ich bin vor jedem Auftritt nervös, die Kollegen sind viel entspannter. Ich strotze nicht von Selbstbewusstsein. Ich muss mir schon immer wieder selber sagen: Du bist gut genug.

Sie gelten als Arbeitstier. Allein im Oktober absolvieren Sie 16 Auftritte. Wie halten Sie sich fit?

Ich habe einen Supertrick angewendet und mein Yoga, das ich jeden Tag machen möchte, in meine Show eingebaut. Das ist eine superlustige Nummer geworden. Ich habe immer davon geträumt und jetzt mache ich Yoga einfach vor dem Publikum.

Und wie erholt sich eine Sissi Perlinger?

Ich kann sehr schnell und fast überall abschalten. Wenn ich auf Tournee bin, gehe ich unheimlich gerne spazieren. Das werden wir sicherlich auch in Unteruhldingen machen. Ich genieße dann die Umwelt und die Natur.